Graues Geld 13.06.2013, 14:30 Uhr

Luxemburger Banken: Die richtig Reichen werden bleiben

Die Luxemburger Banken rechnen fest damit, dass das Bankgeheimnis fallen wird, glauben aber, dass die wirklich vermögenden Kunden dem Land treu bleiben werden.

Carlo Thill, Vizepräsident der Luxemburger Bankenvereinigung, sperrt sich nicht gegen des Fall des Bankgeheimnisses in Luxemburg. Thill glaubt, dass die meisten vermögenden Kunden dem Großherzogtum treu bleiben.

Carlo Thill, Vizepräsident der Luxemburger Bankenvereinigung, sperrt sich nicht gegen des Fall des Bankgeheimnisses in Luxemburg. Thill glaubt, dass die meisten vermögenden Kunden dem Großherzogtum treu bleiben.

Foto: BGL BNP Paribas

Allerdings gibt der Vizepräsident der Luxemburger Bankenvereinigung, Carlo Thill, im Gespräch mit den VDI nachrichten zu, dass ein Teil des in Luxemburg angelegten Kapitals nicht ganz legal ist. „Die Gelder hier sind nicht schwarz, aber ein Teil ist noch grau. Damit meine ich, dass es im Heimatland verdient und besteuert wurde, aber die Kontohalter keine Kapitalsteuer darauf zahlen wollen“, so Thill, Chef der Luxemburger BGL BNP Paribas.

Schwarzgeld ließe sich künftig in Luxemburg kaum noch anlegen, weil man kein Bargeld mehr akzeptiere. „Die Schlupflöcher werden verschwinden, davon sind wir überzeugt. Es gibt keine Bank mehr, die Cash akzeptiert.”

Dennoch würden die meisten Kunden in Luxemburg bleiben.„Wir gehen davon aus, dass die Vermögenden mit Einlagen ab 500 000 Euro in Luxemburg bleiben werden“, so Thill. „Das können wir aus den Erfahrungen heraus sagen, die wir seit einem Jahr machen. So lange führen wir schon Gespräche mit den Kunden und versuchen sie zu überzeugen, steuertransparent zu werden, falls sie das nicht schon sind.“

Zudem bleibe Luxemburg aufgrund seiner räumlichen Nähe für Großanleger interessant. „Die Kunden wollen eine Nähe zu ihrem Vermögen. Da sind Offshore-Plätze wenig interessant.“ Deshalb glaubt Thill, dass auch die meisten deutschen Banken ihre Filialen in Luxemburg halten werden. „Von den zahlreichen deutschen Banken in Luxemburg bleiben die allermeisten.“

Hier das Interview im Wortlaut:

VDI nachrichten: Herr Thill, werden die deutschen Kunden mit dem Ende des Bankgeheimnisses aus Luxemburg verschwinden?

Thill: Nein, wir haben es mit zwei Kundengruppen zu tun, den sehr Vermögenden und den etwas weniger Vermögenden. Wir gehen davon aus, dass die Vermögenden mit Einlagen ab 500 000 € in Luxemburg bleiben werden. Das können wir aus den Erfahrungen heraus sagen, die wir seit einem Jahr machen. So lange führen wir schon Gespräche mit den Kunden und versuchen sie zu überzeugen, steuertransparent zu werden, falls sie das nicht schon sind. Die Schlupflöcher werden verschwinden, davon sind wir überzeugt. Es gibt keine Bank mehr, die Cash akzeptiert.

Warum sollte ein vermögender deutscher Kunde noch hierbleiben?

Wir haben die Möglichkeit, sein Vermögen zu strukturieren. Meist geht es um international tätige Kunden mit Vermögen in mehreren Ländern. Luxemburg ist historisch multikulturell und hat immer Geschäfte in mehreren Devisen durchgeführt. Darüber hinaus sind die Mitarbeiter mehrsprachig.

Wir können außerdem kompetent bei Erbschaftsfragen internationaler Dimension beraten. Die Kunden wollen außerdem eine Nähe zu ihrem Vermögen. Da sind Offshore-Plätze wenig interessant. Viele Kunden nehmen hier übrigens auch ihren Wohnsitz. Von den zahlreichen deutschen Banken in Luxemburg bleiben die allermeisten.

Wie viel deutsches Schwarzgeld wird noch in Luxemburg gebunkert?

Die Gelder hier sind nicht schwarz, aber ein Teil ist noch grau. Damit meine ich, dass es im Heimatland verdient und besteuert wurde, aber die Kontohalter keine Kapitalsteuer darauf zahlen wollen. Luxemburg führt aber Geld an den deutschen Fiskus ab. 2006 hat sich Luxemburg mit der Zinsdirektive bekanntlich für die Abgeltungssteuer entschieden. Ein deutscher Kunde zahlt hier 35 %. Davon erhält der deutsche Staat 75 %. Luxemburg überweist drei Viertel der Steuereinnahmen deutscher Einwohner.

Sie fürchten also nicht, dass der Finanzsektor in Luxemburg einbricht?

Der Finanzsektor in Luxemburg verdient schon lange wesentlich mehr mit Fonds als mit dem Privatkundengeschäft. Letzteres macht nur noch rund 16 % der Einkünfte dieses Bereiches ausmacht. Und das muss man relativ sehen: Der ganze Bankenplatz wirft netto jährlich rund 5 Mrd. € ab, 2012 waren es 3,5 Mrd. €. Unsere Bankengruppe dagegen hat 7 Mrd. € erzielt.

Ich denke, die Politiker machen sich Illusionen, wenn sie von riesigen Steuereinnahmen träumen. Unklar ist auch, wie diese riesigen Datenmengen überhaupt bearbeitet werden sollen.

Was bleibt vom Bankgeheimnis?

Ab dem 1. Januar 2015 gelten in Luxemburg die gleichen Regeln wie in anderen europäischen Ländern, was Zinseinkünfte angeht. Wir teilen dann der luxemburgischen Steuerbehörde mit, welche Zinseinkünfte angefallen sind. Wenn jemand in Luxemburg wohnt und ein Konto in Deutschland hat, erhält der Luxemburger Staat eine Mitteilung aus Deutschland, falls Zinsen gezahlt wurden – und umgekehrt. Bislang geht es nur um Zinseinkünfte. Aber wir glauben, dass bald alle Produkte darunter fallen.

Eröffnen Sie Filialen in Deutschland?

Nein, wir von BGL BNP Paribas nicht. Aber andere Luxemburger Banken sind nach Deutschland oder Belgien gegangen.  

Ein Beitrag von:

  • Axel Mörer-Funk

    Axel Mörer-Funk ist Gesellschafter der Medienagentur S-Press in Bonn. Nach einem Volontariat beim Bonner Generalanzeiger und dem Besuch der Journalistenschule Hamburg arbeitete er u.a. als freier Journalist für dpa, Bunte und Wirtschaftswoche.

  • Cordelia Chaton

    Cordelia Chaton hat einen Master in Business Administration und war Redakteurin für Wirtschaft und Politik u.a. beim Handelsblatt und der Wirtschaftswoche. Sie schreibt vor allem über Management- und Karrierethemen.

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