Geldanlage 13.04.2012, 11:58 Uhr

Leser-Vermögenscheck: Viel Wissen, wenig Mut

Rund 500 Depots im Wert von knapp 57 Mio. € – so viel hatten die bankenunabhängigen Vermögensverwalter bei unserem diesjährigen Vermögenscheck zu prüfen. Dabei stellten sie teils extreme Unwuchten fest

Besser nichts tun, als Fehler zu riskieren: Viele Teilnehmer an unserem großen Vermögenscheck haben sich anscheinend vom Aktienmarkt komplett verabschiedet und setzen auf – vermeintlich – risikofreie Tagesgeldkonten. „Es wird ,Zinshopping‘ betrieben, je nachdem bei welcher Bank es gerade hohe Zinsen gibt“, konstatiert Markus Pawlita von der Freiburger Vermögensmanagement. „Aufgrund der Zinssenkungen herrschte aber auch hier Sorge vor der Kapitalvernichtung durch Inflation oder den Zusammenbruch des Euro“, hat Michael Dutz von der Adlatus AG erfahren.

Neben der hohen Liquidität hätten sich vor allem Immobilien in den Vermögensaufstellungen gefunden, so Pawlita weiter. „Aktien waren dagegen kaum in den Depots, und wenn, dann wurde oft ohne erkennbare Struktur und Strategie investiert.“

Vermögenscheck: Fondkäufer kaufen rein nach Rankings

„Unstrukturiertes Zusammenkaufen von Aktienfonds mit ähnlichen Anlageschwerpunkten“, hat auch Christian Fischl beobachtet. „Meist schauen die Fondskäufer nur auf die Vergangenheitsentwicklung und kaufen rein nach Rankings, ohne zu wissen, was im Fonds überhaupt passiert“, so der Geschäftsführer der Münchener Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen.

Was die Vermögensprofis sonst noch feststellten:

– Strukturschwaches Gebiet: Zu viel oder zu wenig – beide Extreme fanden sich in den Portfolios. Nur selten habe die Depotstruktur zum Risikoprofil und zu den Anlagezielen der Teilnehmer gepasst, kritisieren die Anlageexperten. Das Zuviel bezog sich dabei vor allem auf die hohe Liquidität. In einigen Fällen gab es aber auch zu viele Positionen im Portfolio. „In einem Depot machten einzelne Wertpapiere weniger als 1 % des gesamten Geldvermögens aus“, erklärt Michael Deeken von der Vermögensanlage AltBayern.

Das erschwert es Anlegern, den Überblick über ihre Investments zu behalten. Außerdem schmälern die Kosten für Kauf und Verkauf bei kleinen Wertpapierpositionen die Rendite. Steckt hingegen zu viel in einer einzelnen Aktie, wächst das Risiko großer Wertschwankungen. Von solchen „Klumpenrisiken“ in den Leserdepots berichteten die meisten Vermögensverwalter.

„Der häufigste Anlagefehler war das Kaufen und Liegenlassen, in der Hoffnung, dass mit der Zeit alles gut wird“, sagt Michael Dutz von der Adlatus AG. „Leider ist vieles nicht wieder gut geworden, da bei Zertifikaten Barrieren gerissen wurden, Beteiligungen keine Erträge gebracht haben oder Immobilienfonds geschlossen wurden.“

– Kostspielig: Bei Investmentfonds und geschlossenen Beteiligungen können Ausgabeaufschläge bzw. Agios die Rendite deutlich schmälern. Darauf weist Felix Trobisch von der Capitell Vermögens-Management in Frankfurt hin. Nicht immer ist den Bankkunden bewusst, dass sie die Anlageprodukte bei anderen Anbietern mit reduziertem oder komplett ohne Aufschlag kaufen können.

Auch während der Laufzeit kosten die Anlagen Gebühren: „In einigen Depots waren Fonds mit hohen Verwaltungsgebühren und einer von der Performance abhängigen Zusatzkomponente“, berichtet Michael Deeken von der Vermögensanlage AltBayern. „Für ein Produkt kassierte der Emittent 2 % p.a. und zusätzlich 20 % vom Gewinn, falls mehr als 5 % erwirtschaftet werden.“

Vermögenscheck: Anleger setzen auf Immobilienfonds

– Betongoldrausch: VDI nachrichten-Leser lieben Betongold. Diesen Schluss legen die Einschätzungen der Vermögensverwalter nahe. „Die eigene Immobilie wird als wichtigster Vermögensbaustein gesehen“, kommentiert Markus Pawlitta. Doch obwohl damit schon der empfohlene Immobilienanteil am Gesamtvermögen übererfüllt war, hatten die Anleger oft noch zusätzlich geschlossene oder offene Immobilienfonds im Portfolio.

„Besonders konservative Kunden hatten offene Immobilienfonds teilweise schwer übergewichtet, mit Depotanteilen von 10 % und mehr“, stellt Christian Fischl heraus. Damit machten sich die Anleger jedoch zu stark von der Preisentwicklung am Immobilienmarkt abhängig. Außerdem haben viele Fondsgesellschaften die Rücknahme der Anteile wegen Liquiditätsproblemen aussetzen müssen. Diese Fonds sind derzeit nur mit erheblichen Abschlägen über die Börse veräußerbar.

– Rohstoffmangel: „Gold ist in den Depots im Schnitt deutlich untergewichtet“, meint Markus Dächert, Wallrich Asset Management. Wenn Edelmetalle überhaupt im Anlagenmix vorkamen, waren es in erster Linie Goldmünzen, die privat oder im Bankschließfach aufbewahrt wurden. Minenaktien, Rohstofffonds oder mit physischem Gold unterlegten Zertifikaten fanden die Vermögensverwalter kaum vor.

– Anleihe-Fremdeln: Bei aller Liebe zu verzinsten Anlagen, wie Termingeldern, spielten Rentenpapiere dennoch keine große Rolle in den gemeldeten Depots. Dabei gibt es neben den zurzeit wenig attraktiven Bundesanleihen durchaus interessante Titel. Dazu zählen die Vermögensverwalter vor allem die Schuldverschreibungen großer Unternehmen mit stabilem Cashflow und krisenfestem Geschäftsmodell.

Vermögenscheck-Fazit: Viele Anleger nutzen Finanzwissen nicht ausreichend aus

„Unternehmensanleihen spielen jedoch nur eine untergeordnete Rolle bei den Depotcheck-Interessenten sie sind höchstens indirekt, über Rentenfonds der Hausbank, enthalten“, resümiert Vermögensverwalter Michael Deeken.

Fazit: Die Vermögensverwalter bescheinigen den Teilnehmern des Vermögenschecks teils gutes bis sehr gutes Finanzwissen. Viele Leser trauen sich aber offenbar nicht, auf Basis dieses Wissens konkrete Anlageentscheidungen zu treffen oder sich Fehler einzugestehen.

Ein Beitrag von:

  • Martin Volmer

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Wirtschaft, Konjunktur, Wirtschaftspolitik.

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