Kreditwirtschaft 06.07.2001, 17:30 Uhr

„Kreditrisiken viel detaillierter darstellen“

Nach den neuen Baseler Kreditvorschriften müssen sich Mittelständler künftig durchleuchten lassen. Die Sparkasse Aurich-Norden praktiziert seit Jahren entsprechende Ratings. Fragen an den Vorstandsvorsitzenden Klaus Ortmann.

Ortmann: Ziel ist es, das Bewusstsein für vorhandene und geplante Risiken bei Kreditinstituten und deren Kunden zu schärfen. Der bisherige Ansatz ist sehr pauschal. Es geht darum, die Risiken detaillierter zu erfassen, um sie dann mit Wahrscheinlichkeitsansätzen zu berechnen. So kann man erwartete Ausfälle abdecken, nicht allerdings die unerwarteten.

VDI nachrichten: Wie bereitet sich Ihr Haus auf die neuen Regelungen vor?

Ortmann: Wir unterziehen unsere Kunden bereits seit knapp zehn Jahren freiwillig einem Rating. Und zwar nicht nur die Firmen-, sondern auch die Privatkunden. Wir haben also schon einiges an Erfahrung. Damit halten wir auch den notwendigen Apparat für diese Aufgabe vor. Und natürlich sind unsere Mitarbeiter entsprechend ausgebildet.

VDI nachrichten: Wie sieht so ein Rating aus?

Ortmann: Üblich ist es schon jetzt, Kunden in Bonitätsklassen einzuteilen – von risikoreich bis weniger risikoreich. Bei unserem Rating beachten wir neben der Person des Kunden, seiner Ausbildung und besonderen fachliche Fähigkeiten, vor allem die Jahresabschlussdaten.

In Zukunft dürfte das Spektrum der Risiken breiter aufgefächert werden. Während sich die Bonitätsbetrachtung bisher nur auf die risikoreichen Anträge beschränkte, wird in Zukunft das gesamte Spektrum zu raten sein. Um die gewünschte Differenzierung der Kreditrisiken zu erreichen, wird man das gesamte Kreditportfolio eines Instituts wahrscheinlich in sogenannte Exposureklassen – Unternehmen, Banken und Staat – einteilen. Das Rating wird einen starken Zukunftsbezug über Plandaten haben.

VDI nachrichten: Wie wirkt sich das für den Kunden aus?

Ortmann: Gewollt ist, dass das individuelle Kreditrisiko durch eine detailliertere Betrachtung viel genauer erkannt und dargestellt wird. Ich sehe Basel II insgesamt als Chance sowohl für das Kreditinstitut als auch für den Kunden.

Alle sind aufgefordert, das Kreditengagement kritisch zu betrachten, mehr zu objektivieren, mehr mit Zahlen aus der Kosten-, Kostenarten- und Kostenstellenrechnung zu unterlegen.

VDI nachrichten: Das können gerade kleine Mittelständler oft nicht aus eigener Kraft…

Ortmann: Richtig, gefordert sind daher auch die Berater der mittelständischen Unternehmen, etwa Steuerberater oder Standesorganisationen. Sie sollten gemeinsam mit ihren Mandanten und der Bank nicht zuletzt auch die Sinnhaftigkeit einer Investition und eines Kredits unter den unterschiedlichsten Aspekten hinterfragen.

VDI nachrichten: Ein solcher Aufwand kostet Geld…

Ortmann: Aber ist das nicht gut angelegt, wenn die Risiken dadurch so minimiert werden, dass der Kredit nicht Not leidend wird? Ich glaube Basel II kann sich für alle Beteiligten vorteilhaft auswirken. Letztlich geht es darum, über noch mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit die Ausfälle im Kreditgeschäft zu senken.

VDI nachrichten: Heißt das aber nicht auch, dass auf Kunden geringerer Bonität höhere Zinsen zukommen? Ortmann: Eine gewisse Zinsspreizung haben wir auch heute schon. Ich glaube nicht, dass Basel II zu einer stärkeren Spreizung führen wird. Stellen sich Risiken als weniger gravierend als bei pauschaler Betrachtung heraus, könnte dies sogar zu einem günstigeren Zins führen, andererseits dürften schwerwiegendere Risiken zu höherem Zinssatz führen.

VDI nachrichten: … und zu mehr Ablehnungen von Kreditanträgen?

Ortmann: Unsere bisherigen Rating-Erfahrungen bestätigen dies nicht. Im Gegenteil. Bei qualitativ verbesserten Kreditunterlagen, etwa in puncto Schnelligkeit und Aktualität, steigt eher die Chance auf eine Kreditzusage.

VDI nachrichten: Wie sollten sich Mittelständler in Zukunft wappnen, wenn sie einen Kreditantrag stellen wollen?

Ortmann: Wichtig ist ein fundiertes und detailliertes Rechnungswesen. Daraus müssen Stärken und Schwächen eines Unternehmens ersichtlich sein. Zudem sollte der Markt skizziert werden. Das eigene Produkt und seine Marktchancen gilt es, zu beschreiben. Und wenn man in der Lage ist, die Vergangenheitsdaten – auch projektbezogen – in die Zukunft zu projizieren, dann ist das eine gute Sache.

DIETER W. HEUMANN

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