Versicherungen 25.07.2008, 19:36 Uhr

Krankenversicherte stehen vor vielen Rätseln  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 7. 08, elb – Viele Bundesbürger sind ratlos. Sie wissen nicht, wie es bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weitergeht, und wo die private Krankenversicherung (PKV) hilft. Ohne qualifizierte Beratung finden die Bundesbürger aus dem gesetzlich verordneten Wirrwarr nicht heraus. Wir zeigen Ihnen , wo Sie Hilfe finden.

Die Lage in der Krankenversicherung ist derzeit schwierig; noch muss das Bundesverfassungsgericht darüber entscheiden, ob die Gesundheitsreform überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Das Gericht hat Stellungnahmen zu der Verfassungsbeschwerde der 30 privaten Krankenversicherer angefordert. Die Unternehmen sehen ihr Geschäftsmodell durch die Vorschriften bedroht, die 2009 in Kraft treten sollen. Ihre Kritik richtet sich gegen den „Basistarif“, den sie künftig anbieten müssen. Die privaten Kassen fürchten, dass ihre anderen Versicherten die Verluste aus diesem Bereich durch höhere Beiträge ausgleichen müssen.

Seit der letzten Gesundheitsreform haben die Krankenkassen mehr Möglichkeiten, ihren Mitgliedern Wettbewerbsanreize zu bieten. So werden junge, männliche, gut verdienende Mitglieder mit Selbstbehalt- oder Beitragsrückzahlungstarifen verwöhnt. Diese so genannten Wahltarife sollen die gesetzlichen Krankenkassen für diejenigen interessanter machen, die ohnehin zu einer privaten Krankenversicherung wechseln können. Doch Vorsicht, sagt die Verbraucherzentrale: Diese Tarife lohnen sich nur, wenn man überwiegend gesund ist.

Darüber hinaus können – entweder durch Vermittlung der eigenen gesetzlichen Krankenkasse oder auf dem freien Markt – Zusatzversicherungen, etwa für Zahnersatz oder Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung im Krankenhaus, abgeschlossen werden. Hier gilt es, die Angebote genau zu vergleichen, sagen die Verbraucherschützer. Deshalb ist in der Krankenversicherung qualifizierte Beratung heute wichtiger denn je. Doch sie ist künftig leichter zu erhalten als bisher. Und bei Streitigkeiten hat der Versicherte auch eine bessere Position: Nach der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) gibt es jetzt eine Beratungspflicht für die Vermittler und nicht nur das Bestreben nach einer schnellen Unterschrift unter den Versicherungsantrag. Zuerst geht es dabei um die Offenlegung der Beratungsgrundlage. Das geschieht durch die Übergabe einer „Visitenkarte“. Wer verkauft, muss also deutlich machen, in wessen Auftrag er das tut, und was das kostet, sagt die Stiftung Warentest.

Eine unabhängige Beratung finden Kunden dagegen bei einem gerichtlich zugelassenen Versicherungsberater. Gegen Honorar versorgt er sie mit einem passenden Konzept. Versicherungsverträge schließen seine Klienten bei ihm jedoch nicht ab.

Hoffentlich gute Beratung und Zugriff auf alle Angebote am Markt erhält ein Kunde bei einem Versicherungsmakler. Diese Makler verkaufen Versicherungen und leben von der Vermittlungsgebühr, der Courtage, die der Versicherer ihnen dafür zahlt. Sie schreiben sich Fairness auf die Fahnen, doch ob alle diesem Credo folgen, weiß keiner.

Die Vermittlungsgebühr ist auch die Haupteinkommensquelle von Vertretern, die für eine Gesellschaft oder für mehrere arbeiten können. Sie erhalten für Ihre Arbeit eine Provision.

Von ihren Beratern werden die Versicherungsnehmer zunächst einmal mit einer Vielzahl von Informationen konfrontiert. Denn die Vermittler sind laut VVG nun verpflichtet, Kunden nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu befragen und entsprechend zu beraten, sagt die Verbraucherzentrale. Die Beratung ist außerdem zu dokumentieren, sofern der Verbraucher darauf nicht ausdrücklich verzichtet hat. Hiervon ausgenommen sind Policen, die per Telefon, Fax oder Internet bei einem Direktversicherer abgeschlossen wurden.

Besonders wichtig: Bei Lebens- und privaten Krankenversicherungen müssen erstmals sämtliche mit dem Vertrag verbundene Abschlusskosten und laufende Verwaltungsgebühren offen gelegt werden. Bei einer Verletzung dieser Pflichten besteht Anspruch auf Schadenersatz.

„Verzichten Sie keinesfalls auf umfassende Information und Beratung und achten Sie darauf, dass der Vermittler ein Beratungsprotokoll anfertigt, unterschreibt und Ihnen vor Vertragsabschluss aushändigt“, rät die Stiftung Warentest. So haben Sie es im Fall einer Falschberatung leichter, Schadenersatz zu bekommen.

Hilfreich ist folgendes Fazit der Verbraucherzentrale: „Wer sich nur auf Berater verlässt, die eigentlich Verkäufer sind, ist meist schlecht beraten. Wir wollen hier nicht alle Versicherungsvermittler in einen Topf werfen. Viele so genannte Versicherungsagenten setzen sich durchaus für das Wohl ihrer Kunden ein. Hier handelt es sich um Einfirmenvertreter. Ihre Kundenbeziehung verläuft meist so, wie sie sein sollte – sie geht über Jahre oder Jahrzehnte. Gleichwohl dürfen solche Vermittler in der Regel nur die Produkte eines einzigen Versicherers verkaufen. Richtig gute Produkte können sie damit meist nicht anbieten.“

Wenn es bei der Beratung nicht geklappt hat, oder wenn es Ärger mit der Versicherung gibt, dann hat der Bundesbürger mehrere Anlaufstellen. Zum einen kann man sich an das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen (BaFin) wenden. Die Adresse lautet: Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn, Internet: www.bafin.de, Tel. 01805/122346.

Die Beschwerdestatistik der BaFin für 2007 weist gegenüber 2006 einen Rückgang auf. Das gilt auch für den Bereich der privaten Krankenversicherung. Belegte die AXA Krankenversicherung AG 2006 mit 24 Beschwerden auf 100 000 Verträge noch einen negativen Spitzenplatz, so hatte sie im vergangenen Jahr nur noch 17 Beschwerden auf 100 000 Verträge hinzunehmen. Auch die Asstel Krankenversicherung AG fiel von 22 Beschwerden auf sechs Beschwerden pro 100 000 Policen zurück.

Helmut Müller ist der neue Ombudsmann für Kunden, die sich mit einem privaten Krankenversicherungsunternehmen (PKV) streiten. An den außergerichtlichen Streitschlichter können sich sowohl privat Krankenversicherte wenden als auch Kunden, die Probleme mit einer Zusatzversicherung haben. Die Adresse für den Ombudsmann der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung lautet: Kronenstr. 13, 10117 Berlin, Internet: www.pkv-ombudsmann.de, Tel. 01802/550444.

Beim PKV-Ombudsmann ist die Zahl der Beschwerden im vergangenen Jahr allerdings erneut deutlich gestiegen, weil die Krankenversicherer weniger kulant waren. Mit fast 4000 Beanstandungen war sie um 13 % höher als im Vorjahr und somit fast doppelt so hoch wie vor fünf Jahren. Als Folge der zahlreichen Beschwerden betrug die Bearbeitungsdauer für Klagen sechs Monate. Zudem werden laut Helmut Müller immer weniger Streitfälle zwischen Versicherung und Patient einvernehmlich geregelt.

Müller geht davon aus, dass es in Zukunft mehr Beschwerden geben wird als bisher. Ursache dafür sei auch die jüngste Gesundheitsreform, aus der sich neue Fragen ergeben dürften. Als Beispiele nannte er etwa den Basistarif und die Übertragbarkeit der Alterungsrückstellungen. Ein neuer Bereich ist die Möglichkeit für Versicherte, sich über Vermittler zu beschweren. Doch es gibt auch Beschwerdefälle, die aussichtslos sind. „Bei Prämienerhöhungen ist meistens nichts zu machen“, sagt er. Doch das verstehe der Kunde meistens nicht. OSKAR H. METZGER

Von Oskar H. Metzger

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