Geldanlage 22.02.2013, 17:00 Uhr

„Kleinaktionäre sollten ihre Rechte wahrnehmen“

Die Schweizer streiten darüber, wie man die Rechte von Aktionären stärken kann. Auch ein Thema für Deutschland? Fragen an Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Im Schatten der Großen: Kleinaktionäre in Deutschland.

Im Schatten der Großen: Kleinaktionäre in Deutschland.

Foto: dpa

VDI nachrichten: Herr Hocker, was halten Sie von der Schweizer Volksinitiative „gegen die Abzockerei“ in Unternehmen?

Hocker: Ich sehe sie als Produkt ihrer Zeit. Die Schweizer haben erfahren, dass ihre hochgelobten Banker so hohe Verluste produzierten, dass letztlich der Staat, also die Steuerzahler, einspringen musste. Nur so konnte eine weitere Zuspitzung der Krise verhindert werden. Die für die Verluste Verantwortlichen kassierten indes Vergütungen im zweistelligen Millionenbereich. Das hat nachvollziehbare Wut bei den Schweizern wachgerufen.

Am 3. März stimmen die Schweizer über die Volksinitiative ab. Mit welchem Ergebnis rechnen Sie?

Aufgrund der hohen Zustimmung in der Bevölkerung gehe ich davon aus, dass Minder die Abstimmung für sich entscheiden wird. Aber einen gewissen Etikettenschwindel kann man nicht übersehen. Bisher war immer von den exorbitanten Vergütungen der Manager die Rede. Nun erklärt Minder plötzlich in einem Interview, es gehe ihm nicht in erster Linie um die Managergehälter und –boni, sondern darum, die Macht der Aktionäre in den Generalversammlungen zu stärken. Dennoch, die Wähler dürften weitgehend festgelegt sein, so-dass die jüngsten Irritationen einen Sieg Minders nicht gefährden sollten.

…zumal gerade in den letzten Tagen ein weiterer Fall von „Abzocke“ bekannt wurde.

Ja, es handelt sich um den zurückgetretenen Chef des schweizerischen Pharmakonzerns Novatis, Daniel Vasella. Vasella sollte fast 60 Mio. € dafür bekommen, dass er sechs Jahre lang nicht für die Konkurrenz tätig wird, sondern Novatis berät. Nach einem Sturm öffentlicher Empörung gab Novatis allerdings soeben die Annullierung des Abfindungsvertrags bekannt.

Auch in Deutschland hat es spektakuläre Fälle von Selbstbedienung in Chefetagen gegeben.

Ja, ich denke etwa an Herrn Ackermann, den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, der Vergütungen von über 10 Mio. € im Jahr kassiert hat.

Ich denke aber auch an Herrn Winterkorn, den Chef von Volkswagen, der es auf ca. 17 Mio. € im Jahr gebracht hat. Allerdings muss man zu Winterkorn sagen, dass er einen weltweit enorm erfolgreichen Autokonzern aufgebaut hat. Und er hat jüngst selbst ein Überdenken seiner Bezüge angekündigt. Das wird anerkannt.

Haben die Aktionäre in den Hauptversammlungen deutscher AGs genügend Einfluss, um Exzesse bei Gehältern und Boni zu verhindern? Oder bräuchten wir auch eine Initiative nach Schweizer Vorbild?

Es hat sich bei uns einiges getan. Sowohl die Kommission des Corporate Governance Kodex als auch der Gesetzgeber haben sich mit dem Problem der Vergütungen beschäftigt. Mehr Transparenz ist geschaffen worden. Der Gesetzgeber verlangt, dass Boni zumindest an die mittel- und langfristige Vergütung angepasst werden und nicht aus kurzfristiger Zockerei resultieren.

Ferner sagt der Gesetzgeber, dass die Hauptversammlung zu den Vergütungssystemen Stellung nehmen kann – ohne rechtlich bindende Wirkung. Es ist eine Meinungsäußerung. Über die Höhe der Vergütungen entscheidet in Deutschland nach wie vor der Aufsichtsrat der AG.

Damit bleiben die Aktionäre aber doch letztlich vor der Tür.

In den Hauptversammlungen etwa der Deutschen Bank oder von Heidelberger Zement hat sich gezeigt, dass die Aufsichtsräte hohe Ablehnungsquoten im Aktionärsplenum sehr wohl ernst nehmen. Sie reagieren darauf.

Aber die Abstimmung findet nach wie vor nach Stimmrechten und nicht nach Köpfen statt?

Das ist richtig. Die Großaktionäre haben folglich die Mehrheit. Dagegen kann der Rest der Aktionäre wenig ausrichten.

Kleinaktionäre stehen auch gegenüber den Banken, die über die Depotstimmrechte ihrer Kunden verfügen, auf verlorenem Posten, oder?

Ja, aber die Kleinaktionäre können sich auch in Gruppen sammeln, wie z. B. in der DSW. Und sie haben – sollten sie nicht persönlich an der Hauptversammlung teilnehmen können – die Möglichkeit, den Banken nicht nur ihr Stimmrecht zu übertragen, sondern diese auch anzuweisen, wie sie abzustimmen haben. Von dieser Möglichkeit wird leider viel zu selten Gebrauch gemacht. Ich kann die Kleinaktionäre nur ermuntern, ihre Rechte in vollem Umfang wahrzunehmen. Nur so können sie den Großaktionären wirkungsvoller entgegentreten…

…und so die Aktionärsdemokratie stärken?

Das ist ein wichtiger Punkt. Wir sind zwar im europäischen Vergleich in dieser Hinsicht recht gut aufgestellt, aber die Möglichkeiten müssen auch – wie dargelegt – genutzt werden. Auch Aktionärsdemokratie muss mit Leben gefüllt sein.

Also wäre ein Kippen des Depotstimmrechts wie es in der Schweiz sowohl von der Minder-Initiative als auch von der Gegenbewegung, der „indirekten Gegeninitiative“ gefordert wird, hierzulande nicht nötig?

Nein, aus den vorgenannten Gründen. Ohne die Möglichkeit des Depotstimmrechts gäbe es zudem wesentlich weniger Stimmrechte in den Hauptversammlungen und die Präsenz wäre noch niedriger. Bei den Hauptversammlungen von Siemens aber auch anderer großer Gesellschaften liegt die Präsenz bei lediglich 30 % bis 40 %. Das birgt die Gefahr von Zufallsmehrheiten. Deshalb ist es wichtig, dass auch jene Aktionäre ihr Stimmrecht via Depotstimmrecht ausüben können, die nicht persönlich anwesend sein können.

Die Zahl der Aktionäre ist in Deutschland – verglichen mit der Schweiz und den USA – sehr gering. Warum ist der Deutsche ein Aktienmuffel?

Das ist historisch bedingt. Die Deutschen haben die schmerzlichen Erfahrungen zweier Inflationen und zweier Währungsreformen machen müssen. Daher scheuen sie Risikoanlagen, wie etwa die Aktie. Das Geld muss sicher angelegt werden und wanderte in der Vergangenheit in erster Linie in Anleihen, unter anderem Staatsanleihen.

Doch die letzte Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Anleger eines Besseren belehrt. Anleihen hoch verschuldeter Staaten können wertlos werden. Das ist eine neue Erfahrung für die Anleger.

Andererseits sollten sie auch die Entwicklung der Aktien – ein Kursplus im vergangenen Jahr von etwa 30 % – zur Kenntnis nehmen. Zudem haben die Unternehmen meist sehr gut verdient, sodass sich auch die ausgeschütteten Aktiendividenden sehen lassen können.

Was sollte getan werden, um das Interesse am Risikopapier Aktie zu wecken?

Vonseiten der Politik wird bisher leider zu wenig getan, um den Aktienerwerb zu fördern. Im Gegenteil, man hat mittlerweile sogar die fristgebundene Befreiung von der Spekulationssteuer, die einst als Anreiz für ein längerfristiges Engagement in Aktien gewährt wurde, gestrichen. Damit werden Dividendenpapiere als Spekulationsinstrumente verteufelt.

Untersuchungen haben aber ergeben, dass Aktien – im längerfristigen Vergleich – Anleihen schlagen. Dividendenwerte eignen sich daher vorzüglich als ein Baustein zur Schaffung eines Kapitalstocks und als zusätzliches Instrument zur privaten Altersvorsorge.

Eine steuerliche Förderung der Aktie würde dem Einzelnen dienen, wäre aber auch unter volkswirtschaftlichem Gesichtspunkt eine sinnvolle Investition in die Zukunft. Zudem setzt sich die DSW seit Langem dafür ein, dass junge Menschen in der Schule stärker mit dem Thema Wirtschaft konfrontiert werden.

Glauben Sie, dass all dies in Deutschland ein Umdenken zugunsten der Aktie bewirken wird?

Ich gehe davon aus, dass – vor allem bedingt durch die negative Entwicklung vieler Staatsanleihen – die Aktie bei breiteren Anlegerschichten zukünftig auf größeres Interesse stoßen wird. DIETER W. HEUMANN

Von Dieter W. Heumann

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