Geldanlage 30.03.2001, 17:29 Uhr

Kaufen Sie doch Ihren Bioladen

Nicht alle Angebote versprechen Gewinn.

Salat aus natürlich gedüngtem Boden, ungespritztes Obst, Fleisch von nicht übermästeten Tieren – die Produktpalette aus ökologischem Anbau findet seit der BSE-Krise immer mehr Abnehmer. Um 50 % stieg die Nachfrage nach Schweine- und Geflügelfleisch, nach Eiern, Obst und Gemüse seit letzten November bei den 3700 Bauern im Bioland-Bundesverband. Der Umsatz in den Öko-Läden ist teilweise um 80 % geklettert.
Nicht nur mit dem Einkauf der Produkte, auch mit dem Erwerb von Firmenanteilen und Aktien können Verbraucher Öko-Lebensmittel unterstützen – und eventuell sogar, je nach Kursentwicklung, am Bio-Boom teilhaben.
Als „Bio-Aktie“ kann zum Beispiel die Aktie der Rapunzel Naturkost Aktiengesellschaft (WKN: 700 220) im süddeutschen Legau gelten. Das bereits 1975 gegründete Unternehmen ist einer der größten Naturkosthersteller und -vermarkter in Deutschland. Das Sortiment umfasst mehr als 300 Marken-Produkte.
Die Tätigkeit als Großhandel für Naturkostläden begann 1979 und ist auch noch heute das Standbein der Firma. Seit 1990 ist das Unternehmen eine AG mittlerweile verfügt sie über 2,34 Mio. Aktien (Graundkapital 2,34 Mio. Euro). Der Kurs der Aktie liegt derzeit meist bei 5 Euro bis 6 Euro. „Unser Umsatzwachstum von 12 % jährlich beweist den Boom in unserer Branche“, beschreibt Gerhard Fenzl von Rapunzel die derzeitige Geschäftslage.
Doch neue Anleger hat das bisher nicht angelockt. Die Aktie wird bei außerbörslichen Aktienhändlern gelistet, z.B. bei der AHAG AG in Lünen und der Valora Effekten Handel AG in Ettlingen. Es findet also kein Börsenhandel statt, was für Aktienkäufer bedeutet, dass es zum Teil einige Wochen dauern kann, bis sie ihre Aktien wieder verkaufen können.
Die Ökoland AG, Hamm, betreibt Naturkostläden in Düsseldorf und Münster. Die erhöhte Nachfrage nach gesunder Nahrung bringt jetzt Schwung ins Geschäft. Noch in diesem Jahr sollen drei neue Filialen in Hannover, Köln und Dortmund oder Essen eröffnet werden.
Ökoland erhöht zur Zeit das Eigenkapital und gibt neue Aktien für 1,70 Euro heraus. Sie werden von der UmweltFinanz in Berlin vermittelt, die sich auf grüne Neuemissionen spezialisiert hat. Bei der Ökoland AG hat sich der Bio-Boom bereits bemerkbar gemacht: „Wir habe eine so starke Nachfrage nach Aktien, dass wir gerade die zweite Kapitalerhöhung vornehmen“, so Vorstandschef Raffenberg.
Eine Aktiengesellschaft in der Entstehung ist die Bergquell Agrar Naturprodukte Gesellschaft aus Dorstadt bei Braunschweig, bisher eine GmbH. 1993 zunächst auf den Handel mit Bioeiern spezialisiert, gibt es seit 1998 unter der Marke Bergquell Naturhöfe auch Molkereiprodukte sowie ein umfassendes Sortiment an Grundnahrungsmitteln.
Die Bergquell vertreibt bundesweit 150 Artikel in kontrollierter Bio-Qualität an Lebensmitteleinzelhändler und große Handelsketten. Auch hier ist die Sensibilisierung der Verbraucher für gesunde Ernährung spürbar.
Seit Ende Januar bietet Bergquell eine stille Teilhaberschaft. Denn „die Unterkapitalisierung der Bio-Betriebe ist der Hauptgrund dafür, dass die Bio-Branche den Durchbruch in Deutschland noch nicht geschafft hat“, begründet Bergquell-Sprecher Nicolaus von Löbbecke diesen Schritt.
Durch die Aufnahme von Gesellschaftern in Form von atypisch stillen Beteiligungen soll innerhalb der nächsten 12 Monate das Eigenkapital des Unternehmens um rund 15 Mio. DM steigen. Das Geld ist als Investition für Beteiligungen an Bio-Unternehmen eingeplant. Und auch der Kauf von Wertpapieren von Bergquell wird bald möglich sein. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ist noch für dieses Jahr vorgesehen.
Und es gibt weitere Möglichkeiten, die ökologische Landwirtschaft zu unterstützen. Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken GLS in Bochum, bietet Sparern die Möglichkeit, ihre Einlagen an einen Zweck zu binden. Beim „Grünen Konto“ gibt es etwa die Kategorie Naturkost/Landwirtschaft. Spareinlagen, an diesen Verwendungszweck gebunden, müssen seitens der Bank für Kredite in diesem Zusammenhang ausgegeben werden. Auch hier macht sich ein Trend bemerkbar. Cornelia Roeckl von der GLS: „Unsere Berater merken seit Jahresbeginn, dass die Stärkung des ökologischen Landbaus für unsere Kunden ein Thema ist.“
Eine auf den ersten Blick billige Aktie bot Anfang des Jahres die Münchener Unitednature AG an: 2,99 Euro sollte das Papier kosten. Das Unternehmen verkündet, es wolle „Europas größten Marktplatz für Organic Food und Wellness“ aufbauen. Mit anderen Worten: Es geht vor allem um Handel von ökologischen Nahrungsmitteln.
Mit Stefan Hipp hat das Unternehmen einen bekannten Aufsichtsrat gewonnen: Er ist Inhaber und Geschäftsführer des Babykostherstellers HiPP. Fast 2,8 Mio. Aktien wollte das Unternehmen an Privatanleger verkaufen. Doch die Investoren wurden kurz darauf mit der Ankündigung überrascht, die Aktien seien ausverkauft. Zu haben sind sie dennoch: „Wir haben alle Aktien selbst gezeichnet, damit die Unitednature die Sicherheit hat, dass sie das Geld komplett bekommt“, sagt Beate Raff, Vorstand der Münchener Capital Direkt, einem Vertriebsunternehmen für junge Aktien.
Mit Sicherheit auch ein Geschäft für die Capital Direkt, denn die verkauft jetzt die Aktien für 3,65 Euro weiter. Ein runder Gewinn von 20 %, insgesamt dürften es etwa 3,2 Mio. Einnahmen für Capital Direkt werden. Was die Anleger für ihr Geld erhalten, wird erst bei genauem Nachrechnen deutlich: Wenn die 2,7 Mio. Aktien an die Privatanleger verkauft sind, wird die Unitednature AG einfach mit der Unitednature AG group verschmolzen. Die Verträge sind praktischerweise schon vorbereitet. Den Aktionären gehören dann insgesamt 9 % an der Unitednature AG group. Acht Millionen Euro, also ca. 16 Mio. DM, für 9 % an einem Unternehmen. Die gesamte AG müsste dann heute etwa 175 Mio. DM wert sein. Ist sie aber kaum. Denn der Umsatz betrug im Jahr 2000 gerade 16 Mio. DM. Der Umsatz, nicht Gewinn. Mit ähnlichen Zahlen hatten bis letztes Jahr auch einige Internetfirmen jongliert – zum Kummer der Aktionäre. JÖRG WEBER

Ein Beitrag von:

  • Jörg Weber

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