GELDANLAGE 30.10.2009, 19:43 Uhr

Jenseits der Landesgrenze locken attraktive Renditen  

Mit Euro-Anleihen aus Osteuropa fahren Anleger lukrative Renditen ein – bei einem überschaubaren Risiko. So raten Fachleute interessierten Anlegern, sich nicht zu lange zu binden. Empfehlenswert seien Anleihen mit einer Restlauf- zeit von einem Jahr bis maximal fünf Jahre. VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 10. 09, elb

So schnell kann es gehen. Bis vor wenigen Monaten haben Anleger aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise sämtliche Anlageformen, die auch nur im Entferntesten eine Gefahr ausstrahlten, gemieden. Seit dem Frühjahr mehren sich jedoch die Anzeichen, dass der Konjunkturmotor schneller Fahrt aufnimmt als ursprünglich befürchtet.

Im Fahrwasser der wiederkehrenden Zuversicht ist auch die Risikofreude der Anleger zurückgekehrt. So machte etwa das US-Börsenbarometer Dow Jones seit Anfang März 47 % an Boden gut. Deutschlands Vorzei- geindex Dax schnellte gar über 50 % in die Höhe. „Der Markt erwartet eine sehr schnelle Konjunkturerholung“, begründet Raul Kaltenbach, Fondsmanager von Frankfurt Trust, die rasanten Kursanstiege.

Auch die lange Zeit verschmähten Unternehmensanleihen haben Anleger seitdem wieder verstärkt auf ihrem Radar. Die Kurse von den im Fachjargon genannten Corporates Bonds sind kräftig angestiegen. Während Anfang 2009 nahezu alle Unternehmensanleihen unter dem Nominalwert von 100 % (pari) zu haben waren, notiert das Gros der Papiere mittlerweile teilweise deutlich über pari.

Da Renditen und Kurse am Rentenmarkt systembedingt eine entgegengesetzte Entwicklung aufweisen, winkt nun ein geringerer Ertrag. „Das Risiko, das Anleger derzeit mit Unternehmensanleihen eingehen, wird nicht bei allen Papieren angemessen entschädigt“, meint Bettina Deuscher, Kreditanalystin der Landesbank Baden-Württemberg

Auch Anleihen aus den aufstrebenden Volkswirtschaften Osteuropas haben zuletzt Boden gut gemacht; jedoch bei weitem nicht so viel wie Unternehmensanleihen. Gegenüber Corporates locken Euro-Anleihen aus Ungarn, Polen oder Kroatien daher mit höheren Renditen.

So rentiert eine ungarische Euro-Anleihe (XS0441511200) mit einem Rating von BBB- und einer Restlaufzeit von 6 Jahren aktuell mit 5,1%. „Da wir die meisten der negativen Faktoren bei den Anleihen als eingepreist einstufen, sehen wir gewisses Potenzial für Ungarn“, schreiben die Anleihe-Experten der WGZ Bank in ihrer jüngsten Studie.

Unternehmensanleihen mit vergleichbarer Restlaufzeit und gleichem Rating rentieren indes im Schnitt lediglich mit 4,4 %. Abhängig von der Finanzstärke stufen Ratingagenturen einen Emittenten als sicheren oder weniger verlässlichen Schuldner ein.

Finanziell solide Emittenten werden im Investment-Grade-Bereich eingestuft. Dieser reicht bei den Bonitätsprüfern von Standard&Poor´s von AAA (bestmögliches Rating) bis BBB-.

Die bulgarische Euro-Anleihe mit der ISIN XS0145624432 (BBB-Rating) ist ebenfalls eine denkbare Depotbeimischung. Das Papier ist mit einem Kupon von 7,5 % ausgestattet und läuft bis zum 15. Januar 2013. Anleger, die sich die Anleihe jetzt ins Depot legen und bis Fälligkeit halten, kassieren eine jährliche Rendite von 4,5 %.

Auch Bulgarien hat die Krise mit voller Wucht zu spüren bekommen. Für das laufende Jahr erwarten die Volkswirte der DekaBank einen Wachstumseinbruch von 5,3 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat in Zahlungsschwierigkeiten gerät und Anleger um ihre Ersparnisse fürchten müssen, ist jedoch gering.

Selbst wenn Bulgarien in finanzielle Schieflage geraten sollte, besteht zunächst kein Grund zur Panik. Denn die Krise hat gezeigt, dass die EU kein Interesse daran hat, dass ein Mitgliedsland in den Staatsbankrott schlittert – und daher im Notfall wohl finanzielle Unterstützung leisten würde.

Ganz anders stellt sich indes die Situation bei Unternehmensanleihen dar. Nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor´s (S&P) hat die Zahl der Konzerne, die ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können, ein Rekordniveau erreicht. Im laufenden Jahr (Stand: Ende August) sind bislang 201 Unternehmen mit Schulden von insgesamt 453,1 Mrd. $ ausgefallen. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2008 gab es 126 Ausfälle mit einem Volumen von 433 Mrd. $.

Ein weiterer Vorteil von Euro-Anleihen der aufstrebenden Volkswirtschaften Osteuropas gegenüber Corporates Bonds ist die so genannte Stückelung der Papiere. Während die Mindestanlage zahlreicher Unternehmensanleihen bei 50 000 € liegt, reichen bei Euro-Anleihen in der Regel 1000 € aus. Allzu lange sollten sich interessierte Anleger jedoch nicht binden.

Empfehlenswert sind Anleihen mit einer Restlaufzeit von einem Jahr bis maximal fünf Jahren. Grund: Gegenüber festverzinslichen Wertpapieren mit langer Restlaufzeit weisen „Kurzläufer“ eine geringere Zinssensitivität auf. Im Vergleich zu Anleihen am langen Ende fallen bei steigenden Zinsen die Kursverluste somit geringer aus.

Und: Die Gefahr, dass die Zinsen schon bald wieder zulegen werden, ist durchaus vorhanden. Vor allem die staatlichen Rettungsmaßnahmen sowie die expansive Geldpolitik nähren die Befürchtung, dass die Inflation mittelfristig ansteigen könnte – und die Europäische Zentralbank in der Folge die Leitzinsen nach oben schraubt.

So rechnet etwa der Leiter des Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, für die Zeit nach 2010 mit einer Geldentwertung zwischen 5 % und 10 %. Hinzu kommt, dass aufgrund der Krise die Steuereinnahmen dieser Länder sinken und parallel dazu mehr Anleihen auf den Markt gebracht werden.

Im Zuge des ansteigenden Emissionsvolumens dürfte es für diese Staaten jedoch schwieriger werden, ihre Bonds zu den gewohnten Konditionen zu platzieren. Anleger, die nun kurze Laufzeiten wählen und somit ihr Geld wieder schneller zur Verfügung haben, können dann in höher verzinsliche Papiere investieren.

Neben einzelnen Anleihen bieten sich zudem breit gestreute Fonds an. Der Vorteil: Gegenüber einem Einzelinvestment verteilen Investoren mit einem Fonds das Risiko auf mehrere Schultern. Sollte eine Anleihe wider Erwarten nicht bedient werden, fangen die anderen Mitglieder des Fonds-Portfolios den Verlust auf. FRANZ VON DEN DRIESCH

Von Franz Von Den Driesch
Von Franz Von Den Driesch

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