Geldanlage 06.10.2006, 19:24 Uhr

Investment zum lieb haben  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 10. 06, sta – Teddybären sind nicht nur zum Kuscheln geeignet. Sammler haben sie längst als viel versprechende Geldanlage entdeckt. Besonderes Wertsteigerungspotenzial haben alte Exemplare aus Markenfabrikation. Unter Umständen können kleine Fehler, etwa ein abgewetztes Ohr, den Preis zusätzlich nach oben treiben.

Happy“ ist wohl der teuerste Teddybär der Welt. Für über 150 000 € hat die Amerikanerin Barbara Baldwin den 40 cm großen Steiff-Bären aus dem Jahr 1926 ersteigert – beim Steiff-Festival 2002 im schwäbischen Giengen.

Schon dieser Preis zeigt, dass ein Teddy mehr sein kann als nur ein Spielzeug. „In einem Teddybären sieht der Sammler immer ein Stück seiner Kindheit“, sagt Götz Seidel, Inhaber der Ladenburger Spielzeugauktion GmbH. Das Auktionshaus ist seit 18 Jahren Anlaufstelle für Spielzeugsammler. Seidel weiß, woher die Teddy-Liebe kommt: Während der Kriegszeit hatten Bären eine besondere Bedeutung: „Viele Kinder haben ihren Bären als einziges Spielzeug in den Bunker mitgenommen. Denn er war einfacher zu transportieren als eine Eisenbahn.“ Diese enge Bindung setzt sich bis heute fort – auch bei jüngeren Sammlern.

Als Geldanlage bietet ein Teddy einen besonderen Vorteil: „Ein Teddysammler genießt es, dass seine Bären zu Hause um ihn herum sind. An einer Aktie – bzw. dementsprechenden Depotauszug – hat man sich mit der Zeit satt gesehen“, sagt Seidel. Dennoch schmälert die Leidenschaft der Teddy-Fans nicht ihre Professionalität als Investoren. „Sie müssen Experten auf dem Gebiet sein, die Bären einschätzen können und den Markt genau beobachten.“

Schließlich gelten hier besondere Regeln. So hat sich zum Beispiel der Markt in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach gewandelt. Vor zehn Jahren etwa war die Nachfrage so groß, dass nicht nur hochwertige Teddys zu hohen Preisen verkauft wurden. Auch Bären mittlerer Qualität wechselten damals für viel Geld den Besitzer. Heute hat sich die Nachfrage abgekühlt: Sammler kaufen bewusster und konzentrieren sich auf hochwertige Bären. Im Falle von Steiff-Teddys heißt das beispielsweise, dass der Knopf im Ohr und die Fahne unbeschädigt sein müssen. „Die neue Sammler-Generation investiert intelligenter“, sagt Seidel. „Sie kaufen gezielt einzelne Exemplare von hoher Qualität und staffieren nicht ihre gesamte Wohnung mit Teddys aus.“

Wer sich schon in der Vergangenheit auf hochwertige Bären konzentriert hat und einen langen Atem behalten hat, kann sich heute über gestiegene Preise freuen. „Wenn man vor 30 Jahren angefangen hat, Bären zu sammeln, hat man damit jetzt ein kleines Vermögen gemacht“, sagt Seidel. Denn das Angebot an antiken Bären ist begrenzt. Zum Verkauf stehen auf Auktionen nur die Teddys anderer Sammler. Neue Entdeckungen gibt es nur sehr selten.

Doch nicht jeder Bär ist so teuer wie 150 000 €-Teddy „Happy“. „Dreistellige Preise sind nicht üblich, kommen aber immer wieder vor“, sagt Seidel. So kostet ein Bär aus den 50er-Jahren zwischen 200 € und 1000 €. Stammt er aus den 20er-Jahren, liegt der Preis zwischen 2000 € und 4000 €.

Wie teuer ein Bär ist, hängt auch davon ab, in welcher Stückzahl er hergestellt wurde. Üblicherweise fertigen Hersteller ihre Teddybären in einer Auflage von 5000 Stück. Wurden nur 500 produziert, steigt die Nachfrage und damit der Preis. „Besonders wertvoll sind weiße oder dunkelbraune Bären“, sagt Seidel. Denn die fanden vor Jahrzehnten nur wenige Käufer. „Weiß wird zu schnell schmutzig und Dunkelbraun empfanden viele Kinder als beängstigend“, sagt Seidel. Ein Beispiel: Die Firma Steiff entwarf 1912 den „Titanic-Bär“ aus schwarzem Mohair. Die Sonderanfertigung zum Gedenken an die Opfer der Schiffskatastrophe wechselte vor einigen Jahren für 150 213 € den Besitzer.

Entscheidend für den Preis ist auch der Zustand eines Teddys. „Je unbespielter, desto wertvoller“, sagt Jutta Nagels von der Zeitschrift „Teddybär und seine Freunde“. „Hat das Spielen Gebrauchsspuren hinterlassen, sinkt der Wert.“ Aber nicht alle Macken drücken den Preis: „Manche Sammler bewerten auch den Lebensweg eines Teddys“, sagt Auktionator Seidel. „Ein abgewetztes Ohr oder ein ausgebessertes Auge kann ihm einen besonderen Gesichtsausdruck verleihen. Das kann den Preis steigern.“ Dieser Aspekt unterscheide den Markt für Teddybären von dem für antikes Spielzeug. „Ist eine antike Eisenbahn etwas angerostet, findet sich kein Käufer mehr und sie landet auf dem Müll. Teddybären bekommen aber durch kleine Schrammen oft einen eigenen Charme.“

Für jeden Sammler etwas Besonderes sind Steiff-Teddys. Der „Knopf im Ohr“ ist bei der Margarete Steiff GmbH seit der Gründung im Jahr 1902 das Kennzeichen für Qualität. 1880 schneiderte die Firmengründerin ihren ersten Elefanten aus Filz. Aus einem kleinen Geschenk für Freunde entwickelte sich ein Unternehmen, das heute Marktführer für Stoff- und Plüschtiere ist. „Steiff ist eine der wenigen Firmen, die schon seit mehr als hundert Jahren Teddys herstellen“, sagt Journalistin Nagels. „Das ist neben der Qualität ein wichtiger Grund, warum Sammler so hohe Summen für Steiff-Bären zahlen.“ Seit der Firmengründung gab es schon fast alle Tiere als Plüschversion. Doch keines erreicht den Wert der antiken Bären.

Deutsche Teddybären gelten weltweit als besondere Sammlerstücke. „Die Spielzeugindustrie hat ihre Wurzeln in Deutschland“, erklärt Seidel. „Von Anfang an waren die Produkte hochwertig, und die Firmen exportierten sie auch ins Ausland.“ Das sei der Grund, warum heute so viele Sammler aus dem Ausland stammen. Vor allem Liebhaber aus den USA, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz reisen immer wieder zu großen Auktionen in Deutschland an. „Auch sie haben einen persönlichen Bezug zu deutschen Teddys, weil sie die noch aus ihrer Kindheit kennen“, urteilt Seidel.

SIBYLLE SCHIKORA

Die Serie wird in den kommenden Ausgaben der VDI nachrichten fortgesetzt

Von Sibylle Schikora
Von Sibylle Schikora

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