Vermögens-Check durch Kapitalmarktprofis 08.02.2013, 11:51 Uhr

Ingenieure sind gut informiert, kritisch und investieren vorsichtig

Ingenieur-Depots im Wert von rund 30 Mio. € haben Vermögensverwalter derzeit zu begutachten. Hinter den Portfolios stehen gut 300 Leser der VDI nachrichten, die sich bis zur Wochenmitte zum Vermögens-Check angemeldet hatten. Was die Teilnehmer bewegt, was den Kapitalmarktprofis auffällt, lesen Sie im folgenden Beitrag der Serie „Niedrigzinsen“.

Ob sie nun Euro-, Staatsschulden- oder schlicht Finanzkrise genannt wird – sie ist nach wie vor  Thema Nummer eins für die Teilnehmer unseres diesjährigen Vermögens-Checks. Doch während etwa Georg Weimer von der Vermögensverwaltung Spiekermann & Co., Osnabrück, immer noch eine große Verunsicherung unter den Privatanlegern ausmacht, schätzt Udo Schindler die Angst der Investoren geringer ein. „Die Menschen haben sich an den Krisenmodus gewöhnt. Es glaubt kaum jemand daran, dass die Eurokrise noch einmal eskaliert“, meint der Vorstand der Nürnberger KSW Vermögensverwaltung.

Depots mit breiter Produktpalette

Breite Diver“Die Staaten werden versuchen, die allgemeinen Zinsen unter der Inflationsrate zu halten und sich so günstig zu entschulden“, glaubt Weimer. Somit würden viele Anleger, die aktuell stark in Tages- und Festgeldern ihr Heil suchen, langfristig einen realen Kaufkraftverlust ihrer Vermögen erleiden. Dagegen helfe nur eine breite Diversifizierung im Depot in Form von Aktien, Unternehmensanleihen, Gold und globalen Anlagekomponenten. Tatsächlich seien aber nur wenige Sachwerte in den Leser-Portfolios enthalten. Der Aktienanteil bestehe meist nur aus deutschen Standardwerten, Anlagen außerhalb des Euroraums seien sehr selten.

„Hausbankprodukte, Renten häufig in überteuerten Fonds bei nur geringen Renditechancen, z. B. in Geldmarktfonds“, beschreibt Michael Thaler von der Top Vermögen AG in München, was er in den bisher geprüften Depots hauptsächlich vorfindet. Immerhin beobachtet er eine Tendenz der Vermögens-Check-Teilnehmer, sich wieder stärker an der Börse zu engagieren. „Die Risikobereitschaft hat zugenommen“, stellt auch Udo Schindler fest. Aber kommt das nicht schon ein bisschen zu spät, angesichts der in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gestiegenen Börsen? „Aktien sind fundamental immer noch nicht überbewertet“, ist der Nürnberger überzeugt.

Auch in Aktien anlegen

Seine Anlageempfehlung: In Depots, die bisher noch gar keine Aktien enthalten, würde er erste Positionen aufbauen, vielleicht bis zur Hälfte der angestrebten Quote. „Sicherlich besteht an den großen Aktienmärkten der Welt nach mehreren Monaten der Hausse die Gefahr, dass die Kurse auch mal 5 % bis 10 % korrigieren“, räumt Schindler ein. Eben deshalb sollte man nicht den gesamten Aktienanteil auf einmal ins Depot kaufen. Langfristig könne sich zudem die Beimischung von Indexfonds lohnen, die auf den Aktienindizes wachsender Volkswirtschaften basieren, wie Mexiko oder Türkei.

In der Regel finden die Vermögensverwalter jedoch Depots vor, die schon unterschiedliche Anlageklassen enthalten. Es geht also eher um das Umschichten, das Anpassen der Vermögensstruktur an die individuellen Bedürfnisse.

Wie man dabei am besten vorgeht, erklärt der Osnabrücker Vermögensverwalter Georg Weimer: „Zuerst verschafft man sich einen detaillierten Überblick über alle Vermögenswerte. Dazu zählen auch vorhandene Immobilien, Beteiligungen, Lebensversicherungen und sonstige Werte, wie Oldtimer oder Kunstwerke. Dagegen stehen natürlich Darlehen.“

Anschließend gelte es zu überlegen, ob bzw. wann größere Mittel zu- oder Abflüsse anstehen. „Erst danach folgt die Analyse, objektiv und unabhängig, inwieweit der Status quo zum tatsächlichen Risikoprofil des Vermögenscheck-Teilnehmers passt“, erläutert Weimer. Daraus leiten Vermögensprofis die Anlagestrategie für den jeweiligen Depotinhaber ab.

Gehen Naturwissenschaftler und Ingenieure bei der Geldanlage eigentlich anders vor als der Durchschnitt der Mandanten? „Nach unseren Erfahrungen wollen Ingenieure auch bei guten Ergebnissen verstehen, woher die Rendite kommt“, hat Michael Thaler festgestellt.

Ingenieure als Anleger überduchschnittlich informiert und vorsichtig

„Überdurchschnittlich informiert, kritisch und vorsichtig“, charakterisiert Udo Schindler diese Anlegergruppe grundsätzlich. Etwas differenzierter beurteilt Georg Weimer das Finanzverhalten der Ingenieure: „Einige treffen sehr autark ihre Entscheidungen, häufig sind das die Direktbankkunden. Einige haben sehr gute Finanzkenntnisse und nutzen den Vermögenscheck gern als Medium, ihre Finanzentscheidungen überprüfen zu lassen“ so der Osnabrücker.

Andere wiederum kümmern sich kaum um andere Anlageklassen und sind weitestgehend in den klassisch konservativen Anlageformen, wie Liquidität oder Lebensversicherungen unterwegs.“

Der letzte Teil unserer Serie „Niedrigzinsen“ erscheint am 15. Februar. Thema: Fluchtburg Beton

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