Geldanlage 30.05.2008, 19:35 Uhr

Inflation lässt Sparerfolg schmelzen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 5. 08, mav – Das Gespenst der Inflation ist zurück. Auf die Bundesbürger rollt eine neue Teuerungswelle zu. In den nächsten Monaten dürften die Kosten für die Lebenshaltung wieder deutlich steigen, warnt die Bundesbank. Die Europäische Kommission rechnet in diesem Jahr in der gesamten EU mit einer Teuerungsrate von 3,6 %. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Anlagepolitik der Sparer.

Die Inflation zehrt stets an der Rendite. Eine Inflationsrate von beispielsweise 4 % bis 5 % pro Jahr würde in nur sechs Jahren zu einem Geldwertschwund von rund einem Viertel und in zwölf Jahren zu einer Halbierung der Kaufkraft des Geldvermögens führen, warnen die Volks- und Raiffeisenbanken. Als Anleger solle man deshalb auf die Realverzinsung achten. Darunter versteht man bei festverzinslichen Wertpapieren die Differenz zwischen der Rendite und der Inflationsrate.

Der sicherste Weg gegen Geldwertverluste ist eine Investition in sogenannte reale Werte, sagt Ulrich Kater als Chefvolkswirt der DekaBank. Für Sparer mit einem langfristigen Horizont von zehn Jahren und mehr würden sich hier vor allem Aktien eignen. Auch Immobilien bieten einen Schutz vor der Inflation, da sich ihre Preise und Mieten an die Inflationsrate anpassen. Mit offenen Immobilienfonds hat der Anleger den einfachsten Zugang zu attraktiven Anlagen. Sie ermöglichen eine langfristige Rendite von 4 % bis 6 %, prognostiziert der Experte.

Aber auch Rohstoffe, vor allem Gold, gelten als sicherer Hafen in Inflationszeiten. Derzeit profitieren Rohstoffe zwar bereits von der weltweiten Flucht in reale Werte. Doch ihre Preise gelten als sehr schwankungsanfällig, warnt der Profi. Defensiv ausgerichtete Anleger, die eher im Rentenbereich investieren wollen, finden deshalb nach Aussage von Ulrich Kater bei inflationsgeschützten Anleihen ein geeignetes Instrument: „Diese bieten eine reale Rendite, die unabhängig von Inflationsschwankungen ist.“

Die Bundesrepublik Deutschland emittierte im März 2006 ihre erste inflationsindexierte Anleihe mit einem Zinskupon von 1,5 % (ISIN: DE 000 1030 500). Diese zehnjährige Anleihe mit Fälligkeit am 15. April 2016 wurde noch zweimal aufgestockt, so dass sie inzwischen ein ausstehendes Volumen von 11 Mrd. € hat. Zudem wurde noch eine indexierte Bundesobligation mit einem Zinskupon von 2,25 % (ISIN: DE 000 1030 518) mit Fälligkeit 2013 emittiert. Doch der Marktführer für inflationsgeschützte Anleihen in der Eurozone ist gegenwärtig noch immer Frankreich.

Inflationsindexierte Anleihen, so genannte „Linker“, bewahren Sparer vor Geldentwertung, sagt die Stiftung Warentest. Denn ihr Zins und ihr Rückzahlungsbetrag sind an die Inflationsrate gekoppelt. Die inflationsgeschützte Bundesanleihe ist zwar nur mit einer festen Verzinsung von 1,5 % pro Jahr ausgestattet. Doch der Kupon ist deshalb so niedrig, weil der Inflationsausgleich extra bezahlt wird. Diesen Inflationsausgleich gibt es auf die eingezahlte Summe und auf die Zinsen.

Der Anleger ist also in der Zwickmühle. Die Inflationsanleihe konkurriert mit herkömmlichen Anleihen, die von vornherein eine höhere Verzinsung haben. In Deutschland liegt die sogenannte Umlaufrendite bei einer Laufzeit von acht Jahren bis 15 Jahren derzeit bei 4,3 %. Bei einer herkömmlichen Anleihe ist der Inflationsausgleich schon eingerechnet. Er wird allerdings für die Laufzeit geschätzt. Eine inflationsgeschützte Anleihe lohnt sich deshalb immer dann, wenn die Inflationsrate stärker steigt als angenommen.

Doch wie überall gibt es auch hier Vor- und Nachteile. „Aus Anlegersicht bieten die so genannten Linker die Möglichkeit, sich gezielt gegen Inflationsrisiken abzusichern oder auch auf eine künftig erwartete Inflationsentwicklung zu setzen“, erklärt Gernot Griebling von der Landesbank Baden-Württemberg. Inflationsgeschützte Anleihen gelten als Finanzinnovation, warnt jedoch Ralf Palm von der Postbank. Und da der Inflationsschutz meist in Form eines Kursgewinns bei Fälligkeit ausgeschüttet wird, unterliegt er beim Privatanleger auch nach Ablauf der zwölfmonatigen Spekulationsfrist der Besteuerung, so dass ein Kaufkrafterhalt nach Steuern in der Regel nicht gegeben sei.

Wenn der Anleger in diese Inflationsanleihen investiert, wettet er nach Aussage des Deutschen Aktieninstituts auf eine steigende Inflation. Falls es jedoch der Notenbank wie in der Vergangenheit gelingt, die jährliche Inflation um die 2 % pendeln zu lassen, sei ein Anleger mit einer konventionellen Anleihe und ihrem höheren Zinssatz vielleicht besser bedient.

Inflationsanleihen werden an der Börse notiert und können auch dort vom Privatanleger in kleineren Stückelungen erworben werden. Die bevorzugte Alternative für den Privatanleger sollte jedoch die Fondslösung sein, da der Kunde sich hier mit einem Schlag an einem breit gestreuten und professionell verwalteten Portfolio beteiligt, rät Leif Bjurström, der den DWS Invest Inflation Protect managt.

Bei Inflationsanleihen sind für Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors „5 % bis 10 % am Anleihenteil des Depots aus Gründen der Streuung immer empfehlenswert“. Werden starke Preisanstiege erwartet, so könne sich ein deutlicher Zuschlag empfehlen.

„Setzen Sie auf eine inflationsgeschützte Anleihe, wenn Sie mit stark steigender Inflation rechnen“, empfiehlt die Stiftung Warentest. Ihre Experten raten, das Anlagevermögen aufzuteilen. Denn auch herkömmliche Anleihen würden einen – wenn auch begrenzten – Inflationsausgleich bieten: „Steigt die Inflation weniger stark als beim Kauf erwartet, sind Anleihen mit festem Zins besser als inflationsgeschützte.“

Direktanlagen rät Ralf Palm über die Bundesschuldenverwaltung vorzunehmen, und bei Investmentfonds empfiehlt er z.B. Credit Suisse, DWS, Fortis sowie Schroders. Und Sandra Lorke von der Union Asset Management Holding rückt den UniEuroRenta Real Zins A ins Scheinwerferlicht. Dieser Fonds lege seinen Schwerpunkt genau auf Inflationsanleihen.

OSKAR H. METZGER

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