Altersversorgung 22.09.2006, 19:24 Uhr

Heute schon mit Rürup geriestert?  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 9. 06, mav – Die Deutschen sind kein Volk von Revolutionären. Nur so ist es zu erklären, dass die Einführung der anteiligen Kapitaldeckung der Altersvorsorge – Stichwort Riester- und Rürup-Rente – in Deutschland ohne Widerstand hingenommen wurde. Oder ist vielen Deutschen gar nicht klar, wie tief greifend die Änderung ist?

Fünf, sechs Jahre ist es her, dass den Deutschen dämmerte, dass es mit dem bestehenden Rentensystem so nicht weiter geht. Politiker sprachen erstmals klar aus, dass das Rentenniveau auf Dauer nicht zu halten sei. Weil eine Beitragserhöhung, die einzige Alternative zur Leistungskürzung, politisch nicht durchsetzbar schien, entschied sich Berlin für einen neuen Weg: Die Riester-Rente wurde aus der Taufe gehoben.

Dieses Modell des ehemaligen Sozialministers Walter Riester, das offiziell „Geförderte Altersvorsorge“ heißt, hat die Renten-Welt verändert. Warum? Erstmals sagt der Staat seinen Bürgern zu, ihnen bei der privaten Altersvorsorge durch Zuschüsse zu helfen. Dadurch soll die Reduzierung der staatlichen Rente – zunächst 3 %, später noch mehr – aufgefangen werden. Die Riester-Rente ist also eher eine ersetzende als eine ergänzende Vorsorge.

Hinter der Idee steckt nüchternes Kalkül: Wird die Senkung der gesetzlichen Rente nicht ausgeglichen, könnten viele Rentenversicherungspflichtige nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben zu einer Belastung werden, weil sie Sozialhilfe benötigen.

Die Politiker konnten mit der Riester-Rente außerdem den ersten Schritt in das von der Steuerwissenschaft und Rechtsprechung geforderte System der so genannten nachgelagerten Besteuerung gehen. Insgesamt sollte das Altervorsorgevermögensgesetz (AVmG) dazu führen, dass die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, mindestens aber gleich bleiben sollen. So entstand ein komplexes Modell aus steuerlicher Förderung sowie verschiedenen Zulagen und Verfügungsbeschränkungen.

Zunächst überwog die Skepsis gegenüber der Riester-Rente. Viele Arbeitnehmer scheuten sich, die ihnen von Versicherungsvertretern vorgelegten Verträge zu unterschreiben. Inzwischen hat sich der Wind gedreht: Selbst die Verbraucherzentralen oder die Zeitschrift Finanztest stehen den Riester-Regelungen heute positiv gegenüber. Ihre Überzeugung: Die Riester-Rente lohnt sich in der Regel für jeden rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer (vgl. Kasten).

Mit der Einführung des Alterseinkünftegesetzes (AltEinkG) wurde 2005 das bisherige Gebäude der Altersvorsorge in Deutschland umgeworfen. War bisher die Rede von drei Säulen, auf denen die Altersvorsorge ruhte, so liegen jetzt die staatliche Rente, die Betriebsrente und die private Altersvorsorge in Schichten übereinander. Das „Altersvorsorge-Haus“ liegt auf der Seite.

Die erste Schicht besteht aus der bekannten staatlichen Rente. Der Rentenversicherungsträger heißt jedoch nicht mehr BfA (Bundesversicherungsanstalt für Angestellte), sondern DRV (Deutsche Rentenversicherung). Weitere Änderung: Die Rente ist seit 2005 steuerpflichtig, die Beiträge können aber in sehr viel stärkerem Maße als in der Vergangenheit von der Steuer abgesetzt werden. Sämtliche Regelungen gelten auch für Angehörige der verkammerten Berufe, wie etwa Steuerberater, Rechtsanwälte und Ärzte, die im Versorgungswerk versichert sind. (s. Meldung rechts).

Neu geschaffen wurde die Basisrente, im Volksmund Rürup-Rente genannt. Der Name geht auf Prof. Bert Rürup zurück, den Vorsitzenden der gleichnamigen Kommission und heutigen Wirtschaftsweisen. Die Basisrente ist ähnlich organisiert wie die staatliche Rente. Weder gibt es ein Kapitalwahlrecht noch eine Möglichkeit, das angesparte Geld zu vererben – sie ist nicht beleih- oder veräußerbar. Es ist aber möglich, die Hinterbliebenen abzusichern sowie weitere Risiken einzuschließen, etwa Berufsunfähigkeit.

Eine Verfügung über die Rente vor dem 60. Geburtstag ist nicht vorgesehen. Da für die Basisrente die gleichen, insbesondere steuerrechtlichen Regeln gelten wie für die staatliche Rente, sind auch die Beiträge für die Zusatzabsicherungen steuerlich absetzbar. Das macht die Basisrente attraktiv. Allerding bieten nicht alle Versicherer Tarifergänzungen, wie Todesfallschutz und Rentengarantiezeiten, die die vermeintlich starren Vorgaben nachhaltig verbessern. Neu ist auch, dass nun auch fondsgebundene Produkte steuerlich anerkannt werden.

Die zweite Schicht: Diese umfasst die betriebliche Altersvorsorge und die Riester-Rente. Burkhard Neidert von der Gesellschaft Finanzkonzept in Fulda: „Im Zuge der Reform wurde die Pauschalversteuerung der Direktversicherung abgeschafft.“ Das gilt für Neuverträge. Für Verträge, die vor der Reform unterschrieben wurden, besteht die Möglichkeit weiterhin. Für neue Verträge können zusätzlich bis zu 1800 € im Jahr angelegt werden.

Zugleich wurden die maximalen Beiträge vereinheitlicht auf 4 % der Beitragsbemessungsgrenze, im Jahr also 2520 € in den ersten drei Durchführungswegen (Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds). Bei den übrigen beiden Durchführungswegen wurden kaum Änderungen vorgenommen.

Die Riester-Rente wurde u.a. mit dem Dauerzulagenantrag vereinfacht. Seitdem müssen die Sparer nicht mehr Jahr für Jahr aufs Neue die Anträge stellen. Außerdem können Riester-Rentner am Ende der Sparphase 30 % der zur Verfügung stehenden Summe auf einen Schlag nutzen, ohne dass sie die Förderung zurückzahlen müssten.

Burkhard Neidert: „Was noch fehlt, ist die Möglichkeit, über Riester auch die selbst genutzte Immobilie als Altersvorsorge-Baustein zu bezahlen und die Rente ohne Erstattung der Förderungen zumindest auch im EU-Ausland verleben zu dürfen. Das wird zur Zeit gerichtlich geklärt.“

Die dritte Schicht beinhaltet die private Vorsorge. Berücksichtigt werden sowohl die Verträge, die nach altem Recht (endete 2004) steuerfrei waren, als auch die neuen, künftig steuerpflichtigen Verträge. Das Steuerprivileg wurde aber nicht völlig abgeschafft, sondern etwa halbiert. Denn noch immer ist nur die Hälfte der Erträge zu versteuern, wenn der Vertrag nach dem 60. Geburtstag ausgezahlt wird.

Unverändert: Es erfolgt kein Steuerabzug auf Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne während der Ansparphase. Dieser Aspekt wird eine stärkere Bedeutung erfahren, wenn ab 2008 eine Abgeltungssteuer eingeführt wird.

Bei privaten Renten wurde der steuerpflichtige Ertragsanteil von 27 % auf 18 % gesenkt. Berater Thomas Langfeld von Langfeld & Friends in Hamburg, der empfiehlt, immer eine Planung zu machen, bei der die „erwerbsfreien Jahre“ genau auf verfügbare Liquidität und Anspruch überprüft werden: „Inzwischen weiß fast jeder erwachsene Deutsche, dass er privat heute etwas tun muss, um morgen so leben zu können wie heute. Trotzdem setzen das zu wenige Menschen konsequent um.“ JÜRGEN HOFFMANN

Von Jürgen Hoffmann
Von Jürgen Hoffmann

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