Geldanlage 15.02.2013, 16:59 Uhr

Herausforderung private Vermögensbildung

Wie wirkt sich die Staatsschuldenkrise auf die private Vermögensbildung aus? Welche Fehler sollte man bei der privaten Geldanlage möglichst vermeiden? Diesen Fragen geht Joachim Nagel, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank im folgenden Beitrag nach.

Seit dem Jahr 2008 sind die Entwicklungen an den Finanzmärkten nicht nur geprägt von umfangreichen Hilfs- und Reformprogrammen, sondern mittlerweile auch von einem außergewöhnlich niedrigen Zinsumfeld. So stellt sich praktisch für jedermann die Frage, wie er in diesen Zeiten sein Geld anlegen sollte, um den realen Wert seines Vermögens zu erhalten.

Private Anleger sind sowohl verunsichert von der Finanzkrise als auch von einer Entwicklung, die schon vor der Krise eingesetzt hat. Die private Vermögensbildung wurde immer komplexer. So stehen Anleger bei ihrer Vermögensanlage steigenden Herausforderungen durch eine kaum überschaubare Zahl innovativer und oftmals sehr komplexer Finanzprodukte gegenüber.

Da die Vielzahl der angebotenen Produkte das Anlagespektrum erweitert, kann durch sie theoretisch die Risikostreuung des eigenen Portfolios verbessert werden. Oft sind aber die mit den Produkten verbundenen Risiken für den Einzelnen schwer zu erkennen und richtig zu quantifizieren.

Darüber hinaus fallen beim Kauf von Finanzprodukten stets ausgewiesene oder implizite Kosten an, die nicht immer durch den vermeintlich höheren Nutzen ausgeglichen werden können. Ein fundiertes Finanzmarktwissen ist daher für alle Anleger noch wichtiger geworden.

Das nur sehr schwer zu überschauende Universum verschiedenster Anlagemöglichkeiten erschwert nicht nur die individuelle Investitionsentscheidung, sondern auch für Bankmitarbeiter die Beratung.

In Deutschland findet daher seit einiger Zeit eine recht aktive Diskussion zum Spannungsfeld zwischen Beratung und Verkauf von Finanzprodukten statt. Dabei gehen die Vorschläge von einer unabhängigen Beratung gegen Honorar bis zur zunächst entgeltfreien Beratung mit Provisionszahlung bei Vertragsabschluss.

Die Bewertung der verschiedenen Modelle hängt im Wesentlichen von den Präferenzen des einzelnen Anlegers ab. Wichtig ist jedoch, dass sich jeder Anleger des Spannungsfeldes zwischen Beratung und Verkauf bewusst ist und dies beim Vertragsabschluss für ein Finanzprodukt berücksichtigt.

Die Betrachtung von Mikrodaten zur Portfoliostruktur privater Haushalte zeigt, dass trotz der vielfältigen Anlagemöglichkeiten Portfolios häufig nur aus wenigen Vermögensklassen bestehen. So besaßen im Jahr 2006 rund 46 % der deutschen Haushalte lediglich zwei bis drei verschiedene Anlageprodukte, 20 % sogar lediglich ein Anlageprodukt.

Die beliebtesten Anlagen sind nach wie vor Sparbücher, Lebensversicherungen und Bausparverträge. Viele Anleger könnten jedoch durch eine breitere Streuung ihres Vermögens das Anlagerisiko verringern, ohne dafür im Zeitablauf geringere durchschnittliche Renditen in Kauf nehmen zu müssen oder sie könnten alternativ bei gleichem Risiko eine höhere Rendite erlangen.

Neben der geringen Zahl von Anlageklassen wird zwischen diesen häufig auch „naiv“ diversifiziert, das heißt, die Zusammensetzung des Anlageportfolios ist meist mehr oder weniger willkürlich. Oft wird das finanzielle Vermögen gleichmäßig auf die Anlageklassen oder Wertpapiere verteilt, die den Anlegern geläufig oder zum Zeitpunkt der Anlageentscheidung im Bewusstsein sind.

In den USA sind z. B. Fondssparpläne weit verbreitet. Hier bietet der Arbeitgeber seinen Angestellten eine Vorauswahl verschiedener Investmentfonds zur Altersvorsorge an. Es zeigt sich, dass diese Vorauswahl einen deutlichen Einfluss auf die tatsächliche Auswahl der Anleger hat. Während beispielsweise Arbeitnehmer, denen vier Aktienfonds und ein Rentenfonds angeboten wurden, im Schnitt 75 % ihrer Mittel in Aktien investierten, legten jene, denen ein Aktienfonds und vier Rentenfonds angeboten wurde nur durchschnittlich 34 % der Mittel in Aktienfonds an.

Viele Vermögen sind auch deswegen nur gering diversifiziert, weil die Anleger stark auf ihren Heimatmarkt fokussiert sind. Dieser sogenannte Home Bias beschreibt, dass in den meisten Portfolios überproportional viele Titel aus dem heimischen Markt stammen. So setzt sich das Aktienvermögen deutscher Privatanleger zu 50 % aus deutschen Aktien zusammen. Dabei machen deutsche Aktien gerade einmal 2,55 % der weltweiten Aktienkapitalisierung aus.

Begründet wird der „Home Bias“ zumeist mit höheren Transaktions- und Informationskosten für ausländische Anlagen. Aber oft trifft die Annahme, die heimische Wirtschaftsentwicklung kompetenter beurteilen zu können, nur bedingt zu. Zwar kennt ein Anleger seinen heimischen Markt meist besser als fremde Märkte, der relevante Maßstab ist jedoch, ob man den Markt besser kennt als andere aktive Marktteilnehmer.

Ein weiteres beobachtetes Phänomen bei der Finanzanlage ist das zu häufige Handeln. Bei jedem Handelsvorgang zum Anpassen des Portfolios entstehen Transaktionskosten. Diese Kosten können zumindest durchschnittlich nicht durch entsprechende Mehrerträge kompensiert werden.

Das häufige Handeln lässt sich mit der Neigung des Menschen in Verbindung bringen, eigene Möglichkeiten und (Prognose-) Fähigkeiten zu überschätzen. Zudem tendieren Anleger dazu, Wertpapiere, deren Preis sich über den Einstandspreis entwickelt, schneller zu verkaufen als solche, deren Preis sich unter dem Einstandspreis bewegt.

Dieses Verhalten ist bemerkenswert, da der Einstandspreis eigentlich keine Rolle für die Verkaufsentscheidung spielen sollte, sondern lediglich die Einschätzung über die künftige Entwicklung des Wertpapiers. Erwartet der Anleger auch in Zukunft steigende Preise, sollte er das Wertpapier behalten und nicht aufgrund bereits realisierbarer Gewinne zu früh veräußern.

Meist spielt die Direktanlage in Aktien oder Anleihen bei privaten Haushalten aber nur eine untergeordnete Rolle. Ein Großteil des privaten Vermögens wird in aktiv oder passiv verwaltete Fonds investiert.

Ziel des sogenannten passiven Managements von Fonds ist es, mit dem Portfolio einen Index möglichst genau abzubilden. Aktive Strategien versuchen hingegen, durch geschickte Auswahl von Wertpapieren einen höheren Ertrag als ein bestimmter Vergleichsmaßstab zu erzielen. Dabei sind diese Ansätze in der Regel ressourcenintensiver als passive Mandate. So müssen etwa Ressourcen für Marktanalysen und eine damit verbundene Infrastruktur aufgebracht werden. Die Verwaltungskosten aktiver Mandate sind daher üblicherweise höher.

Die große Herausforderung aktiv verwalteten Fonds ist eine langfristig bessere Performance als die des Gesamtmarkts zu erzielen. Für die Altersvorsorge, die sich durch eine lange und regelmäßige Ansparzeit kennzeichnet, sollte sich jeder Anleger die Frage stellen, ob das ausgewählte Fondsmanagement, beispielsweise über 30 bis 40 Jahre, ein besseres Ergebnis als der Gesamtmarkt erzielen kann. Die Wissenschaft schätzt diese Fähigkeit pessimistisch ein.

Drei grundsätzliche Fragen sollten sich Anleger vor einer Anlageentscheidung stets stellen:

– Wie möchte ich mein Vermögen aufteilen? Hier muss sich der Anleger über den Zeithorizont und die eigene Risikopräferenz im Klaren sein. Wichtig ist auch die Beantwortung der Frage, wie viel Zeit man für die Verwaltung des eigenen Vermögens aufbringen möchte.

– Vor einer Transaktion ist stets zu hinterfragen, warum man jetzt kaufen oder verkaufen möchte. Was sind die Erwartungen zum künftigen Kursverlauf? Dabei ist auch das Eingeständnis wichtig, wahrscheinlich niemals den optimalen Kauf- oder Verkaufspreis zu erzielen.

– Wie hoch sind die Gesamtkosten meiner Transaktion und wie setzen sie sich zusammen (Gebühren, Verwaltungskosten, etc.)?

Das aktuelle Niedrigzinsumfeld stellt eine große Herausforderung für den realen Werterhalt der Vermögen dar. Umso wichtiger ist es, dass Anlageentscheidungen wohl überlegt sind und Produkte vom Anleger verstanden werden. JOACHIM NAGEL

Der Artikel fußt auf einem Vortrag des Autors. Vollständiger Text im Netz unter: http://bit.ly/15940kq

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