D&O-Versicherung 05.02.2010, 19:45 Uhr

Haftungsfalle: Pleite & Co.  

Laufen die Geschäfte schlecht, wächst für Manager die Gefahr, stärker in die Pflicht genommen zu werden. Absichern lässt sich dieses Risiko mit einer Managerhaftpflicht-Versicherung. Seit der Finanzmarktkrise brummt das so genannte D&O-Geschäft auch im Mittelstand. VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 2. 10, elb

„Vielen ist jetzt erst schlagartig bewusst geworden, welchen Wert eine D&O-Police hat – und wie unfassbar billig dieser Versicherungsschutz doch ist. Die Kunden wären wirklich bereit mehr zu zahlen“, kommentiert Dirk Schmidt-Gallas die Ergebnisse einer von ihm mitverfassten Studie der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners.

Dieser Untersuchung zufolge wächst jetzt auch im Mittelstand die Bereitschaft, sich zu versichern. Dabei würden 70 % der Kunden sogar höhere Preise akzeptieren. Schmidt-Gallas schätzt den Preiserhöhungsspielraum auf 20 % bis 30 %. Einziger Kritikpunkt des Mittelstands an den bisherigen Angeboten: Knapp 60 % wünschen sich differenziertere Produkte, die stärker ihren speziellen Risiken Rechnung trügen, so Schmidt-Gallas. Anders als bei Dax-Unternehmen hätten die Leitenden im Mittelstand oft mehrere Verantwortlichkeiten. Zudem werde beklagt, dass die Policen nicht wie in anderen Versicherungszweigen üblich auf die einzelnen Branchen zugeschnitten seien – der Manager einer Telekomfirma als genauso behandelt werde wie der Vorstand eines Chemieunternehmens.

Directors and Officers Liability, kurz D&O, heißt die Versicherung, die Manager, Aufsichts- und Beiräte gegen die finanziellen Folgen falscher oder fehlender Entscheidungen im Unternehmen schützt. Lange war sie vor allem Thema börsennotierter, multinationaler Konzerne, doch inzwischen bestehen auch im Mittelstand immer mehr Führungskräfte bei der Anstellung auf dem Abschluss einer solchen Versicherung. Denn anders als Arbeitnehmer haften Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer und Aufsichtsräte selbst für fahrlässige Fehler persönlich, unbeschränkt und mit ihrem gesamten Vermögen gegenüber Dritten (z. B. Aktionären) und dem eigenen Unternehmen.

Der für die Assekuranz in Deutschland bisher teuerste Fall war die Übernahme von Chrysler durch Daimler: Rund 220 Mio. $ musste sie den Chrysler-Aktionären zahlen, die sich vom DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp getäuscht sahen und ihn mit Erfolg verklagt hatten. Die Korruptionsaffäre im Siemens- Konzern kostete das Konsortium von Manager-Haftpflichtversicherern 100 Mio. €. Darauf einigte man sich jüngst nach langem Streit. Versichert war Siemens mit 250 Mio. €.

Dass die Kunden zu höheren Prämien bereit wären, kann Udo Pana Kina nicht bestätigen. „Gerade in der Krise wird an allen Ecken und Kanten gespart das gilt auch für die D&O“, meint der D&O-Experte des Industriemaklers Marsh. Seit 2004 sind die Preise für die Managerhaftpflicht mit Ausnahme für Finanzdienstleister kontinuierlich gesunken. Ein mittelständisches Unternehmen mit 100 Mio. € bis 200 Mio. € Umsatz und ohne größere Aktivitäten in den USA zahlt aktuell 1 000 € bis 1 200 € je 1 Mio. € Deckungssumme. Kleinere Mittelständler kommen unter 1 000 € für diese Deckungssumme weg.

„Sieht man von den Finanzdienstleistern ab, die aktuell mehr für D&O zahlen müssen, bleiben die Prämien tendenziell eher konstant für manches mittelständische Unternehmen können sie gar sinken. Auch die Konditionen sind dank des intensiven Wettbewerbs, den sich die Versicherer schon seit einigen Jahren liefern, gut“, sagt Thomas Philipp vom Industriemakler Aon. Das meint auch Pana Kina: „Die D&O-Deckungskonzepte sind sehr ausgereift. Sie werden ständig überarbeitet und wegen des intensiven Wettbewerbs permanent erweitert.“

Gleichwohl gibt es Probleme: Im Hinblick auf die hohen Schäden sind die Versicherer nämlich weniger abschlussfreudig. Als ein besonders schadenträchtiges Risiko haben sie dabei Unternehmen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgemacht. „Untersuchungen aus den USA zeigen, dass Unternehmen, die wirtschaftlich in schwieriges Fahrwasser geraten sind, besonders anfällig für die Inanspruchnahme ihrer D&O-Police sind“, so Philipp. Läuft das Geschäft nicht mehr, suchen Aktionäre, letztlich aber auch Insolvenzverwalter die Schuld im Fehlverhalten der Manager.

Und so beobachtet Philipp, dass D&O-Kunden öfter als noch vor einigen Jahren nicht mehr im ersten Anlauf einen Versicherer finden. „Der Insolvenzverwalter überprüft inzwischen fast regelmäßig, ob sich Ansprüche gegen das Management aus einer D&O-Police stellen lassen“, sagt Pana Kina. MONIKA LIER

Von Monika Lier
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