Aktien 18.11.2005, 18:41 Uhr

Grüner Treibstoff fürs Aktiendepot

VDI nachrichten, Falkenhagen, 18. 11. 05 – Der Markt für Biodiesel in Deutschland boomt. In den vergangenen drei Jahren hat sich der Biodiesel-Absatz hierzulande auf gut 1,4 Mio. t mehr als verdreifacht. Für 2005 erwartet der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) einen Absatzanstieg auf 1,65 Mio. t. Mit der European Oil Products Biodiesel AG (EOP) ist in diesem Jahr die erste Aktie eines Biodieselherstellers an die Börse gekommen – ein nachhaltiges Investment?

Mit den rund 23 Mio. € aus dem Börsengang will die EOP an ihrem Stammsitz im brandenburgischen Falkenhagen eine weitere Biodiesel-Produktionsanlage bauen. „Damit verdoppeln wir unsere Kapazität auf dann 65 000 t Biodiesel pro Jahr, ein weiterer Kapazitätsausbau ist nicht ausgeschlossen“, sagt EOP-Vorstand und Gründer Sven Schöne.

Unter den deutschen Biodiesel-Produzenten rangiert EOP derzeit auf Platz 16, weit hinter dem Marktführer ADM. Der US-Konzern ist in Deutschland mit der ADM-Oelmühle Hamburg und der ADM-Oelmühle Leer Connemann der führende Produzent von Biodiesel. Weitere große EOP-Konkurrenten sind NEW Natural Energy West GmbH (225 000 t Kapazität pro Jahr), Biodiesel Schwarzheide GmbH und MUW Mitteldeutsche Umesterungswerke GmbH (je 150 000 t) oder Bio-Diesel Wittenberge GmbH (100 000 t).

Zusätzliche Konkurrenz kommt aus den USA: So will der Großkonzern Cargill, Hersteller von hochwertigen Rohstoffen für die Ernährungsindustrie aus Minneapolis, Minnesota, verstärkt auf das Geschäft mit Biodiesel setzen. Cargill plant, im August 2006 bei Frankfurt eine Anlage für 200 000 t Jahresproduktion in Betrieb zu nehmen.

Der gegenwärtige Biodiesel-Boom ist zum einen eine Folge der gestiegenen Benzinpreise die Autofahrer halten vermehrt Ausschau nach billigeren Alternativen. Zum anderen ist die Beimischung von bis zu 5 % Biotreibstoff zum herkömmlichen Treibstoff aus Erdöl seit 2004 von der Mineralölsteuer befreit. Die EU-Kommission hat daher das Ziel ausgegeben, den Marktanteil von Biokraftstoff bis 2005 auf 2 % und bis 2010 auf 5,75 % zu erhöhen.

Biodiesel wird in Deutschland vorwiegend aus natürlichem Rapsöl hergestellt. Nach Angaben des VDB baut man allein in diesem Jahr dafür bundesweit Raps auf einer Fläche von ca. 680 000 ha an. Doch großflächige Monokulturen haben erhebliche ökologische Belastungen zur Folge. „Mindeststandards beim Anbau, wie der Verzicht auf Agro-Gentechnik, sind notwendig, um den guten Ruf der nachwachsenden Rohstoffe nicht zu ruinieren“, erklärt Florian Schöne, beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) Referent für Agrarpolitik. Er fordert, „Mischkulturen wie Lupinen-Sonnenblumen-Gemenge sowie mehrjährige Kulturen wie Schilfgras zu schaffen, die mehr Artenvielfalt ermöglichen“ und weniger Düngemittel einzusetzen.

Dr. Andreas Ostermeier, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Emissionsminderung und Energieeinsparung im Verkehr beim Umweltbundesamt, sieht zumindest eine positive Energiebilanz: „Die Herstellung von Biodiesel bringt mehr Energie als zu seiner Erzeugung an fossilen Energien aufgewendet werden muss mit dem Einsatz von 1 t Erdöl kann man etwa 3 t bis 4 t Biodiesel erzeugen.“

Dem Beitrag von Biotreibstoffen zum Klimaschutz sind in Deutschland allerdings Grenzen gesetzt. Laut Werner Landwehr, verantwortlicher Bereichsleiter für das Kreditgeschäft bei der Bochumer GLS-Gemeinschaftsbank, gibt es bei nachwachsenden Rohstoffen für die Produktion von Biotreibstoff bereits Überkapazitäten. Der Bedarf sei längst nicht so groß, wie gehofft werde. Schließlich gebe es nur für einen kleinen Anteil der Fahrzeuge eine Herstellerfreigabe zum Betanken mit Biodiesel. Bei PKW sei dieser nicht nur verschwindend gering, sondern sogar rückläufig. Hauptabnehmer von Biodiesel seien und blieben die Flottenbetreiber des Transportgewerbes, die für ihre Busse und Lastwagen über eine eigene Betankung verfügen.

EOP-Chef Schöne sieht die Vorteile der Spediteure ähnlich: „Ein 40-Tonner-LKW verbraucht ca. 33 l Treibstoff pro 100 km mit Biodiesel spart die Spedition immerhin ca. 15 Cent pro Liter.“ Er verweist aber darauf, dass der private Fahrer pro Liter ähnlich viel spare.

Landwehr rechnet in Deutschland eher mit einer Konsolidierung des Marktes, nicht mit einer stürmischen Expansion. Die GLS-Gemeinschaftsbank gehe als Kreditgeber gar nicht mehr in diesen Bereich hinein. EOP-Vorstand Schöne dagegen meint: „Die Nachfrage nach Biodiesel ist da, und sie steigt weiter an.“ Die EOP-Produktion sei im laufenden Geschäftsjahr zu 80 % fest verkauft.“ Die EOP-Aktie war im September für 7,60 € an den Markt gekommen. Nach dem Börsenstart am 14. September schoss der Kurs im Xetra-Handel zunächst auf 16,75 € nach oben. Danach aber fiel der Kurs der Anteilsscheine wieder. Am vergangenen Mittwoch notierten die Papiere bei ca. 9,50 €.

JÖRG WEBER

Umweltbundesamt zieht positive Energiebilanz

Von Jörg Weber
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