Geldanlage 02.03.2012, 12:00 Uhr

Grüne Investmentfonds sind keine Selbstläufer

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Gute Zeiten für ethische und ökologische Investmentfonds – in der Theorie. In der Praxis kämpfen die Anbieter mit Hindernissen.

Bio-Lebensmittel haben sich im Sortiment fast jedes Supermarktes etabliert, Umweltsiegel prangen auf Produkten aller Art, Unternehmen werben mit ihren Nachhaltigkeitsleistungen. Auch am Kapitalmarkt ist Nachhaltigkeit ein Thema geworden. Nachhaltige Investmentfonds berücksichtigen bei der Titelauswahl ethische und ökologische Aspekte. Von 1998 bis 2011 hat sich ihr Volumen verhundertfacht. Tabu sind hier z. B. Rüstungskonzerne, Betreiber von Kernkraftwerken, Hersteller von Ozon zerstörenden Chemikalien oder Profiteure von Kinderarbeit.

Doch 2011 wurde diese Erfolgsgeschichte nicht fortgesetzt. Das Gesamtvolumen sank um 12 % auf 28,1 Mrd. €. Dabei waren im Frühjahr 2011 durch die Katastrophe im japanischen Fukushima klassische Nachhaltigkeitsthemen wie alternative Energien und die Transparenz von Unternehmen in aller Munde. Aber das Interesse war nur von geringer Dauer. „Die nachhaltigen Investmentfonds haben nur kurzzeitig von Fukushima profitiert, das war ein Strohfeuer“, stellt dazu Markus Güntner, Nachhaltigkeitsexperte der Swisscanto Asset Management AG, fest.

Euroschuldenkrise trifft auch die grünen Investmentfonds

Danach habe die Euroschuldenkrise die Entwicklung der Nachhaltigkeitsfonds überschattet. Auf breiter Front seien die Aktienkurse eingebrochen und hätten die Wertentwicklung auch der nachhaltigen Fonds verhagelt. Dies habe letztlich zu einer Volumenabnahme nachhaltiger Fonds geführt, erklärt Güntner. Es sei ja nicht so, dass Kunden in großer Anzahl ihre Anteile verkauft hätten. Die Anzahl der Fondsanteile sei vielmehr konstant geblieben. „Der Wert dieser Fondsanteile hat sich 2011 verringert, mit einer Erholung der Kurse wird dieser Wert wieder steigen“, so Güntner. Dann gehe es auch mit dem Volumen der nachhaltigen Fonds wieder aufwärts.

„Etwa 60 % des Gesamtvolumens der nachhaltigen Investmentfonds dürften auf Aktienbeteiligungen entfallen“, gibt Erol Bilecen von der Bank Sarasin, einem Pionier dieses Marktes, zu bedenken. Daher habe sich der Abschwung an den Aktienmärkten stark niedergeschlagen. Er betont ebenfalls, dass nachhaltige Anleger sich nicht so schnell von solchen Fonds trennen. „Wer in Nachhaltigkeitsfonds investiert, trifft eine grundsätzliche Entscheidung.“ Solchen Anlegern gehe es nicht vorrangig um eine schnelle Rendite. „Ihnen ist es wichtig, dass ihr Geld in Anlagen fließt, die mit ihren Überzeugungen in Einklang stehen.“ Darüber hinaus wäre ihnen nach Bilecen bewusst, dass nachhaltige Anlagestrategien auf einen längeren Anlagehorizont ausgerichtet sind.

Ein Fonds, der bei der Titelauswahl auf den effizienten Einsatz von Ressourcen Wert lege, auf soziale Nachhaltigkeit in den Zulieferketten und auf wirksame Antikorruptionsmechanismen, der erziele langfristige Vorteile, etwa durch die Verringerung von Anlagerisiken. Das Verständnis hierfür gehe der Entscheidung für einen Nachhaltigkeitsfonds voraus. Dieses aber müsse von den Anlageberatern geweckt werden, und hier sieht der Sarasin-Experte einen Grund dafür, warum nicht deutlich mehr Anleger in Nachhaltigkeitsfonds investiert sind. „Die Anleger mögen für Nachhaltigkeit sensibilisiert sein, aber Anlageberater müssen ihnen verdeutlichen, wie sie dies bei der Geldanlage umsetzen können“, so Bilecen. Das Gros der Vermittler aber habe das Thema Nachhaltigkeit noch nicht für sich entdeckt oder scheue davor zurück, weil es vielleicht wenig greifbar erscheine.

Hemmschuh für grüne, nachhaltige Investmentfonds: Verbindliche Definitionen fehlen

Als Hemmschuh für die Vermittlung nachhaltiger Fonds führt Roland Kölsch, Produktspezialist von LGT Capital Management, den Mangel an einer verbindlichen Definition von nachhaltigen Investments an. Die Auffassungen davon seien teilweise sehr verschieden. Zudem könne man den Kunden nicht genau sagen, wie stark sich die Nachhaltigkeit in der Wertentwicklung niederschlage. Im Alltag entstehe angesichts der höheren Preise für Biolebensmittel und anderer nachhaltiger Produkte das Gefühl, für Nachhaltigkeit müsse man immer etwas extra zahlen.“Gegen das Gefühl, dass dies auch für die Geldanlage gilt, müssen Sie erst einmal Argumente in die Waagschale werfen können“, sagt Kölsch.

Gute Gründe gebe es nämlich durchaus: So seien z. B. die nachhaltigen Fonds der LGT schon lange nicht mehr in südeuropäische Staatsanleihen investiert, weil diese Länder als nicht nachhaltig eingeschätzt worden seien. Außerdem böten energieeffizient produzierende Unternehmen oder Anbieter innovativer nachhaltiger Produkte Aussicht auf gute Renditen.

Damit die Kundenberater der LGT entsprechend argumentieren, biete das Unternehmen umfassende Schulungen zu Nachhaltigkeitsfonds an. „Diese werden von unseren Vertrieblern sehr gut angenommen“, so Kölsch.

Kunden sind grundsätzlich an grünen Investmentfonds interessiert

„Kunden sind an nachhaltigen Investments interessiert, reagieren angesichts der starken Wertschwankungen aber auf Fondslösungen mit Misstrauen“, erläutert Katharine Trimpop, Nachhaltigkeitsexpertin der Monega Kapitalanlagegesellschaft mbH. Monega hat für die Sparda-Banken Nachhaltigkeitsfonds aufgelegt. „Es gibt hier großen Erklärungsbedarf“, stellt Trimpop fest. Ihr Haus biete daher Beraterschulungen für das Kundengespräch über solche Produkte an.

Auch die Volksbank Gütersloh setzt verstärkt darauf, Kunden von Nachhaltigkeitsfonds zu überzeugen. Kundenberater würden dafür unter anderem mittels Fortbildungen informiert und über die Mitarbeiterzeitung auf dem Laufenden gehalten, erläutert Christian Umbach, Treasurer der Volksbank.

Die Reaktion der Kunden auf ihre nachhaltigen Angebote sei sehr positiv. Gerade durch die letzten Finanzkrisen werde die Frage, wohin das Geld der Kunden fließt und was damit geschieht, immer wichtiger.  

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