Finanzierung 26.04.2013, 11:00 Uhr

Gründungs­finanzierung: Mehr Investments, mehr Kapital

2012 war ein trübes Jahr für kapitalhungrige Hightech-Gründer. Investoren hielten ihr Geld beisammen. Doch seit Jahresbeginn wird nicht mehr gekleckert, sondern geklotzt. Zu diesem Ergebnis kommt das neue Venture Capital Panel, das die VDI nachrichten und die Münchener Beratungsfirma FHP Private Equity Consultants vierteljährlich erheben.

Software- und Internetunternehmen waren zu Jahresbeginn bei Gründungsfinanzierern besonders beliebt.

Software- und Internetunternehmen waren zu Jahresbeginn bei Gründungsfinanzierern besonders beliebt.

Cleantech-Firmen zogen im ersten Quartal des Jahres das meiste Kapital an. Sie erhielten insgesamt 36 Mio. €. Foto: iStock

Von Januar bis Ende März haben deutsche Wagnisfinanzierer laut Venture Capital Panel 140 Investments mit einem Volumen von 108 Mio. € gemeldet. Das sind gut 30 % mehr Beteiligungen als im ersten Quartal des Vorjahres. Das investierte Kapital stieg im gleichen Zeitraum sogar um 73 %. „Das Venture Capital-Geschäft ist in Deutschland zu Jahresbeginn vielversprechend angelaufen“, kommentiert Götz Hoyer, Leiter des Venture Capital Panels und Partner bei FHP die aktuelle Entwicklung.

Investiert haben im ersten Quartal 27 von 31 befragten Venture Capital Gesellschaften. Aktivstes Unternehmen war dabei mit 13 Deals die Berliner IBB Beteiligungsgesellschaft, gefolgt von Creathor Venture, Bad Homburg und MIG aus München mit jeweils sieben Investments. Das mit Abstand meiste Kapital wurde mit 22 Mio. € vom Zukunftsfonds Heilbronn investiert, gefolgt von MIG mit 12,7 Mio. €.

Erstaunlich: Öffentliche Investoren wie der Hightech Gründerfonds, die KfW (ERP-Startfonds) und Bayern Kapital investieren nur 43 Mal – der niedrigste Wert seit Jahren.

Welche Branchen standen im Fokus der Investoren? Besonders beliebt waren zu Jahresbeginn Software- und Internetunternehmen. Sie verzeichneten die meisten Beteiligungen. In die beiden Sektoren wurde 23 bzw. 22 Mal investiert. Auf den weiteren Plätzen folgten die Cleantech-Branche (21 Deals) sowie Biotechnologie und Medizintechnik mit jeweils 15 Beteiligungen.

Das meiste Kapital zogen im ersten Quartal Cleantech-Firmen an. Sie erhielten insgesamt 36 Mio. €. Dahinter rangierten Internet-Start-ups (18 Mio. €) und Biotech-Betriebe (14 Mio. €).

Bei der regionalen Verteilung der Beteiligungen zeigt sich folgendes Bild: Bayerische Unternehmen wurden am häufigsten finanziert. 26 % aller Investments gingen in den Freistaat. Unternehmen aus Berlin und Nordrhein-Westfalen konnten 20 % beziehungsweise 11 % der Beteiligungen auf sich vereinen. Der Anteil der Auslandsinvestitionen lag bei 12 %.

Die befragten Wagnisfinanzierer kümmerten sich aber nicht nur um neue Engagements. Sie waren auch damit beschäftigt, sich von Portfoliofirmen zu trennen. Immerhin gelangen neun Verkäufe an strategische Investoren, sogenannte Trade Sales (Vorquartal: 12). Außerdem waren drei Anteilsverkäufe über die Börse möglich. Die Anzahl der Abschreibungen sank auf neun. Im Vorquartal waren noch 13 Unternehmenspleiten zu beklagen. „Für das erste Quartal des Jahres ist das eine recht erfreuliche Bilanz“, so Venture Capital Experte Hoyer.

Wie erfolgreich waren die Investoren in den letzten zwölf Monaten bei Beteiligungsverkäufen? Auf die entsprechende Frage antworteten nur 8 der 31 Panelteilnehmer. Zwei von ihnen meldeten Verluste bei ihren Exits. Immerhin sechs VC-Gesellschaften konnten Gewinne erzielen.

Im Durchschnitt wurde dabei das eingesetzte Kapital fast verdreifacht (Faktor 2,8). Hoyer: „Die zahlreichen Abschreibungen, die zum VC-Geschäft dazugehören, konnten durch wenige, aber sehr erfolgreiche Trade-Sales mehr als kompensiert werden.“

Neben der richtigen Auswahl von Deals ist für deren Rendite auch die Einstiegsbewertung der Beteiligungsunternehmen von großer Bedeutung. Zuletzt wurden IT-Unternehmen zum Zeitpunkt des Einstiegs einer VC-Gesellschaft mit durchschnittlich gut 4 Mio. € bewertet (Median). Ihre Pendants aus den Life-Science-Industrien kamen auf einen Wert von rund 5 Mio. €.

Bis zu einem möglichen Verkauf planen Investoren einen Zeitraum von fünf bzw. sechs Jahren ein. In dieser Zeit benötigen IT-Firmen gut 7 Mio. € Wachstumskapital, Life-Science-Unternehmen rund 10 Mio. € – sofern die Planungen der Investoren aufgehen. PETER SCHWARZ

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