Interview zu Nachhaltigkeitsbanken 14.12.2012, 14:01 Uhr

„Gewinnmaximierung stellt nicht das alleinige Ziel dar“

Nachhaltigkeitsbanken wollen eine Alternative zum traditionellen Finanzsystem aufzuzeigen. Eine neue Studie belegt, dass sie auch in puncto Wachstum und Gewinn mit etablierten Anbietern mithalten. Fragen an Thomas Jorberg, Mitglied im Führungskomitee der Global Alliance for Banking on Values (GABV) und Vorstandschef der GLS Bank.

VDI nachrichten/INGENIEUR.de: Herr Jorberg, was ist eine Nachhaltigkeitsbank?

Jorberg: Nachhaltigkeit bedeutet für uns, die Bedürfnisse der Menschen in den Fokus zu rücken. Durch den sinnvollen Einsatz des Geldes schaffen wir eine Brücke zwischen der Geldanlage auf der einen – und ihrer realwirtschaftlichen Verwendung auf der anderen Seite. Zusätzlich legen Nachhaltigkeitsbanken ihre Investitionen und Eigenanlagen offen, sodass ihre Kunden nachvollziehen können, wo ihre Gelder in der Gesellschaft wirken.

Fühlen Sie sich als Vorstandssprecher der GLS Bank in dieser Nische wohl?

Jorberg: Werteorientiertes Bankgeschäft ist längst nicht mehr die Nische, die es mal war. Vor 38 Jahren waren wir weltweit die erste Bank, die soziale, ökologische und ökonomische Kriterien verknüpfte. Inzwischen gibt es national wie international weitere Banken wie die GLS Bank, die ein gemeinsames wertebasiertes Geschäftsmodell prägt – und dies erfolgreich umsetzen.

Eine Studie des Weltverbandes GABV zeigt, dass Nachhaltigkeitsbanken auf ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 18,5 % blicken. So genannte systemrelevante Banken hingegen weisen durchschnittlich ein Wachstum von nur 10,4 % auf.

Im März 2013 wird in Berlin bereits der fünfte Weltkongress des GABV stattfinden. Diese Entwicklungen verdeutlichen die zunehmende Akzeptanz unseres nachhaltigen Ansatzes innerhalb der Finanzbranche.

Auffällig ist auch, dass Nachhaltigkeitsbanken laut Studie mehr Kredite an Unternehmen vergeben.

Jorberg: Ja, Nachhaltigkeitsbanken sind durch ihre gezielten Investitionen in sozial und ökologisch orientierte Projekte eine wichtige Stütze der Realwirtschaft. Vergleichen wir die nachhaltigen mit den systemrelevanten Banken sehen wir, dass die Nachhaltigkeitsbanken 72,6 % ihrer Bilanzsumme zur Unterstützung der Realwirtschaft einsetzen. Konventionelle Geldinstitute vergeben mit 40,7 % lediglich halb so viele Kredite.

Die bereits angesprochene Studie zeigt zudem, dass nachhaltige Banken ihre Aktivitäten während der gegenwärtigen Rezession steigern und mehr Kredite an kleine sowie wachstumsstarke Unternehmen vergeben konnten.

Auch die GLS Bank ist eine Genossenschaftsbank. Wo liegt der Unterschied zu einer normalen Genossenschaftsbank?

Jorberg: Generell arbeiten Genossenschaftsbanken – wie übrigens auch die meisten Sparkassen – nach dem Regionalprinzip. Sie setzen sich zum Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Region zu fördern. Der Unterschied zu Nachhaltigkeitsbanken spiegelt sich unter anderem in den zugrunde liegenden Investitionskriterien wider.

Nachhaltigkeitsbanken arbeiten mit strengen Positiv- wie Negativkriterien. Ausgeschlossen sind dadurch z. B. Investitionen in Unternehmen, die Atomenergie unterstützen oder kontroverse Wirtschaftspraktiken verfolgen.

Überwacht der GABV bei seinen Mitgliedern die Einhaltung dieser Kriterien?

Jorberg: Natürlich beobachten wir die weitere Entwicklung, prüfen die Einhaltung unserer Kriterien aber bereits intensiv vor der Aufnahme in den GABV. So durchlaufen die Banken verschiedene Schritte: In einer ersten schriftlichen Bewerbung stellen die Banken ihre Werteorientierung dar. Anschließend führen wir mit den verantwortlichen Geschäftsführern intensive Gespräche über ihre Verpflichtung zu und die Verantwortung von nachhaltigem Bankgeschäft.

Wie viel Gewinn darf eine Nachhaltigkeitsbank erzielen, ohne dass es unanständig wird?

Jorberg: Das ist exakt der große Unterschied zum konventionellen Bankgeschäft: Gewinnmaximierung stellt aus Sicht der Nachhaltigkeitsbanken nicht das alleinige Ziel dar. Stattdessen ist unser Ziel, die Bedürfnisse der Menschen sicherzustellen sowie unsere natürlichen Ressourcen zu bewahren und zu entwickeln.

Wenn wir dies unter ökonomischen Gesichtspunkten gut umsetzen, dann – aber erst dann – ergibt unsere Tätigkeit zusätzlich einen monetären Gewinn.

Seit vier Jahren schimpfen viele Kunden zwar über „die bösen Banken“, aber Konsequenzen daraus haben bisher die wenigsten gezogen. Woran liegt das?

Jorberg: Ja, das ist in der Tat so! Die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten noch viel mehr von ihrer Macht Gebrauch machen.

Gleichzeitig ist das Glas inzwischen halb voll: Da es immer offensichtlicher wird, dass sich in der Finanzbranche etwas ändern muss, sind auch immer mehr Menschen grundsätzlich offen für sozial-ökologisches Banking. Nur müssen noch mehr darüber informiert werden, dass es Banken wie die GLS Bank überhaupt gibt. Aber immerhin strömen seit 2008 über 2000 Neukunden zu uns – im Monat. 

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