Wirtschaft 18.05.2012, 11:56 Uhr

Genossenschaftsbanken waren die Stabilisatoren in der Finanzkrise

Im Finanzsektor haben Genossenschaften seit jeher eine starke Stellung. Während der Krisenjahre nach der Lehman-Pleite konnten sie ihre Position noch ausbauen. Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), fürchtet jedoch, dass die Regulierung der Banken auch seinen Instituten zusetzen wird.

Die deutschen Genossenschaftsbanken sehen im Internationalen Jahr der Genossenschaften eine große Auszeichnung der genossenschaftlichen Idee durch die Uno. Schließlich, so BVR-Präsident Uwe Fröhlich im Gespräch mit den VDI nachrichten, hätten die Genossenschaftsbanken nicht nur bankbetriebliche Erfolge vorzuweisen. Sie würden auch eine positive gesamtwirtschaftliche Wirkung entfalten, indem sie den Finanzplatz Deutschland stabilisierten.

Tatsächlich finanzieren Genossenschaftsbanken einen großen Teil des Mittelstands, der tragenden Säule der deutschen Wirtschaft. In der Krise hatten die Genossenschaftsbanken nach Fröhlich maßgeblichen Anteil an der Stabilität des heimischen Bankenmarktes.

Genossenschaftsbanken: Kredite für den Mittelstand während der Krise

Die Kreditgenossenschaften waren – neben den Sparkassen – wesentlich mit beteiligt daran, dass die Kreditversorgung des Mittelstandes in der Krise nicht zum Erliegen gekommen ist. Genossenschaftsbanken sind nicht auf die in der Krise ausgetrockneten internationalen Kapitalmärkte angewiesen. Um ihre Kunden mit den benötigten Mitteln versorgen zu können, finanzieren sich die auf Ortsebene arbeitenden Kreditgenossenschaften aus den Einlagen ihrer Kunden.

Auf einer zentralen Veranstaltung zum Internationalen Jahr der Genossenschaften in Berlin hob Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst denn auch die Bedeutung der Genossenschaften für die Soziale Marktwirtschaft hervor. Sie ermunterte: „Machen Sie weiter so. Danke für das, was Sie für unser Land tun – jeden Tag an so vielen Stellen und mit so vielen Menschen.“

Solche Worte hören die Genossen natürlich gerne. Dass die Arbeit ihrer Banken anerkannt wird, zeigt die Entwicklung der Marktanteile, die nach Fröhlich „sehr positiv“ verläuft.

Während die Ausleihungen der Banken an Kunden 2011 in Deutschland insgesamt um 0,1 % leicht zurückgingen, erzielten die Genossenschaftsbanken im Kreditgeschäft mit ihren Kunden gleichzeitig ein Plus von 4,5 % gegenüber dem Vorjahr. Das war nach Fröhlich die kräftigste Kreditexpansion seit zehn Jahren.

Der Erfolg zeigt sich auch in den Marktanteilen: Die Kredite von Gewerbekunden erreichten Ende 2011 einen Anteil am Gesamtmarkt von 29 % nach gut 27 % im Vorjahr. Insgesamt liegt der Marktanteil im Kundenkreditgeschäft bei über 13 %. Ausdruck hohen Vertrauens zu den Kreditgenossenschaften ist aus Sicht des Verbandschefs auch der hohe Marktanteil bei den Spareinlagen von fast 30 %.

Auch Genossenschaftsbanken spüren Druck durch Bankenaufsicht

Doch auch bei den Genossenschaftsbanken geht der Tag nicht ohne Klagen zu Ende: „Die Vielzahl neuer Pflichten, die im Rahmen der Regulierung allen Banken von der Bankenaufsicht auferlegt werden, spüren wir deutlich. Sie erzeugen zusätzliche Aufwendungen und machen besonders den kleineren Genossenschaftsbanken das Wirtschaften schwerer“, so Fröhlich.

Der 51-Jährige, der nach Stationen bei Arthur Andersen und IBM erst vor elf Jahren zu den Genossenschaftsbanken stieß, kritisiert auch Belastungen durch das Beraterregister für Banker. Es soll noch in diesem Jahr bei der Bafin eingerichtet werden. Fröhlich: „Es ist sicher nicht im Sinne des Kunden, wenn Bankberater künftig überwiegend nur noch Tages- oder Festgeld empfehlen, weil sie möglicherweise fürchten, sonst zu Unrecht bei der Bafin angeschwärzt zu werden.“ Man müsse sich schon fragen, ob die Politik hier für die Kunden sinnvolle Vorschläge mache.

Den neuen Eigenkapitalregeln (Basel III) werden die Genossenschaftsbanken laut Fröhlich entsprechen. Sie seien gut durch die Krise gekommen und hätten Kapital aufbauen können. „Aber Basel III erhöht auch die Kosten im Kreditgeschäft. Das betrifft alle Bankengruppen und es wird wohl nicht ohne Folgen für die Wirtschaft bleiben“, deutet der Banker schärfere Kreditkonditionen an.

Keine Kreditklemme bei Genossenschaftsbanken

Bei den Genossenschaftsbanken sieht Fröhlich aber keine Kreditklemme. Auch hätten diese kein Geld vom Staat genommen, vielmehr seien sie 2011 mit Zahlungen an den Fiskus von 1,8 Mrd. € einer der größten Steuerzahler gewesen.

Auch die künftigen Liquiditätsregeln treiben Fröhlich um. Sie seien aus internationaler Sicht formuliert und würden keine langen Zinsbindungen kennen, wie sie in Deutschland üblich seien. Wenn die Banken künftig nur 100 % fristenkongruente Finanzierungen anbieten könnten, würde das lange Zinsbindungen wesentlich verteuern.

Vollständiges Wortlautinterview unter: www.vdi-nachrichten.com/froehlich

 

Ein Beitrag von:

  • Dieter W. Heumann

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