Kreditwirtschaft 20.09.2002, 18:21 Uhr

Geldwäschern auf der Spur

Der Internationale Währungsfond schätzt, dass die Geldwäsche weltweit 2 % bis 5 % des Bruttosozialprodukts ausmacht. Die Erfolge der einzelnen Länder im Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität sind unterschiedlich.

Der Finanzkrieg gegen den Terrorismus ist, so der neueste UN-Bericht, noch nicht beendet. Bislang wurden lediglich 10 Mio. $ von mehr als 112 Mio. $ dem Zugriff von Al-Quaida entzogen. Doch nicht nur im Terror-, sondern auch im Drogenbereich grassiert die Geldwäsche.
Bislang fahndeten die Banker per Hand oder mit selbst geschriebenen Routinen nach ungewöhnlichem Kundenverhalten. Doch seit dem 11. September führen immer mehr Banken computergestützte Anti-Geldwäsche-Systeme ein, die verdächtige Transaktionen im automatischen Zahlungsverkehr aufspüren sollen. Immerhin drohen Mitarbeitern bei einem Geldwäschefall bis zu fünf Jahre Haft.
Anbieter wie Searchspace, DVD Systempartner, ACI oder HNC erfreuten sich denn auch in den letzten zwölf Monaten eines starken Wachstums. So führte die Schweizer Großbank UBS eine Software der britischen Firma Searchspace ein, die auch bei der Bank von New York, Barclays und der Londoner Börse eingesetzt wird. Sie vergleicht das Verhalten eines Kunden mit früheren Kontobewegungen und zieht Vergleichsprofile heran. Entdeckt sie etwas Verdächtiges, meldet sie es dem Geldwäschebeauftragten der Bank.
Die Landesbank Baden-Württemberg hingegen setzt wie die Deutsche Bank und die HypoVereinsbank die von der Stuttgarter Firma DVD Systempartner entwickelte Software „Smaragd“ ein. Diese wertet in einem Scoring-Verfahren sämtliche Kontobewegungen aus. Orientiert am einzelnen Konto entdeckt sie sprunghafte Umsatzsteigerungen ohne offensichtlichen Grund oder Transaktionen, die nicht im Einklang mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden stehen.
Die Kriterien für verdächtige Aktionen stellte 1998 das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen auf. Im Schnitt schlägt das Programm bei einer von 1000 Kontobewegungen Alarm. Das kleine Frankfurter Beratungsunternehmen MDM Consult hingegen setzt nicht nur am einzelnen Konto an, sondern hat Auswertungsroutinen entwickelt, die kontenübergreifend verdächtige Kaskaden von Transaktionen ausmacht. Visualisiert werden so erkannte Kontennetzwerke mit Hilfe der Software „Watson“ von der Firma Xanalys.
Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Helmut Bäumler, obgleich er Datensammelei sehr kritisch beobachtet, ist aufgeschlossen gegenüber einer intelligenten Analyse der bankinternen Finanzströme: „Der große Lauschangriff oder gar der Einsatz polizeilicher Videokameras in Privaträumen ist viel gefährlicher als die Überwachung von Finanzströmen.“ Immerhin übe Geld, anders als Telekommunikationsverbindungsdaten, direkt eine soziale Funktion aus. Oder anders gesagt: Geld spielt bei vielen Verbrechen eine größere Rolle als das Tatmittel, Beute oder Erpressungsmittel als Kommunikationsdaten tun.
In den USA, Großbritannien, Frankreich und Australien analysieren Spezialdienste die Finanznetzwerke, die untereinander sowie über Interpol Arbeitsbeziehungen pflegen. In den Datenbanken des US-amerikanischen Financial Crimes Enforcement Center (Fincen) werden alle Kontenbewegungen über 10 000 $ registriert und bewertet. Doch Milliarden von Transaktionen sind nicht ohne weiteres per Knopfdruck auszuwerten.
Die Experten müssen verdächtige Konten aus dem Datenwust mittels Spezialroutinen mühsam herausschälen und auch Daten aus Beschlagnahmungen und Telefonüberwachungen integrieren. Immer noch als Herausforderung gilt das Ausmachen zeitlicher Zusammenhänge, so die Fincen-Experten Henry Goldberg und Raphael Wong. Mit dem Zeitfaktor werden Zusammenhänge erschlossen, die bei herkömmlichen Datenanalysen leicht übersehen werden können.
In Deutschland gibt es übrigens bis heute keine zentrale Anlaufstelle, worin ausländische Experten die größte Schwäche der deutschen Geldwäschebekämpfung sehen. Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz gegen die Geldwäsche ist jedoch der bankenübergreifende Ansatz.
„Derzeit gibt es keine Institution, die über den hierzu notwendigen Datenbestand verfügt“, bedauert MDM-Vorstand Martin Duchscherer, der als Major der Reserve Nachrichtenstabsoffizier bei der Bundeswehr ist. Das geplante nationale Register aller Konteninhaber werde nicht ausreichen, meint er, da es nicht über Transaktions- und Buchungsdaten verfüge. Da der Wertpapierhandel wesentlich genauer beobachtet werde, dränge sich der Verdacht auf, „dass aktuell weder seitens der Banken noch seitens der Behörden eine wirklich ernsthafte Verfolgung von Geldwäsche angestrebt wird.“
Doch selbst wenn die Behörden Zugriff auf alle Bankdaten hätten, wäre ein durchgreifender Erfolg zweifelhaft: Die neueste Masche der Geldwäscher ist, auf andere Institutionen wie Versicherungen auszuweichen oder sich auf den reinen Warenaustausch zu konzentrieren. C. SCHULZKI-HADDOUTI

Von C. Schulzki-Haddouti
Von C. Schulzki-Haddouti

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