Anleger-Tipps 16.09.2011, 12:07 Uhr

Geldanlage in Zeiten der Schuldenkrise

Das Schuldenproblem der westlichen Welt bringt traditionelle Anlegerweisheiten ins Wanken. Selbst deutsche Staatsanleihen sind nicht so sicher, wie das aktuelle Zinstief suggeriert. Worauf sollten sich Anleger einstellen? Ein Überblick.

Umfragen zeigen: Nur jeder siebte Deutsche besitzt noch Aktien oder Aktienfonds. Kein Wunder, zehren die Kapriolen an den Börsen doch selbst an den Nerven hartgesottener Profis. Vor allem wegen der hohen Verluste bei Finanzaktien hat der Dax allein seit Ende Juli ein Drittel an Wert verloren.

Noch gravierender ist der Vertrauensverlust bei Staatsanleihen. Jahrzehntelang galten die Schuldscheine der Eurostaaten als sicher. Der deutsche Staat schreibt Versicherungen und Pensionseinrichtungen sogar vor, überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere zu investieren. Das Ergebnis: Ein erheblicher Teil der Altersvorsorge deutscher Sparer basiert auf Staatsanleihen.

Doch auch die sind nicht mehr sicher. Den Griechen leihen derzeit nur noch Hasardeure Geld. Selbst Spanien und Italien leiden unter einem Vertrauensentzug durch die Investoren.

Deutschland mit Spitzen-Rating: Sichere Geldanlage noch möglich

Auch Eurostaaten mit Top-Rating AAA geraten unter Druck. Von 17 Euroländern haben nur Deutschland, Frankreich, Finnland, die Niederlande, Luxemburg und Österreich die beste Bonitätsnote. Frankreich wackelt bereits. Als großer, liquider Markt mit Spitzen-Rating bliebe dann nur noch Deutschland übrig.

Dieses Szenario wird an den Kapitalmärkten derzeit gespielt. Zu beobachten ist ein heftiger Ansturm auf deutsche Bundesanleihen. Auf rund 1,8 % ist die Rendite für zehnjährige Papiere gefallen; wenige Monate zuvor lag sie noch bei 3,5 %.

Nach Abzug von Inflation und Steuern erleiden Investoren derzeit einen Wertverlust, wenn sie dem deutschen Staat Geld leihen. Die Angst vor noch größeren Verlusten mit anderen Wertpapieren treibt Investoren dennoch in den vermeintlich sicheren Hafen.

Dabei bürdet der Staat seinen Bürgern gewaltige Lasten auf. Allgemein bekannt ist die Bürgschaft Deutschlands für den Eurorettungsschirm EFSF in Höhe von demnächst wohl 211 Mrd. €, bei Bedarf kann es noch einen Aufschlag von 20 % geben, macht dann rund 253 Mrd. €. Der Bundestag stimmt hierüber Ende September ab. Weniger bekannt ist ein weiteres, noch größeres Kreditrisiko.

Die Deutsche Bundesbank hat in ihrer Bilanz per 31. Dezember 2010 Forderungen gegenüber Notenbanken anderer Euroländer in Höhe von 338 Mrd. € angehäuft. Der Grund: Leistungsbilanzdefizite von Eurostaaten werden über das Eurozahlungsverkehrssystem durch die Bundesbank ausgeglichen. Auf dieses Risiko wies vor Kurzem Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hin.

Addiert man die Risiken aus dem Eurorettungsschirm und der Bundesbankbilanz, kommt man für den deutschen Steuerzahler auf eine Summe von 584 Mrd. €. Wie viel davon eines Tages als Verlust abgeschrieben werden muss, ist ungewiss. Das Risiko aber ist gewaltig. Zum Vergleich: Der Entwurf für den Bundeshaushalt 2012 sieht Steuereinnahmen von 247 Mrd. € vor.

Immer mehr Volkswirte warnen davor, dass Deutschland unter dieser Schuldenlast einbrechen könnte. Die Folge wären „drastisch steigende Zinsen“, so die „Finanzwoche“.

Anleger sollten bei der Geldanlage auf langfristige Staatsanleihen verzichten

Hieraus freilich würde das nächste Problem resultieren. Hohe Zinsen und damit eine Verteuerung ihrer Verschuldung wollen die Schuldenstaaten unbedingt vermeiden. Daher drängen Politiker aus der Europeripherie die EZB ja zum Kauf von Staatsanleihen. Das wiederum ist letztlich nichts anderes als Gelddrucken. Geld aber, dem keine reale Produktion gegenüber steht, ist nichts wert. Das führt auf Dauer zu deutlich steigender Inflation.

Die Situation an den Kapitalmärkten ist für Anleger also extrem schwierig. Es findet eine Neubewertung aller Werte statt. Klar scheint: Von langfristigen Staatsanleihen sollten Anleger die Finger lassen – die Inflationsgefahr ist zu groß.

Auch der Goldpreis könnte zwar noch über 2000 $ klettern, wäre knapp darüber aber reif für eine Konsolidierung. Ohnehin ist Gold nur als Depotbeimischung sinnvoll.

Bei Aktien ist weiterhin Vorsicht angebracht. Gleiten die westlichen Staaten in eine Rezession ab, „würde das Abwärtsrisiko bei 20 % liegen“, betont Ad van Tiggelen, Investmentspezialist bei ING Asset Management. Der Dax könnte also noch bis auf 4200 Punkte fallen. Dieses Niveau wäre wahrscheinlich eine gute Zukaufchance.

Die Geldanlage in Aktien ist weiterhin mit Vorsicht zu genießen

Dies gilt aber nur für Aktien mit guter Bilanz und guter Gewinnentwicklung. Van Tiggelen favorisiert den konjunkturunabhängigen Sektor, also Lebensmittel- und Getränkehersteller sowie Pharmaunternehmen.

Wichtig sei auch, dass die Unternehmen vom Wachstum in den Schwellenländern profitieren. Die Anlegerweisheit, dass Schwellenländer unsolide und riskant sind, gilt nämlich auch nicht mehr. Laut ING Asset Management beträgt die Verschuldung in den aufstrebenden Volkswirtschaften im Schnitt knapp 30 % des Bruttoinlandsprodukts, während die durchschnittliche Verschuldung in den entwickelten Ländern 100 % überschreitet.  

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Evonik Technology & Infrastructure GmbH-Firmenlogo
Evonik Technology & Infrastructure GmbH Sachverständiger (m/w/d) Druckanlagen Zugelassene Überwachungsstelle Marl
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR WINDENERGIESYSTEME IWES-Firmenlogo
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR WINDENERGIESYSTEME IWES Projektmanagerin / Projektmanager / Operations Manager für Offshore-Messkampagnen Bremerhaven
Staatliches Bauamt Freising-Firmenlogo
Staatliches Bauamt Freising Diplom-Ingenieur (m/w/d) (Bachelor/ FH) Landschaftsarchitektur / Landschaftsplanung / Landschaftspflege München
Amt für Verkehrsmanagement der Stadt Heidelberg-Firmenlogo
Amt für Verkehrsmanagement der Stadt Heidelberg Verkehrsplaner und stellvertretende Leitung der Abteilung Entwurf Verkehrsanlagen (m/w/d) Heidelberg
congatec AG-Firmenlogo
congatec AG Hardware Engineer (m/w/d) Deggendorf
Landeshauptstadt Wiesbaden-Firmenlogo
Landeshauptstadt Wiesbaden Ingenieurin / Ingenieur für den Bereich Schutz und Bewirtschaftung der Gewässer (w/m/d) Wiesbaden
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG-Firmenlogo
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG EHS Specialist als Sicherheitsfachkraft (m/w/d) Ludwigshafen am Rhein
Fresenius Kabi-Firmenlogo
Fresenius Kabi Stellvertretung / Assistenz der Leitung Technik (m/w/d) Neufahrn bei Freising
Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Sales Manager (m/w/x) Oberkochen
KAMAX GmbH & Co. KG-Firmenlogo
KAMAX GmbH & Co. KG Betriebsingenieur (m/w/d) Homberg (Ohm)

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Finanzen