Geldanlage 18.11.2005, 18:41 Uhr

Gar nicht anrüchig: Mit Gülle Geld verdienen  

VDI nachrichten, Frankfurt, 18. 11. 05 – Dass Geld nicht stinkt, zeigen geschlossene Biogas-Fonds. Noch ist ihr Anteil am Gesamtmarkt für geschlossene Energie-Fonds relativ gering. Doch das wird sich bald ändern. Der Anteil der Biogasanlagen an der gesamten Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien wächst stetig.

Eine Biogasanlage erzeugt Strom aus Biomasse wie Gülle, Mais oder Reststoffen aus der Nahrungsmittelproduktion. Grundsätzlich wird zwischen Reststoffverwertungsanlagen und landwirtschaftlichen Biogasanlagen unterschieden. „Ende des Jahres werden gut 2500 Biogasanlagen am Netz sein. Sie erzeugen dann drei Terawattstunden Strom jährlich, weniger als 1 % der gesamten Stromproduktion in Deutschland“, weiß Markus Ott, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas. Damit können Biogaskraftwerke ungefähr 750 000 Drei-Personen-Haushalte mit Strom versorgen. Doch es soll bald mehr werden. „Aktuell erfährt die Branche ein enormes Wachstum“, so Ott. In diesem Jahr sollen 500 Mio. € in den Bau von Biogasanlagen geflossen sein.

Ende 2002 leistete Biomasse laut Bundesumweltministerium einen Beitrag von rund 3,5 % zur Wärmebereitstellung, 1,0 % zur Bruttostromerzeugung und 0,8 % zur Treibstoffbereitstellung. Heute steht die Stromerzeugung aus Biogas bereits auf dem dritten Platz unter den regenerativen Energieträgern, hinter Wind und Wasser.

Die Rating-Agentur Scope geht davon aus, dass der Anteil der Biogas-Fonds an den geschlossenen EnergieFonds in diesem Jahr bei rund 10 % liegt. Damit würde das platzierte Eigenkapital bei etwa 35 Mio. € liegen.

Wie die Entwicklung weiter geht ist unklar. Denn mit der Einführung des § 15b Einkommensteuergesetz (EStG) will die Bundesregierung die Verlustverrechnung beschränken. „Dadurch könnte es zunächst einen Einbruch geben. Aber es werden neue Konzeptionen und Anpassungen folgen. In jedem Fall wird es Biogas-Fonds weiterhin geben“, meint Scope-Experte Magnus Kaupmann.

Doch Biogas-Fondsanbieter betrachten ihre Produkte bereits heute nicht mehr als Steuer-Spar-Modelle. „Wir haben uns nie so gesehen“, meint Jürgen Meyer, Prokurist bei Aufwind Schmack. Für ihn spielt das neue Gesetz keine Rolle. So ist der nächste Biogas-Fonds Cash Cow 2 bereits in der Prospektprüfung. Auch die Firma In Trust sieht nur geringe Auswirkungen auf das Ergebnis für den Anleger. „Wir haben die beabsichtigten gesetzlichen Änderungen bereits in die Konzeption einbezogen. Aufgrund unserer schlanken Kostenstruktur ist das Produkt sehr renditestark“, so Thomas Kinitz, Vorstand von In Trust.

Biogas hat gegenüber Windkraft und Photovoltaik den Vorteil, dass es unabhängig von Wettereinflüssen immer zur Verfügung steht. „Dies und die Tatsache, dass es speicherbar ist, bedeutet, dass mit Biogas sowohl Grund- als auch Spitzenlaststrom erzeugt werden kann“, erklärt Meyer. Der Ertrag je kWh ist durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) für die nächsten 20 Jahre festgelegt. So werden Biogasanlagen mit einer Leistung von 150 kW bis 20 MW, die Gülle oder Mais verwenden, in diesem Jahr mit durchschnittlich 13,53 Cent/kWh gefördert. Anlagen, in denen Reststoffe aus der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt werden, erhalten 2005 eine Förderung von durchschnittlich 9,53 Cent/kWh.

Biogas ist zudem vielseitig: Es kann nicht nur in Strom, sondern auch in Wärme oder Kraftstoff umgewandelt werden. Biogasanlagen werden vor allem in landwirtschaftlichen Regionen angesiedelt. „In diesen strukturschwachen Gebieten können zusätzliche Arbeitsplätze und damit Einkommen geschaffen werden“, meint Kaupmann.

Hinzu kommt die hohe Rentabilität dieser Anlageklasse. So rechnet In Trust mit Ausschüttungen während der Laufzeit von über 400 %. Das entspricht einer Vorsteuerrendite von 12,9 %. Bei der anstehenden Gesetzesänderung würde die Rendite immer noch bei 9,4 % nach Steuern liegen. Die Vorsteuer-Renditen der Biogas-Fonds von Aufwind Schmack liegen bei rund 8 %.

Allerdings gibt es einige Unwägbarkeiten wie die tatsächliche Biogasausbeute oder den Eigenstrombedarf. Darüber hinaus laufen Biogas-Fonds sehr lang – oft rund 20 Jahre. „Die Höhe der langfristigen Instandhaltungs- und Wartungskosten sowie der Preise für die Einsatzstoffe kann über einen so langen Zeitraum nur geschätzt werden“, so Kaupmann. Somit sollten diese geschlossenen Energie-Fonds ein Sicherungskonzept und Nachweise über die einzelnen Parameter besitzen.

Daher plant In Trust hohe Sicherheitsabschläge in sein Fondskonzept ein. „Wir gehen von niedrigen Gasertragsprognosen aus. Die Kosten für die Substrate und die wesentlichen Wartungskosten sind langfristig, bis zu zehn Jahre, festgeschrieben“, erläutert Kinitz. MANUELA FREY-BROICH

Von Manuela Frey-Broich
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