Hannover Messe 01.04.2011, 19:52 Uhr

Frankreich macht in Hannover mobil

Mit 220 Ausstellern präsentiert sich Deutschlands wichtigster Handelspartner, Frankreich, als diesjähriges Partnerland der Hannover Messe. Die Themenschwerpunkte könnten kaum aktueller gewählt sein: Saubere Energie und Technologien, die den CO2-Ausstoß verringern helfen, stehen im Mittelpunkt.

„Das neue Wachstum ist grün!“ Die Feststellung von Ubifrance-Chef Christophe Lecourtier, verantwortlich für die Beteiligung Frankreichs als Partnerland der Hannover Messe, klingt wie ein Kommentar zur aktuellen Diskussion in Deutschland.

Doch Lecourtiers Einschätzung stellt nur die logische Schlussfolgerung dar aus den Entwicklungen in Frankreich. Denn dort schrumpfen die traditionellen Industriezweige seit 30 Jahren kontinuierlich. 2 Mio. Arbeitsplätze gingen in der Industrie seit 1980 verloren. Von Oktober 2009 bis September 2010 wurden knapp 90 000 Stellen abgebaut.

Dabei hat Frankreich die globale Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 mit einem Einbruch um 2,6 % besser gemeistert als etwa Deutschland (- 4,7 %). Doch so moderat der Einbruch, so mäßig verlief der Aufschwung im Jahr danach. Um 1,7 % wuchs das französische Bruttoinlandsprodukt 2009. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft legte um 3,6 % zu.

Doch der Silberstreif am Horizont ist sichtbar. Laut einer Umfrage des Statistikinstituts Insee vom Oktober 2010 sollen die Investitionen in der Industrie 2011 wieder um 9 % ansteigen. Ein Grund dafür liegt im starken Wachstum beim wichtigsten Handelspartner Deutschland, der immerhin 16 % der französischen Exporte abnimmt.

Mittelfristig soll die Strategie der Exzellenzcluster die Wachstumsdynamik in Frankreich stärken. Seit 2005 wurden 71 so genannte Wachstumspole quer durch die verschiedenen Industriesektoren und verteilt über das ganze Land entwickelt. In diesen Clustern vernetzen sich Start-ups, Mittelständler und internationale Konzerne mit Forschungseinrichtungen der Universitäten und privaten Instituten.

Ein übergeordneter Zusammenschluss ist die Plattform Mécafuture, die sechs Exzellenz- und ein Forschungscluster vereint, die sich mit Maschinenbau, Produktionsverfahren und neuen Werkstoffen beschäftigen. Über 1000 Unternehmen, darunter 772 kleine und mittelständische Betriebe, gehören zu den Clustern. Deren laufende Forschungs- und Entwicklungsprojekte stellen nach eigenen Angaben ein Budget von knapp 1,2 Mrd. € dar.

Auf der Hannover Messe veranstaltet die Mecafuture u. a. zwei deutsch-französische Workshops zu den Themen „Robotisierte Verfahren“ und „Neue Werkstoffe und Verfahren für den Transportbereich“. „Unser Ziel ist, neue Entwicklungspartner für unsere Projekte zu gewinnen“, erklärt Philippe Bertrand, der im Cluster Via Méca für F+E und internationale Entwicklung verantwortlich ist.

Ein weiterer Schwerpunkt der französischen Messebeteiligung liegt auf erneuerbaren Energien. Denn im Land, das seinen Energiehunger bisher vor allem mittels Kernkraft stillt, soll der Anteil der grünen Energie an der Stromerzeugung bis 2020 von jetzt 10 % auf 23 % steigen.

Der wichtigste Pfeiler im grünen Stromkonzept ist die Windkraft, deren Kapazität laut dem Umweltgesetz bis 2020 auf 25 000 MW ansteigen soll, davon 6000 MW aus Offshore-anlagen. Die privaten Investitionen werden auf 20 Mrd. € bis 30 Mrd. € geschätzt. Die angeschlossene Windkraftkapazität beträgt aktuell 4250 MW. Das entspricht 1,7 % der gesamten Stromerzeugung. Laut dem Umweltinstitut Ademe könnte der Markt für erneuerbare Energien in Frankreich bereits 2012 einen Umsatz von 24 Mrd. € erreichen.

Auf der Hannover Messe stellen vier französische Exzellenzcluster aus dem Bereich erneuerbare Energien ihre Projekte vor. Mit dabei ist das Start-up McPhy Energy, das sich mit einem zentralen Problem der grünen Energie widmet: der zeitlichen Diskrepanz zwischen Stromerzeugung und -verbrauch.

Eine Lösung ist die Zwischenspeicherung des nicht abgenommenen Stroms in Form von Wasserstoff, der durch Elektrolyse gewonnen wird. Allerdings musste der Wasserstoff bisher mit hohem Energieaufwand verdichtet bzw. verflüssigt werden. „Unsere Wasserstoffspeicher,bestehend aus einer neuartigen nano-strukturierten Magnesiumhydrid/Graphit-Speichermasse, kommen mit einem Druck von 4 bis 10 bar aus“, erklärt Reiner Niethammer, der McPhy in Deutschland vertritt. Damit werde der Vorgang energetisch sinnvoller und sicherer als in den bisher üblichen Hochdruckspeichern.

Zwischen 4 kg und 700 kg Wasserstoff können die modular aufgebauten Anlagen aufnehmen. Auf der Messe hofft das Unternehmen, auch industrielle Partner zu finden, die Wasserstoff z.B. in industriellen Prozessen benötigen.

Saubere Energie spielt auch in ein weiteres großes Messethema hinein – die Entwicklung von Lösungen für die Städte von morgen. Dazu zählt die Fahrzeugplattform Mooville, die das französische Unternehmen Muses in Hannover vorstellt. Die Fahrzeugreihe basiert auf einem Fahrgestell mit vier einzeln elektrisch angetriebenen lenkbaren Rädern.

Je nach Aufbau kann das E-Mobil etwa von Menschen genutzt werden, deren Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Bei den beiden ersten verkauften Modellen handelt es sich um ein Lieferfahrzeug für den Nahverkehr und ein Fahrzeug für das Carsharing.

Weit größer ist die Marktdurchdringung mit Elektrofahrrädern. Das französische Start-up Clean Energy Planet präsentiert in Hannover neuartige Ladestationen. „Unsere Zielgruppen sind Kommunen und örtliche Energieversorger, die Fahrradstationen betreiben“, erklärt Clemens Brettschneider, der den Vertrieb hierzulande vorantreiben soll.

Werden die E-Bikes in die Ladestation geschoben, greifen Kontaktarme an die Vorderradnabe. So werde das Fahrrad gleichzeitig gegen Diebstahl gesichert und aufgeladen, erklärt Brettschneider. Noch sucht das Unternehmen vor allem Pilotpartner, die ihren Fuhrpark auf E-Bikes umstellen möchten. Langfristig ist die autonome Stromversorgung der Ladestationen über Solarpanel geplant. MARTIN VOLMER

  • Martin Volmer

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