Drei Anlagefehler, die es zu vermeiden gilt 03.06.2019, 15:30 Uhr

Fehler bei der Geldanlage: Erkenntnisse aus Depotanalysen

Auch gut informierte Privatanleger sind dazu in der Lage, an der Börse attraktive Ergebnisse zu erzielen. Wichtige Voraussetzung ist dabei allerdings, dass typische Anlagefehler konsequent vermieden werden und eine systematische sowie methodische Geldanlage angestrebt wird.

Frau greift sich vor fallendem Graphen an den Kopf

Foto: panthermedia .net/SIphotography

Es hat sich gezeigt, dass Anleger dazu neigen, bei der Verwaltung ihres Vermögens bestimmte Fehler zu begehen, die sich in unterschiedlicher Form immer wiederholen. Einige der gravierendsten Fehler, die zu einer kontinuierlichen Unterperformance oder sogar zu Vermögensverlusten führen, haben wir für Sie aufgelistet.

1. Verlustpositionen halten statt auflösen

Während kleine Gewinne viel zu schnell mitgenommen werden, wird an schlechten Anlagen, die sich im Minus befinden, oft viel zu lange festgehalten. Das kann enorme Vermögensverluste zur Folge haben. Schließlich bedeutet die Auflösung einer Verlustposition eine Niederlage, die erst dann tatsächlich gewahr wird, wenn die Verluste realisiert und die Chance auf eine Erholung damit vergeben ist. „Bis zur Kapitulation ist die Schlacht noch nicht verloren“, lautet die Parole, die sich nicht nur Feldherren, sondern auch Anleger allzu oft einreden. Die Verluste wachsen deshalb immer weiter an.

Dabei ist zu bedenken, dass eine Position, die sich mit 10 % im Minus befindet, um gut 11 % wieder ansteigen muss, um das Ausgangsniveau zu erreichen. Ist eine Aktie um 20 % gefallen, muss sie schon um 25 % zulegen, damit keine Verluste entstehen und bei einem 50 %-igen Rückgang ist sogar eine Verdopplung erforderlich. Um diesen Zustand zu vermeiden, sollten Anlageentscheidungen bei Wertpapieren, die (deutlicher) in die Verlustzone rutschen, besonders gründlich überprüft und im Zweifel rechtzeitig die Notbremse gezogen werden.

2. Gewinne zu schnell realisieren

Wie bereits oben erwähnt, werden Gewinne oft zu schnell mitgenommen. Insbesondere in unsicheren Zeiten sowie in eher schwachen Börsenphasen neigen viele Anleger deshalb dazu, einmal erzielte Gewinne festzuhalten bzw. zu sichern.

Der einfachste Weg ist hierbei der Verkauf von Aktien- und Anleihepositionen, die sich – wenn auch nur geringfügig – im Plus befinden. Oft werden deshalb schon kleine Gewinne viel zu früh realisiert. Die möglichen Gründe:

  • Ähnlich wie bei einem Lotto- oder Casinogewinn kann die damit verbundene Dopaminausschüttung im Gehirn Glücksgefühle fördern.
  • Gleichzeitig erhält der Anleger die Bestätigung dafür, alles richtig gemacht zu haben.
  • Drittens stellt sich ein Sicherheitsempfinden ein, da das investierte Geld nun ja wieder „geschützt“ auf dem Girokonto liegt. Dabei wird natürlich übersehen, dass die Mittel zur Ertragsgenerierung erneut investiert werden müssen und die vermeintliche Sicherheit damit nur sehr vorübergehend ist.

Anleger sollten sich dieser Zusammenhänge bewusst sein und gut laufende Positionen so lange halten, bis das ursprünglich gesetzte Kursziel bzw. der faire Wert erreicht sind. Dies gilt natürlich nur solange, wie sich die Einschätzung zu dem jeweiligen Titel nicht ins Negative geändert hat.

3. Attraktiven Modethemen aufsitzen

Unterschätzen Sie nie die Gier der Masse. Dies gilt für jegliche Form der Geldanlage – seien es Aktien, Anleihen oder auch Immobilien. Kommen einzelne Titel, ein Sektor, eine Branche oder auch eine ganze Anlageklasse plötzlich in Mode, ist Vorsicht geboten. Denn Anleger sind in der Erwartung weiter steigender Kurse praktisch zu jedem Preis dazu bereit, sich finanziell zu engagieren. Halten Sie unbedingt Abstand bzw. verkaufen Sie (in aller Stille). Die Gier, gepaart mit einer gewissen Euphorie oder der Angst, nicht dabei zu sein und damit „sichere“ Vermögenszuwächse zu verpassen, können leicht zu einer Spekulationsblase führen. Allerdings heißt sie so, weil sie üblicherweise irgendwann platzt oder zumindest die Luft wieder entweicht.

Merken Sie sich: Ist ein Trend in aller Munde, ist es meistens auch schon zu spät, um von diesem Trend am Markt zu profitieren. Darüber hinaus sollte Ihnen klar sein: Den idealen Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg werden Sie leider nie finden.

Porträt von Helge Müller

Helge Müller ist Chief-Investment-Officer der Genève Invest in Luxemburg. Für ingenieur.de schreibt er in regelmäßigen Abständen Kolumnen zur privaten Vermögensverwaltung.

Von Helge Müller, Chief Investment Officer, Genève Invest

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