Mittelstandsfinanzierung 02.09.2011, 12:07 Uhr

Familienstiftungen sichern unternehmerisches Lebenswerk

Über 100 000 mittelständische Unternehmen stehen bis 2014 zur Übergabe an die nächste Generation an. Doch was, wenn es keine Kinder gibt, die Nachfahren die Firma gar nicht führen wollen oder zerstritten sind? Die Errichtung einer Stiftung kann helfen, das unternehmerische Lebenswerk – und die Liquidität – zu sichern.

Bekannte Namen finden sich unter den unternehmensverbundenen Stiftungen: Robert Bosch, Else Kröner-Fresenius oder Bertelsmann. Einer Diplomarbeit zufolge, die in diesen Tagen veröffentlicht wird, werden immerhin zehn der 100 größten Konzerne in Deutschland von Stiftungen getragen.

Doch die prominenten Beispiele sind bei weitem nicht die Regel. Von den über 18 000 Stiftungen in Deutschland seien wohl nur 5 % dazu errichtet worden, die Familie oder einen anderen abgegrenzten Personenkreis zu unterstützen, schätzt man beim Deutschen Stiftungs Zentrum (DZ).

Ausnahmemodell Familienstiftung

„Die Familienstiftung als Nachfolgelösung ist in Deutschland ganz klar das Ausnahmemodell. In den USA gibt es viel mehr solcher Trustlösungen“, weiß Tom Rüsen, Leiter des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU). „In Deutschland fühlt man sich mehr der Familientradition verpflichtet. Das klassische Denken hier ist: Nur operative Nachfolge ist echte Nachfolge“, versucht sich Rüsen an einer Erklärung. „Der erfolgreiche Generationswechsel in dieser Form gilt als Wert an sich.“

Kaum ein Thema wird dem Wittener Wissenschaftler zufolge in Unternehmerkreisen so kontrovers diskutiert wie die Familienstiftung. Für die Gegner dieses Nachfolgemodells gleiche die unumkehrbare Übertragung der Anteile an eine „unsterbliche“ juristische Person dem unternehmerischen Offenbarungseid, dem Eingeständnis, dass aus der Familie niemand die nötigen Führungseigenschaften besitzt.

Die Befürworter argumentierten, die Stiftung biete viele Vorteile. Erb- oder andere familiäre Streitigkeiten würden so vom Unternehmen ferngehalten, feindliche Übernahmen verhindert und die Erbschaftsteuer minimiert. Ist die Firma einmal in eine Stiftung eingebracht, kann sie auch nicht auf immer mehr Erben aufgeteilt werden.

Zudem kann die Stiftung den Namen und die Wertvorstellungen ihres Gründers bewahren. So werde ein pazifistischer Unternehmer z. B. in der Stiftungssatzung festlegen, dass seine Firma keine waffenfähigen Produkte herstellen darf, nennt Tom Rüsen als Beispiel.

In Praxis gründen Unternehmer zwei Stiftungen

Weil sich Branchen und Technologien weiterentwickeln, empfiehlt Rüsen, den Stiftungszweck jedoch nicht zu eng zu fassen. „In konsolidierenden Branchen wäre es etwa nicht sinnvoll, wenn die Stiftungssatzung Fusionen verbieten würde“, erklärt der WIFU-Leiter. Entsprechend viel Zeit sollten sich angehende Stiftungsgründer nehmen und externen Rat einholen.

Doch die Stiftungslösung regelt nur die Nachfolge auf der Ebene der Eigentümer. „Die Nähe der Familie zur Firma kann dadurch etwas verloren gehen“, gibt Rüsen zu bedenken. Und auch wenn das Konfliktpotenzial innerhalb der Familie oder Erbengemeinschaft gemindert ist, kann im Verhältnis zwischen der Stiftung und dem Management des Unternehmens ein neues Spannungsfeld entstehen. „Wichtig ist eine professionelle Stiftungsstruktur. In den Vorstand bzw. den Beirat sollten auch externe Fachleute berufen werden. Dadurch treten Familienfaktoren in den Hintergrund“, rät Rüsen. Privatnützige Stiftungen werden steuerlich nicht besser gestellt als natürliche Personen. In der Praxis wird der Unternehmer daher in der Regel zwei rechtsfähige Stiftungen gründen: eine Familienstiftung und eine gemeinnützige Stiftung.

Der Vorteil dieser Konstruktion: In die gemeinnützige Stiftung kann der Unternehmer den Großteil der Firmenanteile geben und dabei die hohen steuerlichen Freibeträge nutzen. Wird eine gemeinnützige Stiftung im Todesfall eines Stifters als Erbin eingesetzt, fällt gar keine Erbschaftsteuer an. Bei der Übertragung von Immobilien auf die Stiftung entfällt zudem die Grunderwerbsteuer. Auf diese Weise kann also auch die Liquidität des Unternehmens geschont werden. Die Stimmrechte können unabhängig von ihrer Beteiligungsquote auf die beiden Stiftungen verteilt werden.

Die Gründung einer Familienstiftung dauert oft mehrere Jahre

Oft würden sogar noch das Gewinnbezugsrecht und das Entscheidungsrecht weiter aufgeteilt. Rüsen: „So kann die Familienstiftung z. B. nur 5 % der Anteile erhalten, aber dennoch 60 % des Gewinns.“ Eine erste Privatstiftung dient dann etwa dazu, einen Ausbildungsfonds für die Nachkommen des Stifters zu füttern. Einer zweiten Stiftung würden die Entscheidungsrechte im Unternehmen übertragen. In einem solchen Fall wäre die dritte Stiftung in jedem Fall gemeinnützig und erhielte den Löwenanteil der Eigentumsrechte.

Um den Einfluss der Familie zu sichern, kann der Gründer festlegen, dass z. B. immer ein leiblicher Nachfahre dem Stiftungsvorstand oder dem Kuratorium angehören muss.

Klingt kompliziert – und ist es auch. Oft dauert der Prozess von der Idee bis zur Errichtung der Stiftung deshalb mehrere Jahre.

Neben juristischer und steuerlicher Beratung ist es extrem wichtig, die Familie frühzeitig in die Pläne einzubeziehen. Denn ohne das schriftliche Einverständnis der Erben ist der Weg zur Nachfolgelösung via Stiftung verbaut.

 

 

  • Martin Volmer

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