Kreditwirtschaft 09.07.1999, 17:22 Uhr

Extravaganz für die Brieftasche

Die neue Extravaganz mißt knapp 46 Quadratzentimeter und paßt in jede gut gefüllte Brieftasche. Mit Luxus-Kreditkarten suchen die Großen der Branche den Weg in die Herzen und Börsen der Bestbetuchten.

Mit der neuen „Visa Infinite“ habe der Kunde ungeahnte Möglichkeiten, „die es mit allen bisherigen Kreditkarten nicht gab“, schwärmt Visa-Sprecher Christian Groß. Auch die Mitbewerber Eurocard/Mastercard und American Express (Amex) wollen Gut- und Bestbetuchte mit Serviceleistungen der Extraklasse ködern. Motto: Nicht der Kunde wählt das Plastikteil, sondern der Kartenherausgeber versieht die potentesten Mandanten mit der S-Klasse unter den Kreditkarten.
Hinter den Kulissen findet ein hektisches Gerangel statt, wer als erster sein Edelkärtchen auf den Markt bringt: Amex die Centurion, Eurocard/Mastercard die World Signia oder Visa die Infinite. Gemeinsam ist ihnen ein Mindesteinkommen des Karteninhabers von rund 200 000 DM im Jahr. Dafür ist dann das Kreditlimit, jedenfalls bei American Express, „unbegrenzt“.
Vor allem die Amex fällt durch eine aggressive Werbung auf, die aus den USA abgekupfert ist. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verfügen viele Bürger über zehn Plastikkarten und mehr, und die Zeitung „USA Today“ wußte jetzt zu berichten, daß auch ein Hund ein Kreditkartenangebot erhalten habe. Tatsache ist auch, daß sich die Zahl der persönlichen Konkurse gegenüber 1980 verfünffacht hat. Schuldenmacherei via Plastikgeld hat daran einen entscheidenden Anteil.
American Express setzt voll auf „Benefit“, erklärt sein Sprecher Götz Lachmann. Der exklusiven Schar von „sehr guten Kunden“ will man einen Service rund um die Uhr bieten – an Werk-, Sonn- und Feiertagen. Dazu zählen der freie Tisch in einem überfüllten Nobelrestaurant, das Ticket für einen bereits ausgebuchten Flug und „Megaschnäppchen“ rund um den Globus.
Während die Plastikausweise von Visa oder Eurocard ausschließlich über Banken und Sparkassen oder deren Kooperationspartner ausgegeben werden, ist Amex selbst eine Kreditorganisation. Sie setzt auf ihr exklusives Image. Der Durchschnittsbeleg liege bei Tankstellen um 10 DM bis 12 DM über denen der Konkurrenz, was wohl als dezenter Hinweis auf die PS-Stärken der Amex-Nutzer verstanden werden darf. Im Handel sei die durchschnittliche Kartenzahlung sogar doppelt bis dreimal so hoch wie bei den Mitbewerbern. Dafür langt American Express seinen Partnern am tiefsten in die Tasche: Nach einer Untersuchung des Eurohandelsinstituts (Köln) liegen die Provisionssätze für große Handelsunternehmen zwischen 2,32 % bei Visa und 3,04 % bei American Express (Mittelwerte).
Um in den Genuß einer Amex-Karte zu kommen, muß man ausgiebig Auskünfte erteilen und bereit sein, sich finanziell durchleuchten zu lassen. Auf dem Antragsformular für die American Express Card, die schlichteste Karte im Angebot, gilt es, sein Kreuzchen hinter die Vorgaben 45 000 DM, 60 000 DM, 80 000 DM oder 100 000 DM Bruttojahreseinkommen zu setzen. Im Kleingedruckten heißt es zudem, daß der Antragsteller die Amex ermächtigt, Kreditwürdigkeitsprüfungen durch die Schufa „und andere“ Auskunfteien durchführen zu lassen. Außerdem läßt sie sich unterschreiben, daß sie „Daten über Sie oder Ihr Kartenkonto“ an die Amex-Gruppe weltweit übermitteln darf.
46 verschiedene Kreditkarten hat die „Stiftung Warentest“ kürzlich unter die Lupe genommen – alle gehen sie auf die vier Systeme Eurocard/Mastercard und Visa beziehungsweise Diners und American Express zurück. Alle Systeme kennen mehrere Stufen, wobei die Gold- oder Premium-Karten oftmals mit (teils überflüssigen) Zusatzversicherungen ausgestattet sind. Groß sind auch die Unterschiede bei den Gebühren für Barabhebungen an Geldautomaten. Lediglich die Allgemeine Deutsche Direktbank belastet das Girokonto nur mit dem effektiv abgehobenen Betrag. Zahlreiche Anbieter werben mit Guthabenzinsen, die aber oft nur bei astronomisch hohen Einlagen gezahlt werden.
Kreditkarten ohne Zusatzleistungen werden von einigen Banken ohne Gebühr vergeben. Die gehobenen Ausführungen kosten bis zu 200 DM im Jahr. Über den Preis für die neuen Luxuskarten ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ein Eurocard-Sprecher läßt jedoch durchblicken, daß die Jahresgebühr einen Tausender betragen könnte. Es sei aber möglich, daß sie besonders guten Kunden von der Bank „kostenlos verliehen wird“. (Ein ausführlicher Kartenvergleich findet sich auch auf der Website www.focus.de unter Finanzen/Banken & Gebühren.)
Von den in Deutschland rund 15 Mio. ausgegebenen Kreditkarten tragen 8,3 Mio. das Eurocard/Mastercard- und 5,4 Mio. das Visa-Symbol. Das Amex- oder das Diners-Zeichen findet sich auf 1,5 Mio. Kärtchen, wobei diese Zahl geschätzt ist. Akzeptiert werden Amex- und die Diners-Karten von rund vier Mio., Eurocard/Mastercard und Visa von rund 14 Mio. Vertragspartnern rund um den Globus.
MATTHIAS DOHMEN
Man zeigt, was man hat. Am besten geht das mit einer der neuen Luxus-Kreditkarten. Die wird auch bei Reisen auf dem Traumschiff sicher gern genommen.

Von Matthias Dohmen
Von Matthias Dohmen

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