Finanzprodukte 21.09.2012, 11:52 Uhr

EU-Richtlinie MiFiD stärkt Honorarberatung

Nur durch Transparenz in der Anlageberatung lässt sich Vertrauen zurückgewinnen. Die Neujustierung der EU-Richtlinie MiFiD sorgt für steigendes Interesse an der Honorarberatung. Doch flächendeckend wird sie sich erst durchsetzen, wenn Kunden diese Leistung aktiv nachfragen und das Berufsbild des Honorarberaters gesetzlich geregelt ist. Noch herrschen Provisionsberatungen vor.

Neue EU-Richtlinie soll Honorarberatung stärken.

Neue EU-Richtlinie soll Honorarberatung stärken.

Foto: EU-Kommission

Nach der Lehman-Pleite, Nachrichten über spektakuläre Falschberatungen und dem Imageschaden durch die Finanzkrise misstrauen viele Anleger ihren Bankberatern. Sie fürchten, diese ließen sich bei ihren Empfehlungen eher von hohen Provisionen für ein bestimmtes Produkt leiten als eine für den Kunden geeignete Lösung zu finden. „Aufgrund des Vertrauensverlustes gegenüber den Banken spüren wir eine höhere Nachfrage nach unabhängiger Vermögensverwaltung“, bestätigt Günter T. Schlösser, Vorstandschef des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter.

Diese lassen sich – statt Provisionen von den Herausgebern von Wertpapieren für verkaufte Produkte zu kassieren – ihre Beratungsleistung vom Kunden bezahlen, etwa über ein vorher festgelegtes Honorarmodell. Das Problem ist nur: Studien zufolge sind die meisten Geldanleger nicht bereit oder in der Lage, Stundensätze zwischen 150 € und 200 € für eine Honorarberatung zu zahlen.

Trotz EU-Richtlinie MiFiD muss das Provisionsmodell weiter bestehen

„Gerade diese Bevölkerungsschichten sind es aber, die mit Blick auf ihre Altersvorsorge oder Risikoabsicherung dringenden Beratungsbedarf haben“, sagt Herbert Jütten, Geschäftsführer Finanzmärkte des Bankenverbands. Das Provisionsmodell müsse es daher weiterhin geben.

Die Diskussion um die Vergütung der Geldanlageberater gewinnt an Fahrt, seitdem die Europäische Union ihre Finanzmarkt-Richtlinie „Markets in Financial Instruments Directive“ (MiFiD) überarbeitet. Sie enthält unter anderem Vorgaben für die korrekte Beratung und Aufklärung von Anlegern beim Kauf von Wertpapieren.

EU-Kommission legt Vorschlag zu MiFiD II vor

Im vergangenen Herbst hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur MiFiD II vorgelegt. Dieser wird bis 2013 im Europaparlament und im EU-Finanzministerrat beraten, bevor das EU-Parlament die endgültige Fassung genehmigt. Frühestens 2014 soll MiFiD II in nationales Recht umgesetzt werden.

Derzeit ist noch unklar, ob sich dann – wie im Richtlinienentwurf geplant – Berater als abhängig oder unabhängig erklären müssen, wobei unabhängige Berater keine Provisionen annehmen dürfen. Falls doch, müssen sie diese an ihre Kunden weiterreichen. Oder ob es für die nötige Transparenz ausreicht, wenn Berater vor Abschluss eines Geschäfts angeben, ob und in welcher Höhe sie Provisionen kassieren. So sieht es ein Vorschlag in der Stellungnahme des EU-Parlaments vor.

Auch wenn um Details noch gerungen wird, schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Honorarberatung gegenüber der Provisionsberatung gestärkt wird. Parallel dazu gilt in Großbritannien und den Niederlanden ab 2013 ein Provisionsverbot. Auch Finnland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Litauen und die Schweiz erwägen ähnliche Schritte.

„Von Mifid II profitieren die bankenunabhängigen Honorarberater und Vermögensverwalter“

„Von Mifid II profitieren die bankenunabhängigen Honorarberater und Vermögensverwalter. Ihre Zahl wird zunehmen“, prognostiziert Inge Schäfer-Schmidbauer, Geschäftsführende Gesellschafterin von Schäfer Regensburger Vermögensmanagement, einem Vermögensverwalter mit Sitz in Münster und Berg am Starnberger See. „Dazu muss der Kunde diese Leistung allerdings auch einfordern“, fügt sie hinzu.

„Mit Blick auf Mifid II überlegen auch Banken und Finanzdienstleister, ob sie verstärkt Honorarberatung für Retailkunden anbieten. Bevor der gesetzliche Rahmen aber nicht mehr Konturen angenommen hat, wird sich niemand festlegen“, sagt Jütten vom Bankenverband.

Einige Experten fordern, in Deutschland im Vorgriff auf MiFiD II das Berufsbild des Honorarberaters zu regulieren. Denn derzeit fehlen Standards. „Dann muss es auch für jedes Provisionsprodukt ein Nettoprodukt geben, und zwar wegen der Vergleichbarkeit nach einheitlichen Kriterien“, fordert Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand bei AfW – Bundesverband Finanzdienstleistungen.

Isolde Regensburger von Schäfer Regensburger weist allerdings auf praktische Schwierigkeiten hin. So sei es beispielsweise nicht leicht, Depotbanken zu finden, die Bestandsprovisionen für jeden einzelnen Kunden überhaupt ausweisen können. Bestandsprovisionen nennt man die jährliche Vergütung, die der Vermittler von Fonds von der Investmentgesellschaft erhält. „Dieser Nachweis ist immer noch nicht selbstverständlich. Wir brauchen diese Angabe aber, um die Provision weiterreichen zu können“, sagt sie.

Unabhängig von MiFiD: Kein Beratungsmodell ist frei von Interessenkonflikten

Aber egal, ob Honorar- oder Provisionsberatung – Anleger müssen wissen, dass keines der beiden Modelle frei von Interessenkonflikten ist. Provisionsberater sind versucht, Produkte vor allem wegen ihrer hohen Provisionen statt ihrer Eignung für den Kunden zu empfehlen. Honorarberater haben hingegen den Anreiz, länger als nötig zu beraten, um höhere Einnahmen zu erzielen. Wer nach Depotvolumen abrechnet, könnte zudem versucht sein, zu höheren Investitionen zu raten und mehr Zeit für wohlhabende Kunden aufzuwenden.

Um eine qualitativ hochwertige Beratung zu bekommen, rät Eckhard Benner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Anlegern, sich gut vorzubreiten, in den Verkaufsgesprächen intensiv nachzufragen, selbst zu protokollieren, sich das Beratungsprotokoll aushändigen und die Angebote vor dem Kauf gegenprüfen zu lassen. Von Vorteil sei außerdem, wenn der Honorarberater seine Qualifikation durch einen Abschluss als Bankkaufmann oder ein IHK-Zertifikat nachweise und in Berufsverbänden organisiert sei, fügt Wirth hinzu. Qualitätsmerkmal für einen unabhängigen Vermögensverwalter ist laut Schäfer-Schmidbauer Zulassung und fortlaufende Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.  

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Landratsamt Bodenseekreis-Firmenlogo
Landratsamt Bodenseekreis Technische Sachbearbeitung (m/w/d) Schwerpunkt Tankstellen, Schreinereien, Chemiebetriebe und Großhandel Friedrichshafen
Landratsamt Bodenseekreis-Firmenlogo
Landratsamt Bodenseekreis Technische Sachbearbeitung (m/w/d) Schwerpunkt Maschinen-, Fahrzeug- und Fahrzeugteilebau Friedrichshafen
BORSIG ZM Compression GmbH-Firmenlogo
BORSIG ZM Compression GmbH Kaufmännischer Leiter (m/w/d) Meerane
über JSP Personalberatung GmbH Executive Search-Firmenlogo
über JSP Personalberatung GmbH Executive Search Betriebsleiter / Site Manager (w/m/d) Thüringen
Landkreis Landsberg am Lech-Firmenlogo
Landkreis Landsberg am Lech Diplom-Ingenieur/in (FH) / Bachelor (m/w/d) in der Fachrichtung Architektur / Bauingenieurwesen für die Technische Bauverwaltung Landsberg am Lech
The Walt Disney Company-Firmenlogo
The Walt Disney Company Sourcing Specialist (f/m/d) Papenburg
Pechtl Unternehmensentwicklung-Firmenlogo
Pechtl Unternehmensentwicklung Geschäftsführer (m/w/d) München
Metabowerke GmbH-Firmenlogo
Metabowerke GmbH Patentingenieur (m/w/d) Nürtingen
Autobahndirektion Südbayern-Firmenlogo
Autobahndirektion Südbayern Elektroingenieur (m/w/d)* im Tunnelmanagement München
Universität Hohenheim-Firmenlogo
Universität Hohenheim Energiemanager (m/w/d) Stuttgart-Hohenheim

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Finanzen

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.