Geldanlage 12.01.2007, 19:26 Uhr

Eine zielsichere Investition  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 1. 07, sta – Seit der Bronzezeit blieben viele Metallwaffen erhalten. Einige erzielen heute Spitzenpreise – sofern ihre Geschichte dokumentiert ist.

Vergangenes Jahr im Mai strömten tausende Besucher zur Internationalen Waffenbörse (IWB) in Stuttgart. Denn nicht nur hochmoderne Jagd- und Sportgewehre lassen das Herz von Waffenliebhabern höher schlagen. Auch antike Büchsen und Schrotschleudern erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Hat sich ein Sammler einmal in ein bestimmtes Stück verguckt, ist er durchaus bereit, über 100 000 € dafür zu zahlen.

„Über den Wert entscheiden drei Dinge“, sagt Matthias Pfaffenbichler, stellvertretender Direktor der Sammlung Hofjagd- und Rüstkammer im Kunsthistorischen Museum in Wien. „Rarität, erstklassige Qualität und vor allem die Geschichte.“ Sammler müssten genau nachvollziehen können, woher die Waffen stammen. Ein nicht richtig dokumentiertes Stück, ob aus dem Mittelalter oder der Neuzeit, sei kaum was wert.

Antike Waffen der obersten Preisklasse würden auch weiterhin eine Wertsteigerung erfahren: „Solche Waffen sind eine sichere Investition“, versichert der Waffenkenner. Das kann ein sehr seltenes Schwert aus dem 14. Jahrhundert sein, ein Degen von Zar Alexander I. oder ein mit Gold und Elfenbein verziertes Gewehr. Günstige Waffen unterlägen dagegen stärkeren Preisschwankungen und seien als Anlageform eher wenig geeignet.

Das kann auch Waffenhändler Richard Bauer bestätigen. Sein Unternehmen Arsenal in Wernau am Neckar besitzt ein sehr breit gefächertes Angebot an Waffen aus verschiedenen Epochen. „Anders als zum Beispiel Orientteppiche, die in den Achtzigerjahren einen unheimlichen Nachfrageboom erlebten und sich heute weitaus geringerer Beliebtheit erfreuen, sind Waffen keine Trenderscheinung.“ Es gebe immer Leute, die mit solchen seltenen Kunststücken ihre Hausbar oder ihren Billardraum schmücken. Heute wie damals würden Blank- und Schusswaffen als ein Statussymbol gesehen. Auch Frauen entwickelten zunehmend eine Sammlerleidenschaft für Degen, Dolche und dergleichen.

Fanatische Sammler können die Preise in die Höhe treiben. „Wenn zwei Leute auf Teufel komm raus dasselbe Stück haben wollen, um ihre Sammlung zu vervollständigen, dann sind sie bereit, völlig überzogene Preise in Kauf zu nehmen“, so Bauer. „In den späten Achtzigern hat ein preußischer Offiziersdegen mit Scheide noch rund 3000 DM gekostet. Heute wechseln solche Stücke für bis zu 15 000 € den Besitzer. Oder ein Zündnadelgewehr, das vor zwei Jahren niemand haben wollte, ging in diesem Jahr für 7000 € weg.“ Bauer warnt jedoch davor, solche Sprünge zu verallgemeinern. Sehr gute Fachkenntnisse seien beim Kauf unbedingt erforderlich.

Großer Beliebtheit erfreuen sich zurzeit Waffen aus einigen osteuropäischen Ländern – unabhängig davon, aus welcher Epoche sie stammen. Der Markt ist noch jung. Mit dem Fall des Kommunismus vor 15 Jahren haben Interessenten aus anderen Ländern erst die Möglichkeit bekommen, sich dort umzusehen. Auf der anderen Seite wurden nach dem Einzug des Kapitalismus in die osteuropäischen Länder neue einheimische Käuferschichten erschlossen. „Immer mehr Russen und Polen kaufen Waffen, um ihre eigene Geschichte in Form eines Gewehres oder Schwertes festzuhalten“, sagt Matthias Pfaffenbichler vom Kunsthistorischen Museum in Wien. Das gleiche kann man auch in Indien und in islamischen Ländern beobachten: „Der Markt für Waffen wird breiter, neue Interessenten stoßen auf den Markt. Demzufolge steigen auch die Preise.“

Antike Waffen sind nicht immer bloß Dokumente aus vergangenen Zeiten. Gewehre aus dem Hause James Purdey & Sons in London werden seit 1814 von Generation zu Generation als Jagdwaffen weitergereicht. Sie gehören zu den besten ihrer Art. Das Auktionshaus Sotheby“s in London schätzt zum Beispiel das Sportwaffenpaar „Gleneagles Modern and Vintage“ aus dem Jahre 1885 auf 50 000 £ bis 70 000 £. Ähnliche Preise erreichen aber auch neue Stücke. Nach Angaben aus dem Haus Purdey müssen sich Jäger und Sportschützen je nach ihren persönlichen Wünschen bis zu zwei Jahren gedulden, um solch ein Original kaufen zu können. Pro Jahr werden nur 700 Exemplare hergestellt. Für die Fertigung braucht ein Angestellter trotz modernster Computerunterstützung rund 700 Stunden – pro Stück. SOFIA PANKRATZ

Von Sofia Pankratz
Von Sofia Pankratz

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