Altersversorgung 23.05.2008, 19:35 Uhr

Ein gemeinsames Rentensystem für alle Erwerbstätigen  

VDI nachrichten, Aachen, 23. 5. 08, has – Eine Rentenversicherung, in die alle Erwerbstätigen einzahlen müssen, gleich ob sie im öffentlichen Dienst oder in der Privatwirtschaft beschäftigt sind, kennzeichnet die Alterssicherung in der Schweiz. Da es keine Beitragsbemessungsgrenze gibt und die öffentliche Hand kräftig zuschießt, ist die Umverteilung in der staatlichen Rente groß.

Das Rentensystem der Schweiz besteht aus drei Säulen: Die staatliche Säule ist die Alters- und Hinterlassenenvorsorge (AHV), die nach dem Umlageverfahren aufgebaut ist. Ergänzt wird sie durch die private Berufliche Vorsorge (BV), die nach dem Kapitaldeckungsverfahren arbeitet. Sowohl AHV wie auch BV sind Pflichtversicherungen für Arbeitnehmer. Die Beiträge werden je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber entrichtet (siehe große Tabelle). Für Selbständige ist die Mitgliedschaft in der AHV Pflicht, die in in der BV ist freiwillig. Die dritte Säule ist die private Vorsorge, die Beiträge dafür sind zum Teil steuerbegünstigt und müssen von den Versicherten allein aufgebracht werden.

Unmittelbar an die AHV angebunden sind die Invalidenversicherung (IV) und die Erwerbersatzordnung (EO), die den Verdienstausfall von Militär- oder Zivildienstleistenden kompensiert und Frauen im Mutterschutz versichert.

Die Höhe der AHV-Renten richtet sich nach der Höhe der Beiträge und nach der Dauer der Einzahlung, so das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in Bern.

Die Hauptrente aus der AHV, die von Männern ab 65 und Frauen ab 64 Jahren bezogen werden kann, liegt zwischen 1105 sFr (679 €) und 2210 sFr (1358 €) im Monat. Das sind die gesetzlich festgelegten Minimal- und Maximalrenten. Haben beide Ehegatten Anspruch auf eine Rente, liegt die maximale Höhe bei 3315 sFr (2037 €) im Monat. Witwenrenten liegen zwischen 884 sFr (543 €)und 1768 sFr (1068 €) im Monat. Hinzu kommen die Renten aus der Beruflichen Vorsorge und der freiwilligen privaten Vorsorge, so dass die Altersversorgung auch für durchschnittliche Rentner auf 40 000 sFr (24 588 €) im Jahr steigen kann. Renten aus der AHV und der BV werden grundsätzlich bis zum Tod gezahlt und müssen versteuert werden. Dafür bleiben die Beiträge steuerfrei.

Eine Mindestrente gibt es nicht. Reichen die Rentenzahlungen aus der AHV/IV nicht zur Abdeckung des Existenzminimums, können sogenannte Ergänzungsleistungen beantragt werden, die bedarfsabhängig sind.

Im Unterschied zu Deutschland unterliegen in der Schweiz alle Erwerbseinkommen der Beitragspflicht in der AHV/IV. Das heißt: Arbeiter, Angestellte – auch Spitzenmanager – und Selbständige, für die ein reduzierter Satz gilt, müssen Beiträge entrichten. Auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes müssen in die AHV/IV einzahlen – auch schon, bevor der Beamtenstatus beim Bund vor Jahren abgeschafft wurde und auch die meisten Kantone diesen Status aufgehoben hatten.

Von den rund 7,5 Mio. Einwohnern der Alpenrepublik waren 2006 (neuere Zahlen liegen nicht vor) 59 %, das waren 4,4 Mio., erwerbstätig und damit beitragspflichtig. Zum Vergleich: In Deutschland sind von 82 Mio. Einwohnern derzeit rund 40 Mio. erwerbstätig, von denen aber nicht alle Beiträge zahlen. Ende 2005 gab es nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund 34 Mio. aktive Beitragszahler.

Auch gibt es in der Schweiz keine Beitragsbemessungsgrenze. Das heißt: Die Erwerbseinkommen unterliegen komplett der Versicherungspflicht. Das führt zu einer starken Umverteilung. Umverteilt wird zudem über die Beiträge, die von der öffentlichen Hand (Bund und Kantone) an die AHV/IV fließen (siehe Kasten).

In der Schweiz gibt es, ähnlich wie in Deutschland mit seinen Flächentarifverträgen, sogenannte Gesamtarbeitsverträge (GAV) für Branchen oder Berufe. Darin werden Arbeitsbedingungen und Mindestlöhne vereinbart. Diese GAV sorgen für einen stetigen Beitragszufluss in die Rentenkassen. Gestärkt wird das Rentensystem zudem durch die niedrige Arbeitslosigkeit: Sie ist im vergangenen Jahr auf unter 4 % gesunken. HERBERT J. JOKA/HAS

  • Hartmut Steiger

  • Herbert J. Joka

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