Altersversorgung 19.03.2004, 18:29 Uhr

Die Zukunft ist nicht mehr sorgenfrei

Nachhaltigkeits- faktor, komplette Finanzierung der Pflegeversicherung und Wegfall des Akademiker-Bonus führen unter anderem zu sinkenden Ruhestandsgehältern. Ob es gelingen wird, auf Dauer eine Mindestrente zu garantieren, ist mehr als fraglich.

Der Bundestag hat in der vergangenen Woche eine erneute Reform bei den Renten beschlossen. Auch wenn den Beitragszahlern in die gesetzliche Rentenversicherung mit der Reform keine Ruhestandsgehälter in Euro und Cent garantiert werden, so bringt die Reform doch eine Gewissheit: Die Renten werden – gemessen an den Einkommen – sinken. Die Verzinsung der eingezahlten Beiträge geht zurück.
– Die Rentenrendite – also das Verhältnis von eingezahlten Beiträgen zu ausgezahlten Renten – verschlechtert sich langfristig um einen Prozentpunkt, hat die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) errechnet. Bis 2030 sinkt sie für Frauen und verheiratete Männer von derzeit 5 % auf 3,6 %, für ledige Männer von gut 4 % auf 3 %. Damit sinkt im Verhältnis zu Löhnen und Gehältern die Höhe der ausgezahlten Durchschnitts-Renten.
– Die Durchschnittsrente lag nach Angaben des Bundessozialministeriums 2002 in Westdeutschland bei 683 € und in Ostdeutschland bei 804 € (der höhere Verdienst der Ost-Rentner ist Folge der längeren Berufstätigkeit und damit der besseren Renten der Frauen in der früheren DDR). Damit unterschritt die Durchschnittsrente den rechnerischen Wert, der für den so genannten Eckrentner angegeben wird.
– Dieser „Eckrentner“ verkörpert einen Mittelwert: Er hat bei Eintritt in den Ruhestand 45 Jahre lang den Durchschnitt der gesamten deutschen Bevölkerung verdient. Aktuell liegt seine Standardrente bei 1167 € im Monat, nach der Rentenreform würde sie bis 2030 nach Berechnungen der IG Metall auf 979 € sinken. Ein Grund für den Rückgang ist der Nachhaltigkeitsfaktor, der in der vergangenen Woche beschlossen wurde.
– Dieser Nachhaltigkeitsfaktor berücksichtigt, dass sich das Verhältnis der Beitragszahler zu Ruheständlern von 4,13 je Rentner im Jahr 2000 auf 2,20 je Rentner im Jahr 2030 verschlechtern wird. Als Folge sollen die Renten in Zukunft langsamer steigen als Löhne und Gehälter. Bislang gab es bei den Rentenerhöhungen eine Automatik, nach der die Höhe der Ruhestandszahlungen den Löhnen folgten. Damit soll der Beitragssatz zur Rentenversicherung relativ stabil gehalten werden.
– Der Beitragssatz – derzeit 19,5 % bis zur Beitragsbemessungsgrenze – soll bis zum Jahr 2020 auf höchstens 20 % und bis zum Jahr 2030 auf maximal 22 % ansteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Gesetzgeber an weiteren „Stellschrauben“ des Rentenrechts gedreht – beispielsweise bei der Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner.
– Die Krankenversicherung gilt seit Jahresbeginn auch für Betriebsrenten und weitere, neben der gesetzlichen Rente betrieblich erworbene Einkünfte des Ruheständlers – beispielsweise berufsständische Lebensversicherungen. Ab April muss der Rentner zudem die Pflegeversicherung komplett bezahlen. Je 1000 € Rente werden dann 17 € statt bislang 8,50 € Pflegeversicherung fällig. Außerdem sollen die Rentenkassen durch Entfall des so genannten Akademiker-Bonus entlastet werden.
– Als Akademiker-Bonus werden Ausbildungszeiten nach dem 16. Lebensjahr bezeichnet, die bislang die Renten erhöhten, ohne dass in die Kasse eingezahlt werden musste. Dieser Bonus wird stufenweise bis 2008 abgeschafft und macht bis zu 58 € Rente im Monat aus. Trotz der beschlossenen Verschlechterungen will die Regierung ein Mindestrenten-Niveau garantieren.
– Dieses Mindestrenten-Niveau soll von derzeit 53 % auf 46 % im Jahr 2020 und schließlich auf 43 % im Jahr 2030 sinken. Dieser Prozentsatz beschreibt das Verhältnis von ausgezahlter unversteuerter Rente zum durchschnittlichen beitragspflichtigen Bruttoeinkommen des Versicherten nach 45 Berufsjahren. Wurden – wie üblich – weniger Berufsjahre abgeleistet, so kann die Marke von 43 % natürlich unterschritten werden.
Wie das Mindestrenten-Niveau auf Dauer erhalten werden soll, wurde vergangene Woche noch nicht beschlossen. Ein Instrument wären die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und Rentenzahlungen erst ab dem 67. Lebensjahr. Wer früher geht, müsste entsprechende Abschläge bei der Rente – derzeit 3,6 % pro Jahr – in Kauf nehmen. Offen ist auch noch, wie sich die schärfere Besteuerung der Rentenzahlungen auswirken wird. Ab dem kommenden Jahr soll der steuerpflichtige so genannte Ertragsanteil bei den Renten erhöht werden.
Am Montag warnte der BfA-Vorstandsvorsitzende Christian Zahn vor weiteren Leistungseinschnitten bei der Rente. Inzwischen sei ein Punkt erreicht, an dem die Gefahr besteht, dass Versicherte den Eindruck hätten, dass die Rente das Sozialhilfeniveau nicht mehr überschreitet. Zum Ende des Jahres bestehe zudem die Gefahr, dass bei ungünstiger wirtschaftlicher Entwicklung die Rentenkassen leer seien und die Renten aus Krediten der Bundesregierung gezahlt werden müssten.

  • Martin Rothenberg

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