Geldanlage 18.09.2009, 19:43 Uhr

„Die Ur-Währung Gold hat an Glanz gewonnen“  

Der Goldpreis hat zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder die Marke von 1000 $ je Feinunze übersprungen. Geht es weiter aufwärts mit dem oft als Krisenwährung bezeichneten Edelmetall? Fragen an Gold-Spezialist Gunter Eckner, Direktor der LBBW Asset Management in Stuttgart. VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 9. 09, ps

Eckner: Die aktuelle Krise hat sowohl institutionellen als auch privaten Anlegern drastisch vor Augen geführt, wie wichtig Risikostreuung und Kapitalerhalt sind. Das Live-Erlebnis eines veritablen Crashs hat bei vielen eine neue Sensibilität für das Risikomanagement hervorgerufen. In diesem Kontext hat Gold als Anlage eine Renaissance erfahren. Vor allem die aggressiven geld- und fiskalpolitischen Gegenmaßnahmen zur Bewältigung der Krise, die in der Wirtschaftsgeschichte ohne Beispiel sind, verunsichern die Anleger bis ins Mark…

..viele fürchten hohe Inflationsraten. Das hilft dem Gold?

Ja, das massive Ausufern der Staatsschulden und das Beschleunigen der Gelddruckmaschinen der Notenbanken haben letztlich nur ein Ziel: Inflation. Sie ist die eindeutig bessere Alternative zu Deflation oder gar Depression. Vor diesem Hintergrund müssen selbst die bisher als sicherer Hafen geltenden Staatspapiere kritischer gesehen werden. Damit hat die Ur-Währung Gold erheblich an Glanz gewonnen.

Aber profitiert das Gold nicht auch davon, dass die Produktion seit der Jahrtausendwende sinkt?

Ja, besonders der ehemalige Goldproduzent Nr. 1, Südafrika, hat die Produktion bereits seit den 70er- Jahren verstärkt zurückgefahren. Verantwortlich sind die gestiegenen Produktionskosten. Der technische und finanzielle Aufwand und damit die Risiken eines Goldminenprojektes sind enorm gestiegen. Diese rückläufige Tendenz in der Produktion neuen Goldes wird sich wohl fortsetzen.

Nach Angaben des US-Geological Survey lagen die abbaubaren Goldreserven der Erde Ende 2007 bei 42 000 t. Danach würden die Goldreserven noch für gut 17 Jahre reichen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit neuer Funde?

Neben den abbaubaren Reserven bestehen sogenannte Ressourcen. Diese Lagerstätten müssen erst noch erschlossen und überprüft werden, bevor sie als Reserven gelten. Verschiedene Projekte hierzu laufen derzeit beispielsweise in Finnland und Mexiko, weshalb sich die genannten Zahlen im Zeitablauf ändern werden. Generell wird die Suche nach Gold aber immer schwieriger.

China fördert inzwischen mehr Gold als jedes andere Land. Könnte der Goldpreis unter Druck geraten, wenn die Chinesen ihre Produktion noch weiter erhöhen?

Nein, der größte Teil der chinesischen Förderung geht in den Eigenbedarf des Landes. China hat selbst eine steigende Goldnachfrage – neben Schmuck auch Gold als Anlage. Die festgestellten Goldminen-Reserven des Landes lagen bis Juni 2008 bei rund 4600 t, das sind ca. 10 % der weltweit abbaubaren Reserven.

Vor Kurzem haben 19 Notenbanken das Washingtoner Abkommen zur Steuerung ihrer Goldverkäufe verlängert. Was bedeutet das für den Goldpreis?

Dem Markt wird die Gewissheit gegeben, dass die Notenbankverkäufe auch künftig begrenzt bleiben. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen und trägt zum positiven fundamentalen Umfeld für Gold bei. Allerdings haben die Goldverkäufe der Notenbanken zuletzt spürbar abgenommen. Die bislang gültige Obergrenze von 500 t p.a. wurde bereits seit drei Jahren nicht mehr erreicht.

Die chinesische Notenbank verfügt bisher nur über sehr geringe Goldreserven. Wird sich das ändern? Könnte das dem Goldpreis zusätzlichen Schub verleihen?

Die Goldreserven der chinesischen Notenbank betragen 1054 t – das entspricht lediglich 1,6 % der Devisenreserven. Eine Quote von 3 % bis 4 % wird in China als angemessen gesehen. China kauft deshalb Gold, allerdings bis jetzt vor allem auf dem inländischen Markt. Aber das könnte sich in Zukunft ändern.

Der Goldpreis schwankt und bewegt sich derzeit knapp über oder unter der 1000-$-Marke. In welche Richtung geht es in den kommenden Monaten?

Mit dem Ausbruch über die Marke von 980 $ wurde eine Konsolidierung, die im März begonnen hatte, erfolgreich abgeschlossen. Ein Test des bisherigen Hochs bei 1031 $ ist damit sehr wahrscheinlich. Charttechnisch hat der Goldpreis nun eine Reihe von Unterstützungslinien dazu gewonnen, die die Gefahr eines größeren Rückschlags mindern können.

Was raten Sie Kleinanlegern? Wie viel Prozent des Depots sollte in Gold gehalten werden?

Die Frage lässt sich nicht generell beantworten, es hängt vom Risikobewusstsein des jeweiligen Anlegers ab. Wir empfehlen Gold nur als Beimischung zur Risikostreuung – nicht als zentrale Asset-Klasse und Spekulationsvehikel. Wer sich gegen überraschende unkalkulierbare Risiken absichern will oder eine längere Periode hoher Inflationsraten befürchtet, sollte jedenfalls Gold beimischen. Ob man die klassische Faustformel 5 % oder gar mehr in Gold investiert, ist eine individuelle Entscheidung. D.W. HEUMANN

Von D.W. Heumann
Von D.W. Heumann

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