Aktien 19.05.2000, 17:25 Uhr

Die Suche nach dem Schatz im Aktien-Meer

Der frühe Vogel fängt den Wurm – oder studiert lieber Unternehmensdaten und macht Gewinne mit Aktien. Der Handel mit Werten, die noch nicht an der Börse notiert sind, boomt jedenfalls. Über Investments voller Reiz und noch mehr Risiko.

Unter der Dachschräge flimmern drei Fernsehschirme tonlos nebeneinander, an der Wand hängt ein Motorrad-Kalender, daneben historische Wertpapiere hinter Glas und Rahmen. Im Raum schwitzen Klaus Helffenstein und seine Mitarbeiter von der Valora Effekten Handel AG zwischen PC und Telefon. Hier also werden Millionen bewegt? „Wir haben ja keine Laufkundschaft“, erklärt Vorstand Helffenstein, nach eigener Aussage Gründer des „ältesten börsenunabhängigen Wertpapierhandelshauses für deutsche unnotierte Aktien“. Und ja, hier werden Millionen bewegt. Rund 100 Mio. DM Umsatz peilt das Unternehmen aus Ettlingen bei Karlsruhe für dieses Jahr an.
Natürlich profitiert die Valora vom frisch erwachten Börseninteresse der Deutschen. Die Flut von Neuemissionen und die teils enormen Zeichnungsgewinne dabei haben das Interesse der Anleger auch auf den vorbörslichen Handel gelenkt. Wer hier rechtzeitig vor dem Börsengang Aktien eines Unternehmens kaufte, konnte sich später über dicke Kursgewinne freuen. Immer wieder gern genanntes Beispiel: die Senator Film AG. Die Anteile des Berliner Filmproduzenten und -verleihers waren im vorbörslichen Handel anfangs zu 3 Euro zu haben. Zum Börsengang kosteten die Papiere 38 Euro, wenig später schon rund 150 Euro!
Doch nicht jedes Investment ist eine Lizenz zum Gelddrucken. Nicht jede Geschäftsidee setzt sich durch. Und manchmal dauert es Jahre, bis sich ein Unternehmen zum Börsengang entschließt.
Wenn überhaupt. Denn wer A wie Aktie sagt, muss längst nicht automatisch B wie Börse folgen lassen. Von knapp 7000 Aktiengesellschaften in Deutschland sind nämlich nur 1000 an der Börse notiert. Die übrigen sind meist fest in der Hand von Familien oder Investorengruppen. Darunter: die Hotelkette Steigenberger, die Essener Nationalbank, Kaffee Hag. Deren wenige freien Aktien können bei Wertpapierhandelshäusern, wie Valora oder Ahag, erworben oder veräußert werden. Wenn sie denn in Umlauf kommen. „Solche Aktien verkauft man nicht, die vererbt man“, heißt es unter Kennern. Beliebt sind solche Papiere oft schlicht als Eintrittskarte zur Hauptversammlung, bei der die Aktionäre traditionell mit kulinarischen Genüssen oder regionalen Spezialitäten verwöhnt werden. „Ursprünglich haben wir nur diese so genannten Sammleraktien gehandelt“, so der Valora-Chef.
Aber spätestens seit dem Gesetz über die „kleine AG“ von 1994 drängen immer mehr junge, innovative Unternehmen, deren Kapitalbedarf für einen Börsengang zu gering ist, auf den grauen Kapitalmarkt. So sparen sie zunächst die hohen Kosten für einen Börsengang, üben aber schon den professionellen Umgang mit Investoren.
Mit der Nachfrage durch die Unternehmen stieg auch die Zahl der Handelshäuser. Führend sind die Dortmunder Ahag Wertpapierhandel AG und eben Valora, wobei die Angaben zu den Marktanteilen einander widersprechen. Beide Häuser handeln je 150 bis 200 Werte. Für 51 Aktien stellt die BAV, München, die Kurse, die Future Securities Group, Rheda-Wiedenbrück, handelt 30 Werte. Ganz frisch am Markt ist TradeCross, eine Internet-Emissions- und Handelsplattform für Start-up-Unternehmen.
Kaufen und Verkaufen kann jeder Interessent, der sich beim jeweiligen Handelshaus registrieren lässt. Konto und Depot bleiben bei der Hausbank. Pro Transaktion fällt eine Gebühr zwischen 10 Euro und 18 Euro an. Die Kurse, zu denen die Händler ankaufen, liegen in der Regel 10 % unter den Verkaufspreisen. Und: „Die Anleger können zwar meist jederzeit Aktien kaufen, der Verkauf aber kann schwierig werden. Für einige Werte besteht oft wochenlang keine Nachfrage“, gibt Dietmar Schieber vom Deutschen Aktieninstitut zu Bedenken. Risiko: Der Anleger bleibt bei fallenden Kursen auf seinen Aktien sitzen.
Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Werpapierbesitz (DSW) ergänzt: „Diese Investments sind extrem spekulativ, auf keinen Fall für Börsenanfänger geeignet.“ Besonders stören Kurz die Intransparenz bei der Preisfindung und die „zu laschen Risikohinweise“. Außerdem sei es schwer, an Unternehmensinformationen zu kommen.
Bundesweit werden derzeit etwa 300 unnotierte Aktien gehandelt. „Die Firma muss etwas Solides sein, und sie muss interessant sein, die Story ist wichtig“, beschreibt Ahag-Chefhändler Dieter Kracht die Kriterien, nach denen sein Haus die Handelswerte aussucht. Darunter finden sich Software-Häuser, Biotech-Firmen, Maschinenbauer und Franchiseketten.
Die noch nicht gehandelte Sea Explorer AG, Köln, sticht eindeutig heraus. „Schatzsucher-Aktien“ nennt das Unternehmen selbst die Anteile, die es derzeit zum Preis von 5 Euro ausgibt. Der Ingenieur Klaus F. Keppler hat die Firma mit Herbert Linkesch, Herstellungsleiter für Film- und TV-Produktionen, gegründet. Ihr Ziel: die Marktführerschaft im europäischen Bergungsgeschäft. Ihr derzeit spektakulärstes Projekt: die Bergung der Prins Frederic. Der Luxusliner, 1890 in der Biscaya gesunken, soll 400 000 Silberreichstaler an Bord haben.
Von jeglichem Glücksrittertum distanziert sich die Gesellschaft jedoch. So würden immer zeitgleich riskante und weniger riskante Projekte verfolgt. Vorstand Linkesch im Emissionsprospekt: „Die Bergung einer Ladung von 5000 t Kupfer kann lukrativer sein, als eine schwierig zu findende Ladung Goldmünzen.“
Der Satz könnte auch als Fazit für die Aktienanlage stehen: Lieber mehrere Substanzwerte mit ordentlicher Rendite im Depot, als die eine 1000-Prozent-Chance, die nicht aufgeht. MARTIN VOLMER
Die Schatzsucher-Firma Sea Explorer gibt zurzeit Aktien aus, die später auch vorbörslich gehandelt werden sollen.
Wer Aktien von nicht börsennotierten Unternehmen kaufen will, muss sich an ein Wertpapierhandelshaus wenden.

Von Martin Volmer
Von Martin Volmer

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