Immobilien 08.06.2012, 11:00 Uhr

Die richtige Wohnungsgebäudeversicherung finden

Mit der Deregulierung der Brandversicherungspflicht wurde die „Monopolstellung“ einiger weniger Brandkassen abgeschafft. Seitdem steht jeder Hausbesitzer vor der Qual der Wahl: 130 Wohngebäudeversicherer bieten insgesamt rund 270 verschiedene Tarife an.

Wohngebäudeversicherungen sollen Schäden an Häusern durch Feuer, Sturm, Hagel und Leitungswasser wirtschaftlich ausgleichen. Die Angebote der Versicherungen reichen vom Grundschutz bis hin zum Topschutz. Der Kunde muss seine Risiken allerdings richtig einzuschätzen wissen. Nebengebäude, Carports oder andere Grundstücksbestandteile sind beispielsweise in der Wohngebäudeversicherung nur dann abgesichert, wenn sie auch auf dem Versicherungsschein aufgeführt sind.

Große Leistungsunterschiede bei Wohnungsgebäudeversicherungen

Das Analysehaus Franke und Bornberg hat in seinem aktuellen Bedingungsrating zur Wohngebäudeversicherung insgesamt 267 Tarife aus 73 Leistungskategorien untersucht und dabei große Leistungsunterschiede ausgemacht. Nur knapp jeder zehnte Tarif in der Kategorie „Grundschutz“ erhielt eine bessere Note als „befriedigend“. Im „Standardschutz“ waren es fast die Hälfte, im „Topschutz“ rund sechs von zehn Tarifen.

Im Grundschutz versichert sind Feuer, Leitungswasserschäden im Gebäude, Sturm und Hagel sowie der „Anprall von Luftfahrzeugen“.

Vom Standardschutz wird gesprochen, wenn zusätzlich zwei Kriterien erfüllt sind: Es müssen weite Teile aller Kosten übernommen werden, die im Zuge von Aufräumungs- und Abbrucharbeiten anfallen. Außerdem müssen Überspannungsschäden abgedeckt sein – und zwar ohne örtliche Einschränkung des Blitzaufschlags.

Beim Top-Schutz ist der Versicherungsumfang noch größer. So müssen Schäden an allen Ableitungsrohren auf dem Versicherungsgrundstück versichert sein – unabhängig von einem vorliegenden Dichtheitsnachweis. Außerdem müssen Schäden übernommen werden, die an Wasserzuleitungs- und Heizungsrohren auf dem Versicherungsgrundstück auftreten – mit mindestens 5000 €.

Nicht jede Wohnungsgebäudeversicherung deckt Erdreich-Verschmutzungen ab

Diese Klassifikation gibt erste Hinweise darauf, ob eine bestimmte Police für einen Versicherungsnehmer interessant ist. Trotzdem sollte er weiter vergleichen. Auch innerhalb einer Gruppe gibt es große Unterschiede. So sind Schäden durch Fahrzeuganprall oder Kontaminationen des Erdreichs längst nicht durch jeden Vertrag abgesichert.

Nach der Beobachtung von Franke und Bornberg gibt es bei den einzelnen Anbietern auch viele unterschiedliche Regelungen darüber, welche Kosten bei Einschaltung von Sachverständigen übernommen werden – und welche nicht.

Als weiteres Beispiel nennt das Analysehaus die Regelungen zum Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit. Hier sollte man sich nicht auf werbewirksame Aussagen einiger Versicherer verlassen. „Denn der offensiv beworbene Verzicht ist nicht mehr als ein Feigenblatt, wenn dieser beispielsweise nur bis zu einer maximalen Schadenshöhe von 1000 € reicht“, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer der Agentur für Versicherungsanalysen Franke und Bornberg.

Nicht immer ist eine Versicherung, die einen umfassenden Schutz vor allen denkbaren Risiken bietet, für den Hausbesitzer auch die richtige Wahl. Für viele ist ein solider Grundschutz, mit dem die wichtigsten Gefahren abgesichert sind, völlig ausreichend.

Wahl der richtigen Wohnungsebäudeversicherung auch von eigener Mentalität abhängig

Ausschlaggebend für die richtige Wahl ist zum einen die Gebäudeausstattung. Denn eine Photovoltaikanlage auf dem Dach oder ein Nebengebäude auf dem Grundstück müssen nur versichert sein, wenn diese auch vorhanden sind.

Das zweite Kriterium für die richtige Wahl ist die eigene Mentalität. Graffitischäden am Haus sind z. B. immer ärgerlich. Aber während die einen bereit sind, die Beseitigung in Eigenregie zu übernehmen, möchten andere einen Versicherungsschutz, der die Säuberung der Hauswand durch einen Profi bezahlt.

In der Kategorie „Grundschutz“ schnitten die Gesellschaften Bruderhilfe, HUK-Coburg Allgemeine und HUK24 mit einer „sehr guten“ Bewertung am besten ab. Im „Standardschutz“ bekamen acht Anbieter die Höchstnote, in der Kategorie Topschutz waren es fünf Gesellschaften (siehe Tabelle).

Von Ralf E. Geiling/Stefan Asche

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