Geldanlage 20.10.2006, 19:24 Uhr

„Die kalte Hand des Kapitalismus“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 20. 10. 06, ps – Hedgefonds stehen wegen ihrer schwer durchschaubaren Geschäfte unter Beschuss. Zu Recht? Fragen an Jobst Bartmer, Teilnehmer des Kapitalmarktpanels und Leiter des Emissionsgeschäfts bei der LBBW.

Bartmer: Bei Börsengängen versuchen wir natürlich, die Papiere bei langfristigen Investoren, etwa Aktienfonds, zu platzieren. Aber es ist schon spannend zu sehen, was Hedgefonds zu einem Titel sagen. Gerade bei schwierigen Börsengängen können Hedgefonds auch hilfreich sein. Sie steigen bisweilen auch bei relativ hohem Preis ein, weil sie solche Engagements durch andere Positionen besser absichern können als etwa ein reiner Aktienfonds.

VDI nachrichten: In der Kritik stehen Hedgefonds immer wieder wegen ihrer rüden Geschäftsmethoden. Im Augenblick sorgt der Fall des Handyschalenherstellers Balda für Aufsehen, bei dem britische Hedgefonds massiv Einfluss nehmen. Sind das Einzelfälle?

Bartmer: Wenn Hedgefonds hohe Anteile an Unternehmen kaufen, dann wollen sie natürlich auch für eine Wertsteigerung sorgen – und zwar schnell. Diesen Druck von Seiten der Investoren haben Vorstände früher nicht gehabt. Das kann dann schon sehr ungemütlich werden. Aktiengesellschaften mit hohem Streubesitz und ohne starke Ankerinvestoren müssen sich heute darauf einrichten …

VDI nachrichten: … die Frage ist, ob das Engagement der Hedgefonds dem Unternehmen unter dem Strich schadet oder nutzt.

Bartmer: Hedgefondsmanager glauben natürlich, dass sie einen besseren Weg für ein Unternehmen gefunden haben als das Management. Wenn das Management stur bleibt, wird man versuchen, über Wechsel im Aufsichtsrat den Vorstand auszuwechseln. Das kann dafür sorgen, dass Gesellschaften, die seit Jahren vor sich hindümpeln, wieder Fahrt aufnehmen. Aber es kann natürlich auch schief gehen.

VDI nachrichten: ¿ zumal sich das Spiel ja womöglich wiederholt. Nach einem halben Jahr steigt der erste Hedgefonds aus, weil er sein Ziel erreicht hat. Er macht Platz für den nächsten Fonds, der wieder eine ganz andere Unternehmensstrategie verfolgt. Ein solcher Zickzack-Kurs zerstört doch langfristig das Vertrauen in die Gesellschaft, gefährdet Arbeitsplätze und verunsichert Kunden, Lieferanten und Öffentlichkeit.

Bartmer: Ja, das wirkt wie die kalte Hand des Kapitalismus, wenn das Renditestreben überhand nimmt und langfristige Unternehmensziele völlig ausgeblendet werden. Solche Fälle gibt es leider, aber sie sind doch die Ausnahme.

VDI nachrichten: Ein Ergebnis unserer Panelbefragung überrascht ein wenig. Einerseits sehen zwei Drittel der Teilnehmer keine Probleme mit Hedgefonds, andererseits fordert mehr als die Hälfte gesetzliche Transparenzvorschriften. Ist das nicht ein Widerspruch?

Bartmer: Nicht unbedingt. Jeder wünscht sich natürlich, dass möglichst alles transparent ist. Aber wir sollten die Gefahren durch Hedgefonds auch nicht überzeichnen. Bisher hat es keine größeren Ausfälle gegeben, obwohl diese Fonds ja bereits seit Jahrzehnten aktiv sind.

VDI nachrichten: Aber Hedgefonds spielen doch heute eine viel größere Rolle als vor Jahren. Schätzungen zufolge gibt es inzwischen weltweit 9000 Fonds, die 1,2 Bill. $ verwalten. Hinzu kommen gigantische Kredite, die ihnen Banken für viele Transaktionen gewähren¿

Bartmer: Ich sehe in der Kreditfinanzierung kein grundlegendes Problem, eher im Gegenteil. Wenn Hedgefonds über Kredite ihre Aktionsmöglichkeiten erweitern, dann sorgen gerade die Banken über ihre Risikoprüfungen dafür, dass so schnell nichts passiert ¿

VDI nachrichten: Ihr Vertrauen in die Risikoprüfung der Banken in Ehren. Aber der Absturz des großen US-Hedgefonds Amaranth, an dem mittelbar etwa auch die Deutsche Bank beteiligt ist, weckt da doch Zweifel ¿

Bartmer: Solche Fälle lassen sich nie ganz ausschließen. Grundsätzlich unterliegen aber die Banken einer sehr strengen Aufsicht. Deshalb gibt es in der Summe auch nur wenige Schieflagen. In Deutschland wird das Thema viel zu emotional diskutiert …

VDI nachrichten: Aber es gibt doch auch Stimmen aus der Bundesbank oder von Seiten des Internationalen Währungsfonds, die bei Hedgefonds Regulierungsbedarf sehen …

Bartmer: Ich wende mich ja auch nicht gegen jede Form der Regulierung. Man kann überlegen, Kapitalerhaltungsvorschriften einzuführen, also festlegen, dass bestimmte Risikoparameter nicht überschritten werden dürfen. Das wäre vielleicht hilfreich. Aber darüber hinaus sollte man die Geschäfte nicht weiter beschränken. Die Märkte verfügen über genügend finanzwirtschaftliches Know-how, um sich selbst zu regulieren. P. SCHWARZ

Von P. Schwarz
Von P. Schwarz

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