Aktien 13.03.2009, 19:40 Uhr

Die eigene Psyche ist der größte Feind des Anlegers  

Nach zehn Jahren Engagement an der Börse stehen viele Anleger heute ohne Gewinn oder gar mit Verlust da. Das Dilemma hat einen Grund: Die menschliche Psyche ist für die Börse eigentlich nicht geschaffen. VDI nachrichten, düsseldorf, 13. 3. 09, mav

Seit Monaten schwanken die Kurse an den Börsen extrem. Tagesgewinnen von mehr als 10 % folgen schon kurz darauf kräftige Verluste. In der Tendenz ging es zuletzt zwar eher abwärts. Aus technischer Sicht ist bei einem Indexstand des Dax in Höhe von 3650 Punkten – hier liegt das mehrjährige Tief vom Herbst 2004 – eine kräftige technische Erholung wahrscheinlich.

Doch selbst wenn es zur kleinen Rally an den Börsen kommen sollte, sollten die Anleger eines beachten: „Ihr schlimmster Feind sind sie selbst.“ Dies soll die Investmentlegende Benjamin Graham einmal in Anspielung auf die menschliche Psyche gesagt haben.

Die menschliche Psyche ist für die Börse nicht geschaffen. Alle technischen und fundamentalen Analysen bringen letztlich keinen Erfolg, wenn Anleger ihre Nerven nicht unter Kontrolle haben. Das muss man wissen. Anleger, die in den vergangenen zehn Jahren aktiv am Börsengeschehen beteiligt waren, können ein Lied davon singen.

Vermutlich haben viele Privatanleger alle guten Tipps beherzigt, einen super Aktienratgeber gelesen, hatten ein wirklich gutes Gefühl – und dann das! Die Aktienkurse spielen verrückt. Aus Gewinnern werden Verlierer und umgekehrt, und überhaupt ist alles voll verdreht. Nach zehn Jahren Engagement bleibt unterm Strich kein Gewinn, oft sogar ein Verlust. Wie kann das sein?

Auch das Börsengeschehen wird durch Gefühle, viel Unterbewusstes und tief verwurzelte psychologische Verhaltensmuster mitgesteuert. Es werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht, irrationale Entscheidungen getroffen. Warum sonst entstehen Blasen, und warum platzen sie? Klar, wir sind eben nur Menschen. Es ist ja nicht so, dass die Börse losgelöst von dieser Welt funktioniert. Sie ist keine mathematische Formel, die ihr Ergebnis aus logischen Bestandteilen erzielt. Der Faktor, der die Börse unberechenbar macht, ist – der Mensch. Daher gilt: Wer als Anleger seine Schwächen kennt, ist besser dran. Diese Einsicht ist die wichtigste Voraussetzung für langfristigen Erfolg.

Warum nur kaufen Anleger all die Aktien, die sie kaufen? Die Antwort ist ernüchternd: Anleger begeistern sich nicht unbedingt für gewinnstarke und unterbewertete Unternehmen, denn die muss man ja erst finden. Wer eine Aktie kaufen möchte, kann zwischen Tausenden wählen. Das Angebot überfordert selbst Profis.

Viele lösen das Problem, vermutlich unbewusst, indem sie einfach nur jene Aktien in Erwägung ziehen, die ihre Aufmerksamkeit erregen, sei es, weil sie in die Schlagzeilen geraten sind oder weil sie heftige Kursausschläge verbuchen. Leider ist das nicht zu ihrem Vorteil, denn: „Aktien, die großes Aufsehen erregen, neigen dazu, sich künftig schlechter zu entwickeln als jene, die zuvor verkauft wurden“, erklärt Günter T. Schlösser, geschäftsführender Gesellschafter des Kölner Vermögensverwalters Portfolio Concept. Was tun? Privatinvestoren sollten ihre Anlageentscheidungen an festen Grundsätzen ausrichten und nicht nach jeder Neuigkeit handeln.

Eine wichtige Regel an der Börse lautet: Hin und her macht Taschen leer. Doch unbeirrt von solchen Binsenweisheiten kaufen und verkaufen die Anleger munter Aktien, schichten ihr Depot häufig um – und erzielen damit vor allem eine hohe Spesenabrechnung. Studien belegen: Je öfter das Depot umgeschichtet wird, desto geringer der Ertrag. Warum so hyperaktiv? „Investoren sind zu selbstsicher“, sagt Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim. „Sie überschätzen notorisch ihre Fähigkeiten als Investoren.“

Läuft eine Aktie gut, erzählen viele Anleger ihren Freunden und Bekannten, was für ein cleverer Aktienhecht man ist. Manche reden sich ein, Kurse vorhersagen zu können oder ein bestimmtes Erfolgssystem zu kenne. Gefährlich! Denn wenn man erst einmal so weit ist, fängt man an, sich gnadenlos zu überschätzen. Man fühlt sich unbesiegbar und unterschätzt die Kursrisiken.

Rutscht die Aktie in die Verlustzone, spielen viele Anleger Vogel Strauß, nur um sich den Irrtum nicht eingestehen zu müssen. Stattdessen setzten sie alles in Bewegung, um doch noch Bestätigung für ihre Entscheidung zu erhalten. Das Hirn setzt aus, das Gefühl siegt.

Oder der Stolz. Die Aktie wird auf Teufel komm raus gehalten, wenigsten den Einstandskurs soll sie eines Tages wieder erreichen. Denn sobald man die Aktie abstößt, materialisiert sich nicht nur der Geldverlust, sondern, noch schlimmer, auch die Fehlentscheidung. Das ist einer der Gründe, warum Investoren Verluste zu lange laufen lassen.

Da hilft nur eines: Bereits vor dem Engagement sollte man sich überlegen, wie viel Verlust man bereit ist einzugehen. Am einfachsten setzt man beim Aktienkauf eine Stop-Loss-Marke. Das ist die Schmerzgrenze, die eingehalten werden sollte. Teilt man den Stop-Loss-Kurs seiner Bank mit, wird die Aktie bei Erreichen des Kurses automatisch zu diesem Kurs verkauft oder zum nächst niedrigeren, bei dem ein Handel zustande kommt.

Umgekehrt ist es, wenn sich eine Aktie gut entwickelt. Dann bekommen es Anleger oft mit der Angst zu tun. Sie stoßen das Papier ab – meist viel zu früh – da sie befürchten, die Gewinne wieder einzubüßen. Dahinter steht die menschliche Haltung: „Lieber den Spatz in der Hand…“

Gewinne aber sollte man laufen lassen. Um die erzielten Gewinne abzusichern, kann man einen Stopp-Kurs setzen, stets 15 % unter dem aktuellen Kurs. Erst wenn die Aktie auf diesen Kurs fällt, sollte man sie verkaufen. In diesem Fall wäre der Gewinn zwar etwas niedriger. Fällt die Aktie aber nicht auf den Stopp-Kurs, erhält man sich die Chance auf viel höhere Gewinne. S. TERLIESNER

Von S. Terliesner
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