Altersversorgung 03.09.1999, 17:22 Uhr

Der Chef hilft beim Sparen

Altersvorsorge-Sondervermögen, kurz: AS-Fonds, finden wenig Zuspruch. Das könnte sich ändern, wenn sie in die betriebliche Altersversorgung eingebunden werden.

Die Fondsbranche bejubelt Rekorde. Im ersten Halbjahr 1999 flossen 28,2 Mrd. Euro in Investmentfonds – fast doppelt soviel wie im Vorjahr. Kaum kommen die Gesellschaften mit der Einrichtung von Fondsdepots nach. Nur ihr liebster Nachwuchs, die „Altersvorsorge-Sondervermögen“, kurz: AS-Fonds, wird von den Anlegern eher stiefelterlich behandelt.
Schon der Beginn im Herbst vergangenen Jahres geriet durch Verzögerungen beim Genehmigungsverfahren durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen zum Fehlstart. Knapp ein Jahr später liegt der anvisierte Durchbruch der AS-Fonds bei der privaten Altersvorsorge noch immer in weiter Ferne. Die mittlerweile über 40 auf dem Markt angebotenen AS-Fonds haben gerade mal – trotz millionenschwerer Werbekampagne – knapp 800 Mio. Euro Anlegergelder eingesammelt. Zum Vergleich: Allein in den Fonds DIT Euroland wurden seit Januar über 1,2 Mrd. Euro investiert.
Als „durchaus zufriedenstellend“ bezeichnet Rolf Passow, Vorstandsprecher des Bundesverbandes Deutscher Investmentgesellschaften (BVI), dennoch die bisherige Vorstellung der AS-Fonds. Er führt die geringe Anlagesumme darauf zurück, daß in diese Fonds „überwiegend kleine und mittlere monatliche Beträge“ eingezahlt werden. Zudem werde das Konkurrenzprodukt Kapital-Lebensversicherung – anders als Investmentfonds – bisher noch steuerlich gefördert.
Offenbar konnte die Branche die Vorteile ihres neuen Produkts aber bisher auch nicht gut vermitteln. AS-Fonds bieten ein geringeres Risiko als andere Fonds, da sie Aktien, festverzinsliche Papiere und Immobilienanteile mischen. Zudem hat der Anleger die Möglichkeit, ab drei Jahre vor Laufzeit-ende sein Geld kostenfrei in Fonds umzuschichten, die noch stärker in Renten investieren und damit noch sicherer sind.
In puncto Rendite liegen jedoch die AS-Fonds vorn, die einen hohen Aktienanteil aufweisen. In einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest schnitten die AS-Fonds am besten ab, die bis zum gesetzlichen Maximum von 75 % in Aktien investierten. Auf den vorderen Rängen waren der BfG Invest GenerationPlus, zwei Adig-Fonds, der Deka-Privat-Vorsorge AS und der DWS Vorsorge AS. Alle erreichten jährliche Renditen zwischen 8 % und 8,4 %.
Im laufenden Jahr liegt der DWS Vorsorge AS an der Spitze: Seit Jahresanfang liegt seine Performance bei 31 %. Der Grund: Der Fonds investiert nicht nur in Blue-Chips, sondern auch in Nebenwerte und in Aktien des Neuen Marktes.
Trotz des schwerfälligen Starts nimmt die Zahl der AS-Fonds ständig zu. Einen richtigen Schub könnte es geben, sollten AS-Fonds künftig in der betrieblichen Altersversorgung eine stärkere Rolle spielen. Erste Ansätze gibt es. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt etwa will ein „tarifvertraglich verankertes drittes Standbein der Alterssicherung auf der Basis von AS-Fonds“ einführen.
Nach Berechnungen des Bundesverbandes Deutscher Investmentgesellschaften könnte damit „im Regelfall ein ca. 2,25 mal höheres Versorgungsniveau erreicht werden“ – im Vergleich zu den bisherigen rentendominierten Altersicherungssystemen. Weiterer Vorteil: „Der Arbeitnehmer erwirbt direkt Anteile an AS-Fonds. Er ist somit – im Gegensatz zu den traditionellen Altersicherungsinstrumenten – in einer Eigentümerposition. Im Fall des Arbeitsplatzwechsels kann er sein angespartes Vermögen ohne jegliche Verluste mitnehmen.“ Mit dem Start des Modells ist nach Angaben aus der Gewerkschaft noch bis zum Jahresende zu rechnen. Der BVI geht davon aus, daß vor allem mittelständische Betriebe in nächster Zeit „vergleichbare Regelungen einführen“ werden.
Einige Großkonzerne sind schon etwas weiter. Doch sie bieten meist keine Betriebsrente, sondern wollen nur ihren Arbeitnehmern Anreize geben, privat vorzusorgen. So hat bereits 1997 die Investmentgesellschaft DWS den Löwen-Aktienfonds ausschließlich für Henkel-Beschäftigte aufgelegt. Auch den Mitarbeitern von DaimlerChrylser werden seit kurzem verschiedene allgemeine Fonds und AS-Fonds für die private Altersvorsorge angeboten. Damit soll „eine eigenverantwortliche private Zukunftsvorsorge zu attraktiven Bedingungen“ ermöglicht werden, heißt es bei DaimlerChrysler.
Der DWS, das Investmenthaus der Deutschen Bank, bietet seit Mai 1999 den „Gottlieb Daimler Aktienfonds DWS“ an, der in europäischen Blue-Chip-Werte anlegt. Die Beiträge für den Fonds müssen die Mitarbeiter aus eigener Tasche bezahlen, Zuschüsse vom Arbeitgeber gibt es nicht. Der Vorteil für die Beschäftigten: Der sonst übliche Ausgabeaufschlag von 4 % bis 5 % wird nicht erhoben. Zu den gleichen Konditionen stehen den Autobauern die Karl-Benz-AS-Fonds der dbi, einer Tochter der Dresdner Bank, offen.
Im Oktober kommt für die Angestellten des Pharmakonzerns Schering ein Aktienfonds der DWS. Mit weiteren Unternehmen sind die Investmentgesellschaften im Gespräch. „Wir haben damit die Anerkennung als geeignetes Instrument für die betriebliche Alterssicherung“, betont Dr. Manfred Laux vom BVI.
Jochen Dietrich
Ordentliches Ergebnis: Die besten AS-Fonds erwirtschafteten 1999 schon eine zweistellige Rendite.

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