Altersversorgung 11.10.2002, 18:22 Uhr

Der Betriebsrente steht ein goldener Herbst bevor

Die Arbeitsgemeinschaft betrieblicher Altersversorgung rechnet jetzt im Herbst bei der Betriebsrente mit einem „großen Schwung“.

Zwei Drittel der Arbeitgeber stehen einem Ausbau der betrieblichen Rente grundsätzlich positiv gegenüber.
Und die meisten Arbeitnehmer wollen lieber eine ordentliche Altersvorsorge haben als eine Gehaltserhöhung.
Seit dem 1. Januar 2002 hat jeder Arbeitnehmer das Recht auf eine betriebliche Altersversorgung aus Gehaltsumwandlung. Die Unternehmen setzen die Vorgaben der Rentenreform jedoch nur zögerlich um. Das hat eine Umfrage von Mercer Management Consulting und der Universität Leipzig ergeben.
Nach der Sommerpause hat rund ein Drittel der Arbeitgeber noch nicht entschieden, wie sie mit den Neuerungen des Altersvermögensgesetzes (AvmG) umgehen werden. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen fühlen sich nicht ausreichend informiert. Viele Inhaber fürchten, mit ihrem persönlichen Vermögen für die Altersversorgung der Mitarbeiter irgendwann gerade stehen zu müssen.
Wenig bekannt ist, dass die richtige Wahl des Durchführungsweges knallharte betriebswirtschaftliche Vorteile bringen kann: Steuervorteile freuen den Buchhalter, und die Personalabteilung gewinnt Argumente beim Kampf um die besten Köpfe.
Die bislang häufigste Art der betrieblichen Altersvorsorge ist die Direktzusage, auch als Pensionszusage bekannt. Sie wird oft von großen Unternehmen angeboten. Bei der Direktzusage verspricht der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine Geldleistung im Alter und auch bei Invalidität. Bei seinem Tod sind die Hinterbliebenen begünstigt.
Damit der Arbeitgeber seine Zusage erfüllen kann, bildet er Rückstellungen. Der Vorteil: Die Rückstellungen verringern seine Steuerschuld. Erst wenn er sie auflöst, fordert der Fiskus seinen Anteil ein. Für die Anlage-Beiträge ist der Arbeitgeber verantwortlich. Er trägt das volle Risiko, dass stets ausreichend Mittel in der Kasse sind, um die Renten auszuzahlen.
Auf ähnliche Weise funktioniert auch die Unterstützungskasse. Sie ist die älteste Spielart der betrieblichen Altersvorsorge. Unterstützungskassen sind rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtungen, die die Rücklagen für die spätere Rentenzahlung verwalten. Die Kassen finanzieren sich aus den Beiträgen eines oder mehrerer Betriebe. Genau wie bei der Direktzusage sichern die Arbeitgeber auch hier ihren Beschäftigten die Zahlung einer bestimmten Rente zu.
Das Geld dafür geben sie der Unterstützungskasse, die es anlegt. Reichen die Mittel für die Rentenzahlungen nicht aus, müssen die Trägerunternehmen Geld nachschießen.
Auch die Pensionskassen sind rechtlich eigenständig, und auch sie werden in der Regel von mehreren Unternehmen getragen. Anders als die Unterstützungskassen müssen die Pensionskassen bei der Geldanlage Vorschriften beachten, die in etwa den Kapitalanlagerichtlinien der Lebensversicherungen entsprechen.
Sie dürfen zum Beispiel nur höchstens 35 % ihres Vermögens in Aktien anlegen. Pensionskassen sind vor allem in Großunternehmen verbreitet und in Branchen, die die betriebliche Altersvorsorge im Tarifvertrag geregelt haben, wie beispielsweise die Bauwirtschaft.
Kleinere Betriebe haben sich bislang oft für eine Direktversicherung entschieden. Der Vorteil für den Arbeitgeber ist, dass er keinen eigenen Verwaltungsapparat aufbauen muss. Vielmehr schließt er für seine Beschäftigten Lebensversicherungsverträge ab. Versicherungsnehmer ist der Arbeitgeber, bezugsberechtigt der Arbeitnehmer, und zwar unabhängig davon, wer die Beiträge finanziert. Im Versorgungsfall zahlt die Versicherung die Leistungen direkt an den Arbeitnehmer.
Neu ist der fünfte Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge: der Pensionsfonds.
Der Pensionsfonds ist rechtlich eigenständig. Wie die Pensionskassen und Lebensversicherungsunternehmen unterliegen die Pensionsfonds der Versicherungsaufsicht. Dennoch dürfen die Pensionsfonds die ihnen zufließenden Mittel investieren wie sie wollen. Eingeschränkt wird diese Freiheit der Geldanlage allerdings dadurch, dass die Fonds mindestens die eingezahlten Beiträge garantieren müssen – ähnlich wie bei der Riester-geförderten privaten Altersvorsorge.
A propos: Die staatliche Förderung nach den Vorgaben von Riester gibt es auch für die betrieblichen Formen der Altersvorsorge – mit Ausnahme der Direktzusage und Unterstützungskasse. Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer die Beiträge dazu aus seinem Nettoverdienst leistet.
Unternehmen, die die betriebliche Altersvorsorge über die Direktzusage, die Unterstützungskasse oder den Pensionsfonds organisieren, müssen dem Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) angehören.
Der PSV sichert die Ansprüche der Beschäftigten, falls deren Betrieb pleite geht. Haben sie ihre Arbeiter und Angestellten über eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse versorgt, müssen die Arbeitgeber dem PSV nicht beitreten. Die Pensionskassen stehen für die zugesagten Leistungen in vollem Umfang gerade, bei den Direktversicherungen gibt das Versicherungsunternehmen die Garantie.
Wie gesagt: Die Arbeitnehmer haben seit diesem Jahr einen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge. Den Durchführungsweg legt der Arbeitgeber fest. Findet er keine geeignete Variante, dürfen die Arbeitnehmer von ihm den Abschluss einer Direktversicherung verlangen.
Die zählt nach Ansicht der Stiftung Warentest wegen der vergleichsweise eingeschränkten Fördermöglichkeiten für Arbeitnehmer allerdings nicht zur ersten Wahl der betrieblichen Altersvorsorge.
Unternehmen, denen daran liegt, den Aufwand möglichst gering zu halten, und die trotzdem ein attraktives Angebot machen möchten, könnten sich auch anderen Formen öffnen, sagen die Finanztester. Externe Versorgungsinstitutionen, wie beispielsweise die Pensionskassen oder die Pensionsfonds, seien zunehmend bereit, die Unternehmen von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. KARIN BAUR

  • Karin Baur

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