Geldanlage 13.06.2008, 19:35 Uhr

Der Adler spreizt die Flügel  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 6. 08, ps – Vom 1. Juli an bietet die Finanzagentur die „Tagesanleihe des Bundes“ an, eine Art Geldmarktkonto. Mit diesem und weiteren neuen Produkten will der Finanzminister künftig Privatanleger ködern, um den Staatshaushalt zu entlasten.

Die Finanzagentur des Bundes stellt sich schon mal darauf ein: Natürlich werden die „freundlichen Mitbewerber die Nase rümpfen“, sagt Carl Heinz Daube, der neue Geschäftsführer der Agentur, die für den Bund die Schulden managt. Von seinem Auftrag, für den Bund das direkte Geschäft mit dem privaten Kunden auszubauen, lässt er deshalb nicht.

Vom 1. Juli an bietet die Finanzagentur die neue Tagesanleihe. Ziel ist es, mit diesem und weiteren Produkten, die noch entwickelt werden, den Anteil der Bundesschuld im Privatkundenbereich von jetzt 1,7 % auf 3 % bis 5 % anzuheben.

Daube will deshalb das Geschäftsmodell der Finanzagentur, die Nachfolgerin der Bundeswertpapierverwaltung, neu ausrichten. „Marktgerechtes Produktportfolio“ steht auf seinem Lastenzettel, auch „deutlich verbesserter Service“ und „Einsatz eines effizienten Marketing-Mix“.

In Umfragen hat er klären lassen, wie bekannt Bundeswertpapiere bei Anlegern sind: Kümmerliche 6 % kennen sie überhaupt. Fonds aller Art sind jedoch 63 % der Kapitalanleger bekannt.

Bei der Tagesanleihe des Bundes sind Geldmarktfonds seine Konkurrenten. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sagt zum neuen Produkt der Agentur, man sehe es „völlig entspannt“. Es sei mit Blick auf die weiteren Pläne der Agentur aber „ordnungspolitisch schon bedenklich“, wenn der Staat als Anbieter auftrete.

So ähnlich argumentiert auch der Bundesverband deutscher Banken: Es gebe „derzeit keinen Grund zum Aufschrei“, sagt ein Sprecher. Aber die Finanzagentur sei keine Bank und solle deshalb besser „nicht im originären Bankgeschäft tätig sein“.

Für den Bund ist es aber gerade auf den derzeit angespannten Geldmärkten verlockend, mit einem eigenen Angebot anzutreten. Schließlich kann er durch Direktgeschäfte sparen. Denn ohne die Tagesanleihe müsste sich der Finanzminister zum marktüblichen Satz für Tagesgeld kurzfristig verschulden. Auf Tagesanleihen zahlt er dagegen 7,5 % weniger. Die Finanzagentur glaubt, Tagesanleihen für etwa 1,35 Mrd. € verkaufen zu können. Dann würde der Bund etwa 40 Mio. € jährlich an Zinskosten sparen.

Bisher waren einjährige Finanzierungsschätze das Angebot mit der kürzesten Laufzeit, das der Bund Privatanlegern offerierte. Im Tagesgeldbereich gab es eine Lücke, die nun geschlossen wird. Es ist das erste neue Produkt des Bundes für Privatanleger seit 30 Jahren.

Die Verzinsung des neuen Papiers richtet sich nach dem Euro-Tagesgeldzinssatz EONIA, ein Kürzel für Euro Overnight Index Average. Dieser wiederum hängt eng am Leitzins der Europäischen Zentralbank von aktuell 4,0 % und liegt derzeit bei rund 3,97 %. Der Bund bietet Zeichnern der Tagesanleihe aber in der Regel nur 92,5 % des EONIA-Satzes. Aktuell wären das also 3,67 %.

Die Tagesanleihe kann kostenfrei im Depot bei der Finanzagentur verwahrt werden. Das ist ein Grund dafür, dass sie auch dem Anleger Vorteile verschafft gegenüber einem durchschnittlichen Geldmarktfonds. Auf die vergangenen zehn Jahre zurückgerechnet, hätte ein durchschnittlicher Geldmarktfonds 2,59 % jährliche Rendite gebracht, die Tagesanleihe 2,97 %.

Die täglich erwirtschafteten Zinsen werden dem Kapital zugeschlagen und wieder mit verzinst. Der Bund spricht von einem „täglichen Zinseszinseffekt“. Die Anleihe kann täglich zum Tagespreis gekauft und verkauft werden. Laufen die Aufträge über die Finanzagentur, sind sie gebührenfrei. Die Laufzeit der Tagesanleihen ist nicht begrenzt. Am Jahresende werden die Zinsen in neue Anteile angelegt.

MICHAEL BRAUN

  • Michael Braun

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