Geldanlage 28.09.2012, 19:54 Uhr

„Dem Kunden nutzen, nicht dem Berater“

Die EU will Banken dazu zwingen, Provisionen für Finanzprodukte an ihre Kunden weiterzugeben. Fragen an den Berichterstatter im Europaparlament, Markus Ferber (CSU).

Markus Ferber, Berichterstatter im Europaparlament.

Markus Ferber, Berichterstatter im Europaparlament.

Foto: Ferber

VDI nachrichten: Herr Ferber, das Europaparlament hat über die Finanzmarktrichtlinie Mifid II beraten, die 2013 beschlossen werden soll. Sorgt sie für eine kundenfreundlichere Bankberatung?

Ferber: Genau darum geht es. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Finanzprodukte mehr für den Vertrieb als für den Endkunden geschaffen wurden. Deshalb wollen wir dafür sorgen, dass der Kunde wieder im Mittelpunkt steht, strenge Transparenzregeln eingehalten werden müssen. Wir wollen damit einen Beitrag leisten, dass Finanzprodukte dem Kunden nutzen und nicht dem Bankberater.

Provisionen sollen die Bankberatung nicht länger manipulieren?

Ja, das ist das Ziel, das wir erreichen wollen. Wir haben bereits Mitgliedsstaaten, die nächstes Jahr Provisionen komplett verbieten. Wir haben in Deutschland hohe Transparenzanforderungen. Und wir wollen dafür sorgen, dass in ganz Europa Provisionen nicht mehr der Hauptweg des Vertriebs eines Produktes sind. Deshalb ist das Durchreichen der Provision an den Endkunden eine wichtige Option. Damit wird eine bessere Beratungsqualität erzielt.

Ist dieses Ziel realistisch?

Die Beratungen mit den Mitgliedsstaaten haben noch nicht begonnen. Ich bin mir aber sicher, dass das EU-Parlament im Interesse der Bürgerinnen und Bürger am Ende eine gute Lösung erzielen wird.

Sie erwähnten bereits, dass in einigen EU-Ländern, etwa in Großbritannien und den Niederlanden, ab 2013 ein Provisionsverbot gilt. Frankreich, Schweden oder Dänemark arbeiten an einem solchen. Wird es in Zukunft nur noch Honorarberatung geben?

Die Honorarberatung wird ohne Zweifel an Bedeutung gewinnen. Bankinstitute werden ihre Beratung umstellen müssen. Wir haben ausdrücklich festgelegt, dass Kosten, die aus der Beratung entstehen, auch im Produkt enthalten sein dürfen, allerdings keine Provisionen mehr. Das wird die Beratungsstrukturen auf ganz neue Beine stellen, auch bei den Banken.

Was bedeutet das für die Berater? Müssen die sich abhängig oder unabhängig erklären? Dürfen unabhängige Berater dann keine Provision mehr nehmen?

Die Unterscheidung zwischen abhängigen und unabhängigen Beratern, welche die Kommission zunächst in ihrem Vorschlag hatte, geben wir auf. Es geht nicht darum, zwischen abhängigen und unabhängigen Beratern zu unterscheiden, sondern darum, Transparenz in den Finanzprodukten zu haben. Also Produkte zu bekommen, die wenig Kosten in ihrer Vertriebsstruktur haben, die unterscheiden zwischen professionellen und privaten Kunden. Wir müssen Interventionsrechte der Aufsichtsbehörden haben, um gefährliche Produkte verbieten zu können. Insgesamt bringt die Finanzmarkt-Richtlinie einen großen Maßnahmenkatalog, der leeren Versprechungen ein Ende bereitet und dafür sorgt, dass der Sparer sein Geld wirklich reell anlegen kann.

Die Vorgabe dürfte bankenunabhängigen Honorarberatern und Vermögensverwaltern zu Wachstum verhelfen….

Das ist ein Sektor, den es sicher gilt, weiter zu entwickeln. Gerade Deutschland hat auf dem Gebiet der Honorarberatung noch wenig Erfahrung. Ich gehe davon aus, dass sowohl Banken als auch private Berater auf Honorarbasis gut beschäftigt sein werden.

Wenn Beratung vom Kunden bezahlt werden muss, laufen doch sozial Schwache, also gerade die, die im Hinblick auf Altersvorsorge oder Risikoabsicherung Beratungsbedarf haben, Gefahr, dass sie sich eine solche gar nicht leisten können?

Versicherungsprodukte werden von der Richtlinie nicht erfasst. Die sind eigens geregelt. Daher ist auch die Altersvorsorge auf Versicherungsbasis ausgenommen. Diese muss selbstverständlich allen Menschen – unabhängig vom Geldbeutel – zur Verfügung stehen.

SABINE SEEGER

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