Kreditwirtschaft 07.12.2001, 17:32 Uhr

Consors-Kunden: Vorsicht, aber keine Panik!

Consors, zweitgrößter deutscher Direktbroker, steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Spargelder der 556 000 Kunden sind zwar geschützt, aber Verbraucherschützer empfehlen, die Entwicklung von Service und Gebühren kritisch zu verfolgen.

Schlimmer hätte es Karl Matthäus Schmidt kaum treffen können. In wenigen Stunden verlor der einstige Börsenstar eine Bank und seine unternehmerische Freiheit. Die Hofer SchmidtBank, bis zuletzt mehrheitlich im Familienbesitz, und die Tochter Consors regieren nun andere. Die Ironie dabei: Es sind die ärgsten Wettbewerber, die das Schicksal des Discountbrokers Consors und seines Vorstandssprecher Schmidt bestimmen.
Am Abend des 18. November steht es fest: Deutscher Bank, Dresdner Bank, HypoVereinsbank, Commerzbank und die Bayerische Landesbank-Girozentrale übernehmen die angeschlagene SchmidtBank und retten damit das fränkische Traditionsinstitut vor dem Konkurs. Massive Kreditausfälle hatten die regional bedeutende Privatbank in den Ruin getrieben. Die Familie Schmidt muss ihre gesamten Anteile an den Bankenpool übertragen und verliert damit auch die Mehrheit an der Consors AG. Eine heikle Situation für Consors-Chef Schmidt: Hat er doch den etablierten Privatbanken mit erfolgreichen Produkten und Services oft genug die Show gestohlen und Kunden abgeluchst.
Damit ist nun Schluss: Zwar laufen die „Bankgeschäfte beim Online-Broker und der SchmidtBank uneingeschränkt weiter“, lassen beide Institute verlauten, doch die Situation dürfte sich in nächster Zeit dramatisch ändern. Bei der SchmidtBank gehen Fachleute davon aus, dass sie in den nächsten zwei bis drei Jahren „abgewickelt“ wird. Das Unternehmen verschwindet vom Markt, die Kunden müssen sich Alternativen suchen. Wie es mit Deutschlands zweitgrößter Direktbank Consors weitergeht, ist allerdings noch völlig unklar.
Die vage Zukunft braucht die 556 000 Consors-Kunden erst einmal nicht zu beunruhigen. Ihr Erspartes ist auf jeden Fall geschützt, denn die Sicherungsfonds der Kreditwirtschaft decken die Gelder ab. Rechtsgrundlage sind das Einlagensicherungs- und das Anleger-Entschädigungsgesetz. Da ist unter anderem geregelt: Die Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaber-Papiere ausgestellt hat, etwa Schuldverschreibungen oder Einlagen-Zertifikate, sind nicht geschützt. Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie auf den Namen laufende Sparbriefe gehören hingegen zu den geschützten Einlagen und das sind zum Großteil die typischen Anlagen von Privatinvestoren. Daher sieht Thomas Bieler auch „keinen aktuellen Handlungsbedarf bei Consors, Konten oder Depots zu künden.“ Der Experte von der Verbraucherzentrale NRW empfiehlt jedoch, „Service und Preise genau im Blick zu behalten.“ Wenn es neue Eigentümer gebe, könne sich daran etwas ändern, befürchtet Bieler.
Ob es zu einer veränderten Preis- und Angebotspolitik kommt, steht jedoch in den Sternen. „Verschiedene Szenarien sind für Consors denkbar“, bestätigt Birgit Grüner, Analystin der Bankgesellschaft Berlin. Erstens: Eine Firma übernimmt Consors und führt den Broker als eigenständige Einheit weiter. Interessenten dürften die US-Banken Charles Schwab sowie E-Trade sein, die einen starken Partner im europäischen Online-Banking-Markt suchen. Auf Grund der Börsenflaute verfügen beide zur Zeit allerdings nicht über allzu üppige Kapitalreserven. Dass vor allem die privaten Schmidt-Retter diesen Weg wählen, muss zudem bezweifelt werden: Denn das würde die eigenen Online-Geschäfte von Advance Bank (Dresdner), Maxblue (Deutsche), DAB AG (Hypo) und Comdirekt (Commerzbank) torpedieren.
Als weitere Option bietet sich eine „Total-Fusion“ der großen deutschen Broker an. Vergleichbar wäre dieser Schritt mit der Verschmelzung der Hypothekenbanktöchter von Deutscher, Dresdner und Commerzbank zur Eurohypo AG Anfang November. Birgit Gründer hält von dieser Hypothese jedoch wenig: „Bis die verschiedenen technischen Prozesse und Konten auf einer Plattform laufen, vergeht viel Zeit.“ Im dynamischen Bank-Business könnte ruhendes Geschäft tatsächlich die Synergieeffekte bei einer großen Lösung zunichte machen.
Bleibt als Alternative die Zerschlagung von Consors: „Die Retter teilen die Kunden auf und lassen die technische Infrastruktur eingehen“, erklärt Analyst Alexander Kachler vom Bankhaus Merck Fink & Co. Das Verfahren macht Sinn, stecken doch die Online-Bemühungen der großen Banken in Not. Baisse und Rezession lassen Gebühreneinnahmen und Provisionen schrumpfen alle Direktbanken fahren Verluste ein. Die DAB macht 2001 nach eigenen Angaben zwischen 90 Mio. Euro und 100 Mio. Euro Miese auch Marktführer Comdirekt kündigte für dieses Jahr rote Zahlen an. In dieser prekären Situation würde ein Schwung neuer Kunden wie Lebenselixier wirken.
Doch ganz gleich, wie sich die Zukunft von Consors und seiner Wettbewerber entwickelt: Kunden müssen auf der Hut bleiben. So könnten bei Umstellung der Konten auf andere Institute Depots durchaus für Stunden oder gar Tage nicht verfügbar sein. Technische Schwierigkeiten oder ungeklärte Übertragungsverfahren könnten dazu führen. Die Konsequenz erlebten Kunden der Systracom AG. Der Berliner Online-Broker ging Anfang des Jahres pleite und wurde von der Bankenaufsicht geschlossen. Ab dem 20. April war ein Zugriff auf die Depots dann nicht mehr möglich und viele Kunden mussten zusehen, wie beispielsweise ihre Optionsscheine verfielen.
Noch ein Hinweis: Wer beim Transfer des Kontos von einer zu einer anderen Direktbank Auflösungsgebühren zahlen muss, sollte die Abrechnung aufheben. „Wir führen einen Musterprozess mit Consors. Und es ist nicht klar, ob eine solche Strafgebühr erhoben werden darf“, erklärt Verbraucherschützer Bieler. Wenn nicht, könnten Kunden die Gebühren zurückverlangen.
MATTHIAS KUTZSCHER

Von Matthias Kutzscher
Von Matthias Kutzscher

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