Kreditwirtschaft 19.04.2002, 17:33 Uhr

Banken lassen Kids meist im Regen stehen

Jugendliche Kunden bringen keine Gewinne. Deshalb werden sie von den meisten Banken vernachlässigt. Einzig die Sparkassen versuchen, ihre Kunden von morgen frühzeitig zu werben und langfristig zu binden.

Nö, wirklich ernst genommen als Kunde fühle ich mich von den Banken nicht“, sagt Daniel Buth. Der 19-Jährige aus Rösrath bei Köln wurde von Kreditinstituten bisher eher stiefmütterlich behandelt. Einzige Ausnahme ist die örtliche Sparkasse. Die hat den Wehrdienstleistenden schon sein ganzes Leben lang begleitet. Zur Geburt gab“s ein Sparkonto, das er auch heute noch nutzt. Weiter ging es in der Grundschule. „Wir wurden mit Reklame überhäuft, bekamen kleine Geschenke wie “ne Butterbrotdose und ein Sparschweinchen.“
Besonders im Gedächtnis geblieben ist Daniel Buth eine Führung durch das Institut. „Sogar in den Tresorraum durften wir.“ Später auf dem Gymnasium ging die Werbeoffensive mit Anzeigen in der Schülerzeitung, gesponserten Tunieren und Rockkonzerten weiter. „In der Oberstufe hat der Sozialwissenschaftskurs außerdem am Börsenspiel teilgenommen.“ Die Sparkasse sei auch weiterhin die einzige, die ihn regelmäßig per Post mit neuen Angeboten zum Thema Bausparen oder Riester-Rente versorgt. Und das, obwohl er seit Jahren ein Girokonto bei der Kölner Sparda-Bank hat. „Von der hab“ ich noch nie Werbung bekommen.“ Kunde sei er dort auch nur, weil es die Hausbank seines Vaters ist.
Daniel Buth ist keineswegs die Ausnahme von der Regel. Die deutschen Kreditinstitute lassen die Jugendlichen im Regen stehen. Dabei sind sie als Kunden per se nicht uninteressant. Die rund 11 Mio. sechs- bis 19-jährigen Deutschen verfügten 2001 insgesamt über mehr als 16 Mrd. `. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Bastei-Verlags. Vor allem aber sind die Teens langfristig von Bedeutung: „Die Jugendlichen könnten später einmal Großverdiener werden. Sie sind die Kunden von morgen“, sagt Michael Simperl, Geschäftsführer von Youngcom, einer Münchner Agentur für Jugendkommunikation. Deshalb sei es wichtig, sie schon frühzeitig zu werben und an die Bank zu binden.
Soweit die Theorie. In der Praxis kümmern sich insbesondere die Privatbanken kaum um ihre potenziellen Kunden. Zwar bieten beinahe alle so genannte Taschengeldkonten an, die ab dem 18. Lebensjahr in vollwertige Girokonten mit EC-Karte umgewandelt werden können. Die Konten sind zumeist bis zum Ende der Ausbildung kostenfrei, werden oft sogar verzinst. Offensiv bewerben die Geldhäuser ihre Produkte aber nicht. Simperl: „Die Kommunikation mit den Jugendlichen wird sträflich vernachlässigt.“ Werbung in Jugendzeitschriften beispielsweise ist die Ausnahme. Und obwohl Jugendliche sehr häufig im Internet surfen, nutzen nur ein Drittel der Kreditinstitute das Web, um sie anzusprechen, ermittelte die Unternehmensberatung Mummert + Partner.
Dabei wäre es durchaus sinnvoll, auf die potenziellen Kunden zuzugehen: „Etwa ab dem zwölften Lebensjahr treffen Jugendliche eigene Geldentscheidungen. Wenn die Banken nichts für sie tun, besteht die Gefahr, dass sie sich ein anderes Institut suchen“, erklärt Tatjana Rosendorfer, Autorin des Buchs „Kinder und Geld“.
Trotzdem gehen die privaten Banken erst mit Beginn der Ausbildung in die Offensive. Insbesondere Studenten werden umworben. So veranstaltet die Hypovereinsbank kostenlose Bewerbungstrainings an Universitäten oder lädt Studenten zu Anlageseminaren.
Warum aber werben die Banken erst so spät um ihre Kunden? „Jugendliche bringen schlicht keinen Gewinn“, erklärt Argjent Demiri, der gerade an der Universität Trier seine Dissertation zum Thema „Kundenbindung bei Kreditinstituten“ schreibt. „Junge Leute nutzen die Banken hauptsächlich für den Zahlungsverkehr. Der bringt den Instituten kein Geld ein.“ Im Gegenteil, die Kosten überwiegen gar.
Selbst wenn das Geschäft mit den Jugendlichen nicht defizitär wäre, hätten es die Banken nicht nötig, sie früh zu werben. „Die Großbanken sind nicht unbedingt besser. Sie haben aber ein ganz anderes Renommee als die Sparkassen oder die Genossenschaftsbanken“, erklärt der Wissenschaftler. Durch ihr Image, besonders kompetent in Beratungsfragen zu sein, zögen sie die potenten Kunden ganz automatisch an.
Diesen Vorteil haben die Sparkassen und Genossenschaftsbanken nicht. Insbesondere die Sparkassen versuchen deshalb, den Nachwuchs frühzeitig zu werben. Der sei am leichtesten zu gewinnen, so Demiri. „Die Großbanken werben zwar einen Teil der jungen Leute mit dem Eintritt ins Berufsleben ab, für die Sparkassen ist es aber aufgrund des Imageproblems die einzige Möglichkeit, ausreichend Klientel zu akquirieren“, sagt Demiri. Die Strategie geht auf: Das Gros der einmal gewonnen Jugendlichen springt nicht wieder ab. Tatsächlich ist jeder zweite deutsche Privatkunde bei einer Sparkasse.
Um möglichst viele Kids zu werben und auch zu halten, haben die Sparkassen ein Rundumprogramm entwickelt, das bereits bei der Geburt ansetzt. Neben dem umfangreichen Basisangebot, wie es Daniel Buth erlebt hat, gehen einige regionale Sparkassen noch weiter.
Zum Beispiel die Sparkasse Chemnitz: Zusammen mit der TU Chemnitz hat sie eine Jugendfiliale entwickelt. „Wir haben Schüler und Azubis befragt, wie sie sich die ideale Sparkasse vorstellen. Die Ideen haben wir in unserer Filiale beinahe 1:1 umgesetzt“, sagt Vorstand Jürgen Büch. Das Ergebnis: Bunte Wände, moderne Möbel, Lichteffekte, zwei Internetplätze, ein Cola-Automat, eine Litfaßsäule mit Kleinanzeigen und Infos zur Stadt, Popmusik im Hintergrund, Fernseher, auf denen Videoclips laufen und eine Sitzecke. „Die ist eigentlich für Beratungsgespräche gedacht. Die Jugendlichen nutzen sie aber auch, um dort ihre Hausaufgaben zu machen oder sich einfach nur zu unterhalten“, so Büch.
Das Projekt kommt an. Büch: „Seit unserer Eröffnung 1998 haben wir 15 % bis 20 % mehr junge Kunden.“ Doch er gibt zu: „Von den Kosten her lohnt sich die Filiale nicht.“ TINA KAISER

Was dürfen Kids?
Die Eltern haben das letzte Wort
75 % der sechs- bis 19-jährigen Deutschen dürfen über ihr Taschengeld frei verfügen. Rechtlich gesehen haben die Eltern bis zum 18. Lebensjahr jedoch ein Mitspracherecht. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) sind Minderjährige bis sechs Jahre geschäftsunfähig. Von ihnen geschlossene Verträge sind damit nichtig. Von sieben bis einschließlich 17 gelten Kinder und Jugendliche als „beschränkt geschäftsfähig“. Verträge sind nur dann unwirksam, wenn die Eltern nicht zustimmen. Das gilt praktisch für alle täglichen Bankgeschäfte, ob einzahlen, überweisen oder abheben. Ausnahme ist ein Kredit: Der ist selbst mit Einverständnis der Eltern nicht gültig. Zusätzlich ist eine Genehmigung des Vormundschaftsgerichts erforderlich. tk
www..learn-line.nrw.de/angebote/jugendgeld/

Von Tina Kaiser
Von Tina Kaiser

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

TÜV NORD CERT GmbH-Firmenlogo
TÜV NORD CERT GmbH Freiberufliche Auditoren*Auditorinnen (m/w/d) deutschlandweit
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München-Firmenlogo
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München Underwriter for Engineering CAR/EAR (Contractors/Erection – All Risks) (m/f/d)* München
VDI Technologiezentrum-Firmenlogo
VDI Technologiezentrum Betriebswirt / Verwaltungswirt (w/m/d) für die Forschungsförderung Düsseldorf
Landesamt für Bauen und Verkehr-Firmenlogo
Landesamt für Bauen und Verkehr Bauingenieur*in / Architekt*in im Bautechnischen Prüfamt Cottbus (Homeoffice möglich)
Deutsche Sporthochschule Köln-Firmenlogo
Deutsche Sporthochschule Köln Technischer Sachbearbeiter / Technische Sachbearbeiterin (w/m/d) (2105-nwMA-D4) Köln
Stadt Ahlen-Firmenlogo
Stadt Ahlen Stadtbaurat*rätin / Technische*r Beigeordnete*r Ahlen
Technische Universität Darmstadt-Firmenlogo
Technische Universität Darmstadt Bibliotheksreferendar_in (w/m/d) Darmstadt
Stadt Ratingen-Firmenlogo
Stadt Ratingen Bautechnikerin / Bautechniker (m/w/d) der Fachrichtung Straßenbau Ratingen
Regierungspräsidium Tübingen-Firmenlogo
Regierungspräsidium Tübingen Diplom-Ingenieur/-in (FH) oder Bachelor (w/m/d) Tübingen

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Finanzen

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.