Geldanlage 30.04.1999, 17:21 Uhr

Aus Kunst Kommerz machen: Der Global Art Fund

Der Kunst-Fonds als Geldanlage nach britischem Vorbild gilt den einen als anrüchig, den DB-Bankern in Luxemburg jedoch als ganz normale Anlageform. Sie kaufen Werke der Klassischen Moderne in der Hoffnung, daß die Rendite demnächst zweistellig wird.

Alles kann Ware sein: Spaghetti, Menschen, Liebe – und bei der Kunst haben wir heute eine Bildungsgenanz“. Professor Michael Bockemühl, Kunstwissenschaftler an der Universität Witten/Herdecke, plädiert dafür, einen Kunst-Fonds nicht von vornherein als anrüchig zu sehen. Beim sechsten Symposium Kunst und Kommerz in Frankfurt wurde heftig über die Frage diskutiert, ob ein Kunst-Fonds, der im Prinzip ein ganz normaler Investmentfonds ist und sich auch als solcher versteht, überhaupt Kunstwerke als bloße Geldanlage sehen und vermarkten darf.
Der in Luxemburg von der DG Bank im Sommer 1997 unter der Wertpapierkenn-Nummer 987066 aufgelegte Kunst-Fonds Global Art Fund darf dies ohne Zweifel – rein rechtlich gesehen. Aber in Frankfurt ging es um die Frage, ob dies auch moralisch und schöngeistig integer ist. Thomas Amend, der Leiter des Global Art Fund der DG Bank Luxemburg, gab sich zwar als Kunstliebhaber und Sammler. Gleichwohl ließ er keinen Zweifel daran, daß es sich bei dem Kunst-Fonds vor allem ums Geld dreht: Die Rendite müsse stimmen, auch wenn der Fonds mit eigentlich ideellen Werten handele. „Denn wir Fonds-Manager sind unseren Anlegern verpflichtet“. Auf die Idee, Kunstwerke zu kaufen, sie als Fonds-Vermögen eine Zeitlang zu behalten, um sie dann nach ein paar Jahren mit Gewinn wieder zu verkaufen, kam die DG Bank durch das Beispiel Großbritannien.
Dort habe sich in den siebziger Jahren das Management eines geschlossenen Pensionsfonds für Eisenbahner aus reinen Renditeerzielungsabsichten für den Erwerb von Kunstwerken entschieden, erläuterte Amend. Innerhalb von acht Jahren habe der Pensionsfonds etwa 2200 Objekte erworben. Allerdings hätte die Rendite, die 11,8 % im Jahr betragen habe, noch höher liegen können, vermutet der Finanzjongleur.

Schwerpunkt in der Modernen Kunst des 20. Jahrhunderts

Seiner Meinung nach haben die britischen Manager in zu vielen Gebieten gesammelt und zu spät verkauft. Während der Pensions-Fonds 13 unterschiedliche Gebiete und Epochen sammelte, beschränke sich der Global Art Fund deshalb auf ein Segment: Er investiert hauptsächlich in die aus Sicht der Investmentmanager unterbewerteten Kunstwerke der „Klassischen Moderne“. Sie umfaßt die Werke von der Jahrhundertwende bis zu den sechziger Jahren. Als Kategorien gelten Ölgemälde, Arbeiten auf Papier, Skulpturen und Designobjekte . Von 4 % bis 20 % gibt der Kunst-Fonds-Leiter die Renditespanne einzelner Werke an.
Allerdings, so die Kritik, wird mit Beschränkung auch das Risiko eines schlechten Kaufs weniger breit gestreut. „Wir sind uns bewußt, daß wir auf das falsche Pferd setzen können“, sagte Amend. Aber er habe Vertrauen zu den Kunstexperten, die den Fondsmanagern beratend zur Seite stehen.
Gekauft würden die Bilder vor allem aus Privatsammlungen. Was der Fonds für ein einzelnes Bild ausgegeben hat, wird nicht ausgewiesen, genannt werden nur die Gesamtsumme der Neuerwerbungen und die Summe des Wertes aller Fondsbilder. „Denn wüßten künftige Käufer den Kaufpreis, könnten wir die Bilder hinterher nicht mit Gewinn verkaufen“, erläutert Amend.
Ab 25 000 DM kann man einsteigen in den offenen Kunst-Investment-Fonds. Aber man muß warten können, denn der Fonds ist langfristig angelegt. Bislang betrage die Rendite etwa 9 %, soll aber, so die Prognose des Fondsmanagers, schon bald zweistellig sein. Zur Zeit habe das Fondsvermögen ein Volumen von 12 Mio. DM – angesichts eines Jahresumsatzes der großen Auktionshäusern in Höhe von 450 Mio. Dollar eher wenig. Und weil auf dem Kunstmarkt meist in Dollar abgerechnet wird, steckt in dem Fonds auch noch ein Wechselkursrisiko.
Die Bilder werden nach Angaben Amends in der Nähe von Köln gelagert. Allerdings soll die Kunst nicht die ganze Zeit vor der Öffentlichkeit versteckt gehalten werden: Im nächsten Jahr ist eine Ausstellung in Asien geplant.
Der Kunstfonds hat vor allem damit zu kämpfen, daß er unbekannt ist. Es sei schwer, potentielle Fondsanleger mit der Idee vertraut zu machen. „Deshalb wünschen wir uns Konkurrenz“, sagt Amend mit Blick auf andere Finanzfachleute. Auch die Investmentberater könnten oftmals nichts mit der Kunst als Fondsanteil anfangen und berieten Anleger deshalb lieber gar nicht über den Kunst-Investment-Fonds.Die Kunstliebhaber in Frankfurt forderten Amend auf, doch einen Teil der Rendite in die Förderung junger Künstler zu stecken.
Einige vermuteten sogar darin eine Möglichkeit, mehr Anleger für den Kunstfonds zu werben, wenn man den Kommerz nicht so sehr in den Vordergrund stelle. Der Fonds-Leiter verwies darauf, daß die Anteilseigner ihr Mitbestimmungsrecht dahingehend ausüben könnten: „Wenn die Mehrheit der Anleger will, daß ein Kunstfonds eingerichtet wird, wird das Management das umsetzen“.
Auf die Werke junger Künstler als Wertanlage für den Fonds zurückzugreifen, hält Amend hingegen für unmöglich: „Novitäten sind zu gefährlich. Junge Kunst hat noch keine Auktionspreise“. Das sei aus Sicht des Investmentrechts gar nicht genehmigungsfähig.
Die Auktionshäuser haben nach Meinung von Auktionator Simon de Pury aus Genf, der früher für das Auktionshaus Sotheby´s tätig war, durch den Kunst-Fonds nichts zu befürchten. „Allerdings ist es in der Kunstwelt nicht politisch korrekt zu sagen, daß ein Fonds gut ist.“ Denn, so fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu, nur die Leidenschaft dürfe der Grund für den Erwerb von Kunstwerken sein. Gleichwohl wünschten sich auch passionierte Sammler, ihr Geld nicht ganz zum Fenster hinausgeworfen zu haben. Er glaubt, der Kunstfonds belebt das Geschäft. Und das sei immer gut, sagte de Pury.
Während Professor Bockemühl in dem Fonds eine Möglichkeit sieht, auch denjenigen Menschen Kunst nahe zu bringen, die bislang nichts damit zu tun hatten, beharrte Christoph Vitali vom Haus der Kunst in München darauf, daß der rein wirtschaftlich orientierte Fonds nichts in der Kunstwelt zu suchen habe. „Einen nackten Kunsthandel halte ich für frivol“, sagte der Museumsdirektor. Er fände es entsetzlich, wenn die Kunst von der Wirtschaft abhänge: „Mit Kunst darf man eigentlich nicht handeln. Wie man auch mit dem Leben nicht handeln darf.“
SYBILLE WILHELM
Mit schönen Bildern will die DG Bank in Luxemburg ebenso schöne Gewinne erzielen. Noch allerdings kann dem Anleger die Mischung aus Kapital und Kommerz nicht zu Kopf steigen. Die Rendite liegt derzeit bei 9 % und Kritiker finden den Kunst-Fonds frivol.

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