Versicherungen 23.04.2004, 18:30 Uhr

Assekuranz setzt Kfz-Betriebe unter Druck

VDI nachrichten, Frankfurt, 23. 4. 04 -Mit aktivem Schaden-management sagen die deutschen Autoversicherer überhöhten Werkstattpreisen den Kampf an. Zahlreiche Kfz-Betriebe werden einer aktuellen Studiezufolge unter Druck geraten, weil die Mehrheit der Versicherer ihre Markt-macht nutzt, um eigene Werkstattnetze aufzubauen oder sich bestehender Netzezu bedienen.

Für die Werkstätten wird das Unfallreparaturgeschäft wegen der seit Jahren sinkenden Nachfrage nach Reparatur- und Wartungsarbeiten immer wichtiger. Im Durchschnitt steuerten Versicherungsschäden die Hälfte zum Gewinn bei, machten aber branchenweit nur ein Zehntel des Umsatzes aus, so die Gemeinschaftsstudie von Mummert Consulting, F.A.Z.-Institut und dem Meinungsforschungsinstitut Forsa. Rund 80 % der Aufträge für Karosseriereparaturen würden über die Assekuranz abgerechnet.
Die Studie bestimmt als größtes Einsparpotenzial die Schadenregulierung. Daher versuchten die Versicherer, zumindest ihren Einfluss auf die Schadenregulierung in den Betrieben zu steigern. Mit Hilfe des so genannten Kfz-Werkstattmanagements sollen Unfallschäden im Kasko- oder Haftpflichtschadenfall in einen Partnerwerkstattbetrieb gelenkt werden, der kostengünstig erneuere. Als Partner bevorzuge die Branche vor allem freie Werkstätten. Die Pläne der Versicherer setzten die Werkstätten insofern unter Druck, weil sie mit ihrer Marktmacht Preise drückten und zugleich hohe Anforderungen an die Ausstattung mit Informationstechnologie und die Reparaturfähigkeiten stellten.
Der Untersuchung zufolge wollen 27 % der Versicherer bis 2006 ein eigenes Netz aufbauen und rund 20 % haben damit schon begonnen. Dieses Ziel verfolgten vor allem Versicherer mit hohem regionalen Marktanteil oder viel Kfz-Geschäft. Jeder zweite der befragten Versicherungsmanager erwartet, dass sich in drei bis fünf Jahren die Kaskopolice mit Werkstattbindung in Deutschland etabliert hat. Dieser Versicherungsvertrag soll den Partnerwerkstätten das nötige Auftragsvolumen bringen.
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe rechnet mit einer Beschleunigung des Konzentrationstrends bei den derzeit rund 21 800 Fabrikat-gebundenen und 22 400 freien Werkstätten und Autohändlern. Bis 2005 dürfte seiner Einschätzung nach die Gesamtzahl der Betriebsstätten auf unter 40 000 sinken.
Die Versicherer wehren sich gegen die Darstellung des „Branchenkompass Spezial – Kfz-Versicherungen“. Die Netze beeinflussten den Markt nicht negativ, sondern böten den Kunden zusätzliche Services, wie etwa Bring- und Holdienste. Es sei im Interesse aller, wenn die Versicherer einwandfreie Reparaturen zu akzeptablen Kosten bezahlten, sagt ein Pressesprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.
Zwischen 1997 und 2002 machten die Autoversicherer insgesamt rund 10 Mrd. € Verlust. 2003 kehrte die Branche zwar mit einem Überschuss von 500 Mio. € in die Gewinnzone zurück, doch von Dauer scheint die Erholung nicht zu sein, berichtete Edmund Schwake, Vorsitzender des Verbandsausschusses Schaden- und Unfallversicherung, kürzlich.
Die nach der Liberalisierung des Versicherungsmarktes Mitte der neunziger Jahre ins Rutschen geratenen Preise haben trotz kleiner Preiserhöhungen das Niveau von 1995 noch nicht erreicht. Befürchtet wird, dass die 2003 niedrige Schadenquote von 88 % wieder steigt. Die Sanierung dieser Sparte gelingt nur, wenn die Kosten für die Schäden sinken – will man die Prämien nicht kräftig verteuern. Starke Preiserhöhungen scheiterten bisher am Wettbewerbsdruck.
Die drei bekanntesten Netze sind die ReparaturPartnerDirekt/Nobilas, die zum Akzo Nobel Konzern gehört, die Motorcare Service GmbH, eine Tochter des britischen IT-Dienstleister The Innovation Group, die für 23 Versicherer arbeitet, und der „Schadenservice Plus“ (SSP) der HUK-Coburg mit rund 800 Partnerwerkstätten. Der Untersuchung zufolge hat SSP seit seinem Start im Juni 2002 binnen Jahresfrist rund 50 000 Fälle betreut und den Schadenaufwand um bis zu 25 % gesenkt. ReparturPartnerDirekt steuerte 2003 ca. 22 000 Fälle. Die Werkstätten zahlen für die Vermittlung jährlich ca. 1500 € pauschal sowie einen Anteil an den Reparaturkosten je Vermittlungsfall. Motorcare verlangt den Angaben zufolge 5 % Provision des Auftragswertes. 2003 bearbeitete Motorcare rund 30 000 Fälle.
Die Automobilindustrie zweifelt indes am Erfolg der Versicherer. Bis auf einen Automobilentscheider seien alle Befragten davon ausgegangen, dass nur wenige große Versicherer bis 2008 erfolgreich Werkstattnetze betreiben könnten, so die Studie. Als Grund nannten sie die Anforderungen an die Servicequalitität, an die Flächenabdeckung und an das Reparaturvolumen.MONIKA LIER

 

Ein Beitrag von:

  • Monika Lier

    Monika Lier ist Diplom-Volkswirtin und freie Journalistin.

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