Geldanlage 30.10.2009, 18:30 Uhr

Anderen aufs Dach steigen und kassieren  

Dank der langfristig festgeschriebenen Sätze für die Einspeisung von Solarstrom, lassen sich Photovoltaik-Anlagen gut kalkulieren. Wer ein Solarkraftwerk besitzen möchte, aber keine eigene Fläche zur Verfügung hat, kann in Fonds investieren oder auf fremden Dächern bauen. Investoren werden Renditen bis über 10 % p.a. vor Steuern in Aussicht gestellt. VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 10. 09, sta

Einmal Krisengewinnler sein? Können Sie! Etwa mit einem eigenen Sonnenkraftwerk. Infolge der weltweiten Konjunktureinbrüche sind nämlich die Preise für Solarpanel gesunken. Endkunden zahlen laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) für 1 Kilowattpeak (kWp) aktuell nur noch 3263 €. Dabei handele es sich um einen Systempreis für fertig installierte Aufdachanlagen bis 100 kWp. Vor einem Jahr lag der Durchschnitt noch fast 1000 € höher.

Gleichzeitig bringt solch eine Anlage sichere Erträge. Rund 43 ct. müssen die Versorger für eine Kilowattstunde Solarstrom vergüten, die ins Netz eingespeist wird. Der Satz gilt 20 Jahre für Anlagen, die bis Ende 2009 fertig sind.

Die sichere Kalkulationsgrundlage und günstige Kredite von KfW und Bausparkassen machen die Investition in die Sonnenkraft derzeit lukrativ. Zumal allgemein erwartet wird, dass die neue schwarz-gelbe Regierung die Einspeisevergütung für Solarstrom stärker reduzieren wird als derzeit ohnehin geplant.

Der Zeitpunkt für Sonnen-Anleger scheint also günstig. Wie viele das erkannt haben, zeigt die Statistik des BSW. Der Branchenverband rechnet damit, dass 2009 etwa 2000 MWp neu installiert werden – Rekord. Maik Mönninghoff, Gründer und Geschäftsführer der Twin Solar GmbH, Düsseldorf, bemerkt den Trend zum eigenen Solardach an der steigenden Zahl der Versicherungsabschlüsse. „Im vergangenen Jahr haben wir 1600 PV-Versicherungen vermittelt. 2009 sind wir schon bei 4000.“

Die starke Nachfrage wundert nicht, wenn man auf die prognostizierten Renditen schaut: Je nach Dachneigung und -exposition sowie der durchschnittlichen Sonnenscheindauer am Standort, dürfen die Betreiber einer neuen PV-Anlage laut Anbieterangaben mit Renditen bis über 10 % vor Steuern rechnen. Das macht die eigene Anlage noch attraktiver als geschlossene Solarfonds, die aufgrund der Entwicklungs- und Vertriebskosten für den Fonds eher Renditen zwischen 6 % und 9 % in Aussicht stellen.

2009 werden Anlagen mit etwa 2000 MWp neu installiert

Wer in eine eigene Anlage investieren möchte, muss sich jedoch gut informieren: über die Qualität des geplanten Standorts, über Finanzierungs- und Versicherungsbedingungen und über die Leistung der Solarpanels. Ein komplexes Thema, das Laien vor der Investition zurückschrecken lässt. An diesem Punkt setzt die Twin Solar GmbH an: „Wir bieten alles aus einer Hand: Wir begutachten den Standort, vermitteln Kredite, Versicherungen und auch eines von derzeit rund 240 Partnerunternehmen, die auf die Installation von PV-Anlagen spezialisiert sind“, so Mönninghoff.

Das neueste Projekt der Düsseldorfer ist die Anfang September gestartete Dachbörse, auf der sich Investoren eintragen können und Eigentümer, die ihre Dachfläche verpachten möchten. „Nicht jeder Interessent verfügt über eine geeignete Dachfläche. Wir akquirieren solche Flächen, vor allem in Gewerbegebieten, und vermitteln zwischen dem Investor und dem Eigentümer des Daches“, erklärt der Finanzierungsspezialist. Drei Vermittlungen kamen bisher über die Börse zustande, rund 30 Dachflächen sind derzeit im Angebot.

Deutlich mehr Projekte hat die S.A.G Solarstrom AG aus Freiburg in den vergangenen Jahren realisiert. Über 100 MWp in über 2500 Anlagen europaweit hat die S.A.G. schon installiert, überwiegend für private Kunden. „Die S.A.G. tritt in solchen Fällen meist als Generalunternehmen für den Investor auf. Das heißt: Wir akquirieren Fläche, planen, konfigurieren und bauen dann die Anlage und verkaufen diese an Investoren weiter“, so Unternehmenssprecher Veit-Gunnar Schüttrumpf. Bei der Auswahl des Standorts sind neben der „Sonnenqualität“ weitere Faktoren maßgeblich: „Das Dach sollte nicht älter als fünf Jahre sein, bzw. noch mindestens 20 Jahre halten.“ Für die Nutzung des fremden Dachs sei eine Pacht um die 5 % der jährlichen Einspeisevergütung marktüblich, so Schüttrumpf weiter.

Wer 250 m2 Dachfläche vermietet, erhält rund 250 € p.a.

Bei der IFE Eriksen AG in Oldenburg wird die Pacht mit 2 % bis 3 % der Einspeisevergütung angegeben – je nach Standort. Unternehmensvertreter Helge Strickstrack gibt ein Beispiel, wie sich die Vergütung errechnet: „Für ein Dach in Bremen haben wir 2 % ausgehandelt. Die Anlage hat eine Leistung von 30 kWp und eine Fläche von 250 m2. Die Einspeisung bringt pro Jahr etwa 12 500 €.“ Die Pacht liege also bei 250 € pro Jahr.

Die IFE Eriksen AG wurde schon 1979 als Ingenieurbüro für alternative Energie gegründet. Seit 2000 werden hier neben der Planung und Errichtung von Windparks und Solarmodulfabriken auch Photovoltaik-Projekte entwickelt. 2001 gründete man den Solarmodulhersteller aleo solar. Ca. 80 Projekte mit insgesamt 6,4 MW installierter Leistung hat die IFE Eriksen bisher realisiert. „Solarkraftwerke in Deutschland werden von uns ausschließlich Privatinvestoren angeboten“, so der Oldenburger.

Eine Hürde stellt die Mindestinvestition dar: 30 000 € bis 50 000 € nennen die drei Unternehmen als Untergrenze für den Bau eines Solarkraftwerks. Einen Solarfondsanteil können Anleger häufig schon ab 10 000 € zeichnen. Die Standorte solcher Fondsobjekte sind meist in sonnenreichen Ländern mit gesetzlicher Verankerung der Einspeisevergütung. Dafür fällt die Rendite der Fonds in der Regel etwas niedriger aus. Andererseits ist die Fondslaufzeit in der Regel kürzer als die 20 Jahre, auf die sich Investoren mit einer eigenen PV-Anlage festlegen.

„Steuerlich werden die Einspeisevergütungen als Einkünfte aus Gewerbebetrieb behandelt. Diese unterliegen dann dem persönlichen Steuersatz des Investors“, erklärt Steuerberater Detlev Samagga von der Sozietät Hübner, Samagga & Kollegen, Gelsenkirchen. Anders als Fondsbesitzer können Direktinvestoren immerhin die Kosten der Anlage über 20 Jahre abschreiben. Samagga: „Für Anlagen, die ab 2009 in Betrieb genommen werden, gilt die degressive Abschreibung. In den ersten Jahren sind das jeweils 10 % vom Restbuchwert – solange, bis die lineare Abschreibung vorteilhafter wäre.“ MARTIN VOLMER

 

Ein Beitrag von:

  • Martin Volmer

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Wirtschaft, Konjunktur, Wirtschaftspolitik.

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