Kapitalrendite sinkt 14.08.2013, 15:39 Uhr

„Als Versicherer müssen wir jedes Risiko mit Eigenkapital unterlegen“

Die Niedrigzinsphase macht es den Assekuranzen momentan schwer, lukrative Renditen zu erwirtschaften. Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management AG, erläutert, mit welchen Strategien sein Unternehmen den Mini-Zinsen begegnet.

Das Anlegen von Geld ist nicht ohne Tücken und bisweilen kostenintensiv. Vor allem bei aktiv verwalteten Investmentfonds heißt es aufpassen.

Das Anlegen von Geld ist nicht ohne Tücken und bisweilen kostenintensiv. Vor allem bei aktiv verwalteten Investmentfonds heißt es aufpassen.

Foto: dpa-Bildfunk

VDI nachrichten: Herr Kessler, Sie verwalten die Kapitalanlagen für den Gothaer-Konzern. Wie viel Geld legen Sie an?

Kessler: Etwa 25 Mrd. €.

Woher stammt das Geld?

Etwa die Hälfte kommt aus der Lebensversicherung, 5 Mrd. € aus der Krankenversicherung und der Rest stammt aus der Direktversicherung, der Sachversicherung und der Pensionskasse.

Nach der Anlageverordnung der BaFin und dem Versicherungsaufsichtsgesetz sind Sie gezwungen, sehr sicher anzulegen. Nur 35 % des Ihnen anvertrauten Kapitals dürfen Sie in „risikoreichere Anlagen“ wie etwa Aktien stecken. Nutzen Sie diese Quoten aus?

Nein, bei Weitem nicht. Wir halten je nach Versicherung, nur zwischen 3 % und 4,5 % Aktien. Hierbei handelt es sich ausschließlich um Private-Equity-Werte, also Aktien nichtbörsennotierter Unternehmen. Zwischen 3,5 % und 5 % haben wir in spekulative Anleihen investiert. Ansonsten haben wir keine risikoreichen Anlagen.

Warum nicht?

Wir müssen jedes Risiko mit Eigenkapital unterlegen. Nachdem es 2001 zu Turbulenzen am Markt gekommen war, hat die BaFin 2002 die Anlage in risikoreiche Werte deutlich erschwert. Früher hatten Assekuranzen bis zu 35 % in Aktien angelegt.

Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management AG:

Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management AG: „Lebensversicherungen sind noch immer eine lohnende Kapitalanlage.“

Foto: Gothaer

Würden Sie nicht auch heute gerne mehr Risiken einzugehen?

Nein, wir legen ganz bewusst eher konservativ an.

In welche Werte investieren sie dann hauptsächlich?

In erster Linie in Rentenpapiere, hier sind wir zu etwa 83 % investiert. Davon sind etwas über 50 % Staatsanleihen und Pfandbriefe und knapp 30 % Kreditanleihen, also zum Beispiel Unternehmensanleihen. In Cash bzw. Cashäquivalent halten wir knapp 5 %.

Welche Rendite können Sie mit Ihrem Portfolio erzielen?

Wir haben nach HGB eine laufende Verzinsung von 4,2 %. Die laufende Verzinsung ergibt sich aus dem Kapitalstock, den wir momentan haben. Da sind also noch viele Anleihen aus der Vergangenheit drin, die höhere Renditen erzielen, als heute mit ihnen zu machen wären.

Für das, was wir momentan anlegen, erhalten wir eine Rendite von 3,7 %. Das ist der Tatsache geschuldet, dass wir eine momentan sehr ausgeprägte Niedrigzinsphase haben. Es ist gerade mit diesem Risikomix schwierig, eine Rendite von 4 % oder mehr zu erzielen.

Wie hat sich Ihre Anlagestrategie in den vergangenen Jahren verändert?

Wir haben unsere Laufzeiten angepasst. Wer länger anlegt, bekommt in der Regel mehr Rendite. Außerdem haben wir mehr in Projekte investiert, die weniger leicht veräußerbar sind und dafür eine höhere Rendite bieten. Wenn man heute zum Beispiel ein Gebäude der öffentlichen Hand finanziert, dann ist das nicht fungibel. Teilweise beträgt die Laufzeit zwischen 20 und 30 Jahren. Dafür erhalten wir aber Renditen, die über 4 % liegen.

Wie lange wird die Niedrigzinsphase noch dauern?

Das ist schwer zu sagen. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass wir längere Zeit keine Vorgaben mit Garantiezinsen bekommen, die über 4 % bis 5 % liegen. Die hatten wir aber auch in den letzten 30 Jahren nicht.

Lohnt sich denn dann eine Lebensversicherung überhaupt noch? Schließlich sind die Zinsen niedrig und die Gebühren hoch.

Ja, absolut. Die Lebensversicherungen sind noch immer eine lohnende Kapitalanlage. Zudem sichern sie das sogenannte Langlebigkeitsrisiko ab. Das heißt, eine Rentenversicherung zahlt Ihnen wirklich lebenslang die zugesagte Rente, auch wenn Sie 110 werden.

Allerdings sind sie heute ein sehr konservatives Instrument. Wegen der geforderten Eigenkapitalausstattung bei risikoreicheren Investments haben die Versicherungen ihren Aktienanteil wie gesagt deutlich reduziert. Das drückt natürlich die Rendite, macht die Anlage aber sicherer. Für junge Menschen ist vielleicht die klassische Lebensversicherung zu konservativ und eine fondsgebundene Lebensversicherung interessanter.

In Ihrem Job sind Sie gezwungen, sehr konservativ anzulegen. Wie agieren Sie bei Ihrer privaten Geldanlage?

Altersangemessen (lacht).

Was bedeutet das bei einem Fünfzigjährigen?

Ich habe vor, noch lange zu leben und meinen Kindern auch etwas zu vererben. Also kann ich risikoreicher anlegen. So habe ich etwa 50 % meines Vermögens in Aktien angelegt. Außerdem haben wir bei der Gothaer die Comfort Fonds, vermögensverwaltende Fonds, die auch schon bei kleineren Summen wie eine echte Vermögensverwaltung funktionieren. Die nutze ich natürlich auch.  

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