Arbeitsmarkt 28.07.2006, 19:23 Uhr

Ziel: Jedes Jahr 100 neue Arbeitsplätze  

VDI nachrichten, Zittau, 28. 7. 06, mav – Teils mussten sie lange Durststrecken überstehen, die Zittauer Unternehmer, die kurz nach der Wende loslegen wollten. Denn mit dem Untergang des DDR-Lkw Robur wurde auch mancher Traum vom eigenen Zulieferbetrieb begraben. Die sich durchgesetzt haben, machen Hoffnung – auf neue Jobs, auf eine industrielle Zukunft. Was Zittau hilft, ist die Nähe zu Hochschulen und zur Autoindustrie in Sachsen, Tschechien und Polen.

Zittau 1990: Wie fast überall in Ostdeutschland sind die Menschen auf der Suche nach der wirtschaftlichen Zukunft. Mit drei weiteren jungen Wissenschaftlern aus der TH Zittau ist Bert Handschick in Aufbruchstimmung. Sie wollen etwas Neues entwickeln. Im Blick haben sie den Robur, den DDR-Lkw, der Zittau seinen Ruf als Automobilzentrum einbrachte. „Wir revolutionieren mal den Zittauer Automobilbau“, – so die Grundidee. Doch leider interessierte sich keiner für den Lastwagen.

16 Jahre später blickt Bert Handschick von seinem Besprechungsraum im Gewerbegebiet Zittau Nord-Ost zurück. Während Handschick noch lächelnd über die eigene Blauäugigkeit, über die Anfänge als Unternehmer berichtet, steht das letzte Robur-Gebäude vor dem Abriss.

Das Team blieb damals optimistisch. Die neue Geschäftsidee: „Wir bauen eine schöne Maschine für irgendwas“. Was folgte, war ein „Überlebenskampf“. Zum Glück bot der Umbruch im Osten den jungen Wissenschaftlern immerhin eine kostenlose Firmen-Bleibe in einer alten Baracke, und zusätzlich kamen die Westgelder für Einzelprojekte.

Es funktionierte. Handschick beschäftigt heute 29 Menschen. Sie entwickeln wirklich Neues. Jedoch weit weg vom Automobilbau. Sondermaschinen sind ihre Stärke, und richtig Geld verdienen sie mit Müll.

1995 kam eine Anfrage von Thyssen-Henschel, die hatten eine Anlage gebaut, die zwar Flaschen aus dem gelben Sack sortieren konnte, aber nicht nach Sorten unterscheiden. Das war der Einstieg in das heutige Hauptgeschäft: Müllsortierung. Bis 1999 war Thyssen-Henschel der Hauptkunde. Die Sondermaschinen sind das zweite Standbein. Mit 30 % des Gesamtumsatzes bilden sie sozusagen die Rückversicherung, falls die Müllsortierung einbricht.

Doch derzeit spricht wenig dafür, dass die RTT Systemtechnik auf das falsche Produkt setzt. Weltweit beherrschen vier Firmen den Markt – eine davon ist RTT. Bert Handschick hielt als Einziger der Gründer bis heute durch.

Die Stärken des kleinen Unternehmens seien Individualität und Kundennähe, so der Geschäftsführer. „Wir machen nur eine Komponente innerhalb der riesigen Anlagen“, reduziert der RTT-Chef die Eigenleistung. „Das interessanteste Teil ist die Sensorik, die identifiziert, was auf dem Band ankommt.“ Für die Infrarotspektroskopie kooperieren die Zittauer mit LLA Instruments aus Berlin. „Wir bauen da ein bisschen Maschine drum rum“, lacht Handschick.

Das „bisschen“ Maschine wird allerdings ergänzt um kundenspezifische Datenbanken, um Aufbau und Service. Der kann in Deutschland ebenso wie in Südafrika oder Japan geleistet werden. Jede zweite Maschine geht ins Ausland. 2006 erwartet Handschick einen Umsatz, der „über 5 Mio. €“ liegt, und weitere Mitarbeiter will er auch einstellen.

Das sind Erfolgsgeschichten, die Holger Knüpfer liebt. Der Wirtschaftsförderer der Stadt hat mit seinem Amtsantritt zwei Ziele definiert: „Alles, was ich irgendwo abreiße, baue ich auch wieder auf“, und „ich will jedes Jahr 100 neue Arbeitsplätze in die Stadt holen“.

Es war Anfang der 90er-Jahre, als in Zittau die Zahl der Industrie-Arbeitsplätze von 10 000 auf 150 schrumpfte. Die Arbeitslosigkeit lag bei 30 %. Heute gibt es wieder 2200 Industrie-Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit liegt zwar immer noch bei 21 %, aber für die Jungen, insbesondere für die Absolventen der FH Zittau/Görlitz seien die Aussichten gut, meint Knüpfer.

Der Wirtschaftsförderer setzt auf Industrie-Cluster. Seine Schwerpunkte sind Automobilzulieferer, weil Zittau schließlich im neuen Automobildreieck, Schlesien, Böhmen und Sachsen liege. Dazu kommen Unternehmen, die spezialisiert sind auf Beschichtungstechnologie. „Jetzt sind wir dabei, zusammen mit Hochschulen in Polen und Tschechien Wachstumskerne aufzubauen: Mikrowellen- und Oberflächentechnik, mechatronisch gestützter Vorrichtungsbau sowie ein virtuelles Maschinenbauzentrum.“ Knüpfers Ziel ist es, das Know-how vorhandener Unternehmen mit der Hochschul-Kompetenz im Dreiländereck zu verbinden.

Der 61-jährige Diplom-Ökonom hat noch viel vor in der Stadt. Sein Büro ist voll gepackt mit Flächennutzungsplänen. Er selbst hat allerdings nicht das prosperierende Gewerbegebiet vor Augen, sondern blickt auf Bauten der früheren Nationalen Volksarmee (NVA).

Hier, an der NVA-Hochschule, arbeiteten zum Ende der DDR vier Elektrotechniker in einer Entwicklungsabteilung. Sie sprangen, weil es nichts anderes gab, ebenfalls in die Selbstständigkeit. Auch dieses junge Technikteam hatte erst die Automobilindustrie im Visier. Heute können Harald Anders (48), Lutz Berger (42), Andreas Görnitz (38) und Bernd Heinrich (55) auf ein erfolgreiches Unternehmen verweisen. Und die Automobilindustrie zählt tatsächlich zu ihren wichtigsten Kunden.

Im Gründungsjahr 1991 hatten sie Glück – glaubten sie. Ein Westunternehmen bot ihnen an, eine Entwicklungsabteilung aufzubauen. Auf eigenes Risiko und mit dem Namen Digades. Doch die Ost-West-Zusammenarbeit zerbrach bald. Erst 1993 entwickelten die Elektrotechniker ihr erstes eigenes Produkt. „Ohne Marketingkonzept“, wie der heutige Geschäftsführer Lutz Berger einräumt. „Radio Data“ war ein Funkmodul, das über eine serielle Schnittstelle mit einem PC verbunden war und Daten aus der Produktion liefern konnte.

Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass ihr Unternehmen sich mit Produkten zur Funkübertragungstechnik befassen würde. Ihr Slogan „damit es FUNKtioniert“, machte ihnen allerdings bald ein anderes Westunternehmen streitig: die damalige Daimlertochter Debis. Doch da hatten die Funker aus Zittau schon Fuß gefasst und einige Großfirmen auf ihrer Kundenliste. Der Durchbruch kam für Berger ab 1995. Da brachten sie ihr erstes Reifendruck-Kontrollsystem auf den Markt. Der nächste große Schritt wurde 1998 getan als sie beschlossen, ihre eigenen Produkte auch selbst herzustellen.

„Seit 1999 fertigen wir hier in Serie“, sagt Rainer Fabinski. Der 48-jährige Leiter der Oberflächenmontagetechnik und Herr über zwei vollautomatisierte Linien bei Digades ist überzeugt, dass bei hauseigener Fertigung „die Produkte ausgereifter werden“.

Im August feiert der studierte Nachrichtentechniker sein zehnjähriges Firmenjubiläum. Als Angestellter Nr. 12 erinnert er sich noch gut an die stetige Vergrößerung von Digades – ein Wortkürzel für digitales und analoges Schaltungsdesign. Mittlerweile arbeiten hier über 110 Mitarbeiter. Zu den Kunden von Digades zählen heute nahezu alle namhaften Autohersteller.

Zittau 2006: Digades nähert sich einem neuen Umsatzrekord. 15 Mio. € erwarten sie. Bei RTT wird die erste Sortieranlage für Südkorea gebaut, und die Entwickler tüfteln an einer Maschine, die wertvolle Leiterplatten aus dem Elektronik-Schrott fischt. Leiterplatten, die bei Digades sorgfältig und mit höchster Präzision bestückt werden. B. BÖHRET/N. WOHLLAIB

Von B. Böhret/N. Wohllaib
Von B. Böhret/N. Wohllaib

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