Ingenieur-Porträt 12.10.2012, 19:55 Uhr

Wirtschaftsingenieur Spitzl: Exot zwischen zwischen Technik und Wirtschaft

Obwohl nur die wenigsten Ingenieure für Finanzdienstleister wie Versicherungen arbeiten und damit als Technikexoten gelten, ist ihre Expertise auch in dieser Branche gefragt – wie die des gelernten Wirtschaftsingenieurs Thomas Spitzl, der als Risikoanalyst erneuerbare Energien bewertet.

Thomas Spitzl gefällt der "grüne" Aspekt seiner Arbeit am Puls von Hightech.

Thomas Spitzl gefällt der "grüne" Aspekt seiner Arbeit am Puls von Hightech.

Foto: Siemens

Energiewende und ökologische Energiegewinnung sind Themen, mit denen sich Thomas Spitzl schon länger als die Bundesregierung beschäftigt. Denn er sorgt dafür, dass erneuerbare Energien wie Windenergieparks oder Solarkraftwerke mit dem nötigen Startkapital ausgerüstet werden – oder sie müssen nachbessern, sollte sich seine Risikoanalyse als nicht tragfähig erweisen. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur arbeitet als Risk Advisory Analyst für den Münchner Allianz-Konzern.

„Dass ich Wirtschaftsingenieurwesen studiert habe, war eigentlich die logische Konsequenz meiner damaligen Leistungskurse: Mathematik, Physik, Wirtschaft und Recht“, sagt Thomas Spitzl. „Ich hatte schon immer Interesse an technischen Sachverhalten, was sich während des Studiums in Richtung erneuerbare Energien konkretisiert hat. Ich fand den Gedanken spannend, dass man als Wirtschaftsingenieur breit gefächert arbeiten kann.“

Während des Studiums konzentrierte er sich auf Energietechnik und erneuerbare Energien, im wirtschaftswissenschaftlichen Teil auf Risikomanagement, Statistik, Energiewirtschaft und Controlling. Ein Jahr verbrachte er in Spanien, studierte in Madrid. Einen guten Eindruck vom Alltag in seinem Job nahm er während mehrerer Praktika bei einem Maschinenbauunternehmen und in einem Ingenieurbüro für Wärme- und Energietechnik mit. Dann, als Werkstudent der Allianz-Versicherung, lernte er seinen künftigen Arbeitgeber kennen und arbeitet seither für Allianz Climate Solutions.

„Das Team, in dem ich arbeite, analysiert und bewertet Technologie-Projekte für interne Allianz-Gesellschaften oder externe Kunden. Dabei untersuchen wir die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen von Erneuerbare-Energien-Projekten und prüfen Risiken und Bankability.“

Wirtschaftsingenieur Spitzl arbeitet vornehmlich in der Projektanalyse

Spitzl selbst arbeitet vornehmlich in der Projektanalyse. „Hier geht es etwa um Ausfallwahrscheinlichkeiten einer Anlage für erneuerbare Energien. Wir prüfen etwa, ob Komponenten einer Windkraftanlage zueinanderpassen, ob technische Schäden bei den Herstellern bekannt sind.“ Das ist der ingenieurwissenschaftliche Teil seines Jobs.

Darüber hinaus simuliert Spitzl die Cashflows von Projekten, wertet die Vertragsdaten aus, besichtigt Fabriken – wie kürzlich die eines Fotovoltaik-Herstellers. „Das ist eines unserer Hauptbetätigungsfelder derzeit. Die Fotovoltaik-Technologie ist mittlerweile so kostengünstig geworden, dass auch andere Länder auf diesen Zug aufspringen.“

Für die besichtigten Fabrikanlagen evaluiert Spitzl deren Herstellungsprozesse. In Berichten halten er und seine Abteilung ihre Eindrücke über das Qualitätsmanagement, Garantiebedingungen von Teilen oder Versicherungsaspekte fest – Arbeitsprozesse, die ihm durch sein Studium von Technik und Wirtschaft seit Langem vertraut sind. „Dadurch, dass ich im Risikomanagement arbeite, muss ich nicht nur technische Sachverhalte und Prozesse bewerten können, sondern auch Ertragsdaten auswerten und den Cashflow ermitteln. Deshalb kommt mir die Kombination aus technischer und wirtschaftlicher Sichtweise zugute.“ Ein Beruf an der Schnittstelle zwischen Innovation und Wirtschaftlichkeit.

Schon im Studium, das je zur Hälfte aus technischen und wirtschaftlichen Komponenten bestand, beschäftigte er sich mit der eher wirtschaftlichen Sichtweise auf die erneuerbaren Energien. „Für meine jetzige Arbeit kann ich beide Aspekte gut gebrauchen, da wir eine sehr technische Sicht auf die Dinge haben, diese aber für Nicht-Ingenieure innerhalb und außerhalb des Konzerns aufbereiten: Damit können diese qualifizierte Aussagen treffen, obwohl sie nicht über ein tiefgehendes, fachspezifisches Wissen verfügen.“

Wissen, das sich um den Bau von Fotovoltaikanlagen dreht, um Biogas und Geothermie, Wind- und Wasserkraft. Thomas Spitzl gefällt dieser „grüne“ Aspekt seiner Arbeit am Puls moderner Hightech. „Wir sind über die aktuellen Innovationen auf diesem Sektor immer im Bilde.“

Versicherer suchen regelmäßig Ingenieure

Und er sieht Chancen für mehr Ingenieure in Versicherungen und bei Finanzdienstleistern, die Projekte oder Schadensfälle aus ihrer Berufserfahrung heraus kompetent bewerten können. Die Expertise von Prüfingenieuren, Maschinenbau- oder Schadensingenieuren fände insbesondere bei technischen Sachversicherungen fruchtbaren Boden, meint Thomas Spitzl.

Und auch ein Blick in die Stellenbörsen der drei größten deutschen Versicherungs- und Finanzdienstleister zeigt: Ingenieure werden auch hier immer wieder gesucht. Die Allianz bietet Jobs nicht nur für Wirtschaftsingenieure an, sondern auch für Ingenieure aus Energietechnik und erneuerbaren Energien.

Der Rückversicherer Munich Re sucht Ingenieure der Fachrichtung Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Verfahrenstechnik, die Talanx Sicherheitsingenieure und Verfahrenstechniker. Dennoch sind Ingenieure bei Finanz- und Versicherungsunternehmen eher Exoten: Laut aktueller Statistik der Bundesingenieurkammer arbeitet nur 1 % der Ingenieure in der Finanz- und Versicherungsbranche.

  • Falk Enderle

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