Arbeitsmarkt 14.11.2008, 19:38 Uhr

„Wir stellen weiter Ingenieure ein“  

VDI nachrichten, Berlin, 14. 11. 08, Fr – Die Autobranche kämpft mit einer Absatzkrise. Kurzarbeit, Zwangsurlaub und vorübergehende Werkschließungen prägen derzeit das Bild. Doch Hersteller und Zulieferer wollen, müssen und werden trotz Krise weiter in Forschung und Entwicklung investieren.

Jetzt, wo mancher Konkurrent schwächelt, will Volkswagen erst recht Ingenieure einstellen. „Auch in der letzten Krisenphase haben wir konsequent auf Forschung und Entwicklung (FuE) gesetzt und hier investiert, um beim folgenden Aufschwung mit neuen Modellen zu punkten“, berichtet Wolfgang Steiger, Leiter Antriebe der VW-Konzernforschung. Azyklisches Handeln zahle sich gerade im FuE-Bereich aus.

Steiger sieht trotz Absatzkrise weiterhin gute Aussichten für junge Ingenieure. Denn die Autoindustrie hat alle Hände voll zu tun. „Auch wenn es die Controller nicht gerne hören, wir müssen uns gerade im Antriebsbereich alle Optionen offenhalten“, sagt er. So kommt es zur Parallelentwicklung von Mild-, Full-, seriellen Hybriden oder Brennstoffzellen- und batteriebetriebenen Elektroautos. Zusätzlich sind effizientere und emissionsärmere Verbrennungsmotoren für Benzin, Diesel, Erdgas, hochprozentige Bioethanolgemische (E-85) gefragt. Außerdem arbeiten die Forscher an einer neuen Motorgeneration, in der Otto- und Dieselmotor zusammenwachsen.

Gerade die Hybridkonzepte steigern die Komplexität der Entwicklungsprozesse enorm. Die Ingenieure müssen dafür auch sämtliche Nebenaggregate anpassen. Zudem sind die Auslegung und Regelung des zusätzlichen Elektroantriebs und der Batterien eine nahezu philosophische Frage. Um Szenarien und Konzepte vergleichen zu können, entwickeln die Hersteller Prototypen und Simulationsmodelle. Zulieferer wie Bosch, Conti und ZF bringen sich mit modularen Hybridbaukästen in Stellung. „Um jedes Modell auch in einer Hybridvariante anbieten zu können, brauchten wir Tausende weitere Applikationsingenieure“, ist Daimler-Entwickler Benjamin Kaehler sicher. Aus Kostengründen sei es realistischer, ein Hybridmodell pro Baureihe anzubieten.

„Auch so ist der Applikationsaufwand noch enorm“, erklärt der Ingenieur vom Hybrid Development Center in Troy, Michigan. Entsprechend will Daimler 2009 trotz Krise weltweit 1000 Nachwuchskräfte einstellen. „Wir brauchen Ingenieurinnen und Ingenieure unter anderem für die Bereiche alternative Antriebe und Antriebsoptimierung, Elektrik/Elektronik, Fahrzeugkonstruktion und Leichtbau.

Während die Hersteller in der aufziehenden Krise Stärke demonstrieren und gerade jetzt ihre Fühler nach Ingenieuren ausstrecken, sind die Zulieferer zurückhaltender. Dieses Jahr hat die Bosch-Gruppe weltweit 5500 junge Akademiker eingestellt, davon 1500 in Deutschland. Angesichts der Krise hält sich das Unternehmen nun mit konkreten Prognosen zurück. „Eines ist aber sicher. Im FuE-Bereich wird es keine Einschnitte geben. Hier werden wir weiter einstellen“, erklärt Dirk Haushalter, Sprecher für Personalfragen. Auch das Nachwuchsführungskräfte-Programm, das 2008 weltweit 240 Top-Leute aufnahm, läuft uneingeschränkt weiter. „Bosch lebt von Innovation“, sagt er.

Auch in vergangenen Krisenphasen seien die FuE-Etats unangetastet geblieben. Ähnliches berichtet Andreas Veil aus der ZF-Konzernkommunikation. Nachdem man 2008 rund 450 junge Akademiker eingestellt habe, sei eine Vorhersage für 2009 schwierig. „Doch ZF wird an seiner Strategie festhalten und weiter in FuE investieren“, erklärt er. Als Dritter im Bunde meldet Continental 1200 Einstellungen von Jungakademikern weltweit im ablaufenden Jahr, aber unklare Perspektiven fürs kommende. Doch auch die Hannoveraner setzen weiter auf FuE. „Im Ingenieurbereich sind wir ständig auf der Suche nach talentierten und motivierten Mitarbeitern.“

Es ist nicht mehr die Frage, ob die Hersteller und ihre Zulieferer auf Elektrifizierung setzen, sondern vielmehr, ob sie genug qualifiziertes Personal finden, um diese Herkulesaufgabe zu stemmen. Entwicklungsdienstleister haben den drohenden Engpass früh erkannt und massiv in den Aufbau von Hybridabteilungen mit entsprechendem System-Know-how investiert. Wilfried Nietschke leitet bei der Ingenieurgesellschaft Auto Verkehr (IAV) den Bereich Ottomotoren und Hybrid, der mittlerweile in Hybridprojekten verschiedener Reife bei unterschiedlichen Herstellern mitmischt. Angesichts der stark steigenden Zahl an Hybridprojekten ist er um die Zukunft seines Unternehmens nicht bang. „Wir stellen weiter Ingenieure ein“, sagt er. Derzeit habe man knapp 300 Stellen zu vergeben.

Die Botschaft für Forscher und Entwickler ist klar: Die Krise läuft an ihnen vorbei. Spannender ist die Frage, wie es in Vertrieb und Handel weitergeht. Der stockende Absatz trifft die 20 000 Autohändler im Lande und viele kleine Zulieferer hart. Dennoch warnt sie das Frankfurter Beratungsunternehmen b-k-p Consulting davor, nur mit Stellenabbau und Produktionsstopps zu reagieren. „Die Erfahrungen zeigen: Durch eine Verbindung aus kontinuierlichen Verbesserungsprozessen, Vertriebsoptimierung und Kostensenkung kann die Produktivität um 15 % bis 20 % steigen“, so die Berater. Der Hebel dazu liege gerade auf der Vertriebsseite, wo mancher Mittelständler bisher schwach aufgestellt sei. Stellenabbau wegen kurzfristig schlechter Zahlen hält Thomas Kremer, Chef der Beratung, für einen strategischen Fehler. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung müssten Firmen ihre Mitarbeiter langfristig binden und sich mit ihnen weiterentwickeln – auch in Krisenzeiten. PETER TRECHOW

Daimler will 2009 weltweit junge Leute einstellen

Von Peter Trechow
Von Peter Trechow

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