Arbeitsmarkt 26.07.2002, 18:20 Uhr

„Wir können unseren Bedarf jetzt hier decken“

die Green Card.

Sollte das Zuwanderungsgesetz – gegen das die unionsgeführten Bundesländer kürzlich Klage eingelegt haben – ab dem 1. 1. 03 gelten, wird sich dies zunächst auf die Situation der Green Cardler nicht auswirken, so die Auskunft von Pressesprechern des Bundesministeriums des Innern sowie des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung. Die Green Card werde bis zum 31. 7. 03 parallel laufen. Dennoch sind Teile der Voraussetzung für die Green Card dann durch das Zuwanderungsgesetz ausgehebelt, was die Erarbeitung einer Rechtsverordnung zum Thema Green Cardler und Zuwanderungsgesetz nötig macht. Sie ist in Vorbereitung. „Im Moment sind wir in einer inkommoden Situation, weil wir nicht genau wissen, wie es weitergeht“, sagt Günther Schauenberg, Leiter des Referats Internationale Arbeitsmarktbeziehungen bei der Bundesanstalt für Arbeit. Zur Green Card sagt er auch: „Es klappt in aller Regel, ein paar sind allerdings zurückgereist.“ Die erste Tranche sei „zügig weggegangen“, jetzt „tröpfelt es weiter“.
Anandi Iyer ist bei der deutsch-indischen Handelskammer in Neu Delhi beschäftigt und vermittelt Kontakte zwischen indischen und deutschen Unternehmen. Sie kann sich nicht erinnern, dass sich ein deutsches Unternehmen bei ihr nach potenziellen Green Cardlern erkundigt hat. Indische Fachkräfte seien allerdings auch wegen des hohen Steuersatzes und der Sprachbarriere nicht so sehr an der German Green Card interessiert. Und dann kommt die überraschende Aussage, dass die Fachleute in Indien Deutschland – was die Technologie anbelangt – nicht auf dem neuesten Stand sehen und sich in Silicon Valley und anderswo mehr versprechen. Dass es teilweise Probleme bei der Integration gibt, weiß sie. „Ich komme regelmäßig seit elf Jahren hierhin und ich habe das Gefühl, Deutschland ist eher introvertiert. Man will eher osteuropäische Märkte angucken, bevor man so weit hinausgeht.“
Auf mancher Internetseite, die als Kommunikationsplattform für Green Cardler dient, ist nicht immer Erfreuliches zu lesen. Es gibt Kommentare, die der Enttäuschung über Jobverlust und manchmal empfundene Ungastlichkeit in Deutschland Ausdruck verleihen. Mrs. und Mr. George aus Kerala in Südindien haben hingegen nur positive Erfahrungen gemacht.
Im Internet waren sie auf der speziellen Seite der Bundesanstalt für Arbeit auf die Firma dSpace, einem nach eigenen Angaben global agierenden führenden Anbieter für die Entwicklung und den Test schneller mechatronischer Regelungssysteme, aufmerksam geworden. Von der German Green Card hatten sie in den indischen Zeitungen gelesen. Am 1. 8. 01 kam das Ehepaar nach umfangreichen Tests nach Paderborn. Beide sind Green Cardler und in unterschiedlichen Projekten tätig. Sie haben beide Informatik in Indien studiert und mit Master-Diplom abgeschlossen. Ihre Spezialität: Die Sprachen C++, VC++, COM. „Sie sind die Jahrgangsbesten gewesen“, sagt Harald Wilde, Personalchef bei dSpace. Zudem haben sie bereits mehrjährige Berufserfahrung in einem amerikanisch-indischen Joint-Venture gesammelt. „Solche Leute gab es auf dem deutschen Markt nicht“, sagt Wilde. Ob er ihnen das Gleiche bezahlt wie vergleichbaren deutschen Kräften? „Leicht darunter“, räumt er ein.
Er und seine Mitstreiter kümmern sich um die Integration der 14 Green Cardler (350 Mitarbeiter insgesamt) bei dSpace. Deutschkurse stehen zu Beginn auf dem Plan – nach der Arbeit und drei Mal die Woche. „Abteilungstreffen machen wir jetzt schon auf Deutsch“, sagt Manju Mary George (25). Bei der Wohnungssuche und Alltäglichkeiten steht die Personalabteilung hilfreich zur Seite. Es sind sogar Freundschaften entstanden. Als Mrs. George vor sieben Monaten Sohn Rohan – „sozusagen ein Green Card-Baby“ wie Vater Mathew George (26) mit einem Lachen sagt – zur Welt brachte, war die Freundin aus der Personalabteilung eine der ersten, die gratulierte. Warum sie nach Deutschland gekommen sind? Sie wollen einfach berufliche Erfahrungen im Ausland machen – das beflügelt die Karriere in Indien. Es ist für sie klar, dass sie irgendwann zurückgehen werden. Sie haben dort jeweils eine gut dotierte Position, Familie und Freunde zurückgelassen. Deutschland haben sie als Green Card-Land den USA vorgezogen, weil sie Gutes über das Land gehört hatten von den Cousinen, die in Frankfurt leben und arbeiten.
Auch Alin-Florin Chis (30) aus Rumänien, ein mehrsprachiger High Potential aus dem Bilderbuch, ist zufrieden. Nach einer beruflichen Odyssee in seinem Heimatland hatte der Ingenieur beschlossen, etwas zu wagen. „Ich will ein Gewinner sein“, sagt er. Durch seine Tätigkeiten bei Siemens und Procter und Gamble in Rumänien hat er andere westeuropäische Länder gesehen. „Ich könnte mir dort niemals eine schöne Wohnung, ein Auto und solche Dinge leisten.“ Rumänien bilde zwar Ingenieure für Hightech aus, beschäftige sie dann aber nicht. „Es ist unglaublich.“ Die wirtschaftliche Infrastruktur fehle, und häufig sei das Denken der Menschen dem wirtschaftlichen Wandel noch nicht aufgeschlossen. Von 100 Ingenieuren würden nur zehn in ihrem Beruf arbeiten und dafür schlecht bezahlt. „Wenn man offen ist, ist es kein Problem hier Kontakte zu finden“, sagt er über die Deutschen. Zurzeit stellt dSpace keine neuen Green Cardler ein. „Wir können unseren Bedarf auf dem hiesigen Markt decken“, sagt Personalchef Harald Wilde. Aber er glaubt, dass das im nächsten Jahr schon anders sein wird, wenn die Konjunktur anzieht und sich alle um die einheimischen Fachkräfte reißen. CLAUDIA HANTROP

Von Claudia Hantrop
Von Claudia Hantrop

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