Mobile Recruiting 09.04.2010, 19:46 Uhr

Wie Firmen über das mobile Internet Bewerber ansprechen  

Unternehmen werden nach Ansicht von Experten das mobile Internet bald selbstverständlich zur Personalbeschaffung nutzen. Per Knopfdruck kommt die Personalanzeige aufs Handy. Doch noch setzen viele auf die traditionellen Wege. VDI nachrichten, Bonn, 9. 4. 10, cha

Früher brachte der Personalleiter ein Schild am Werkstor an, wenn es im Haus Vakanzen gab. „Wir stellen ein“, stand darauf. Heute brauchen sich Jobsucher nur mit ihrem Handy vor das Werkstor zu stellen, um die gleiche Information zu bekommen: Per Knopfdruck erfasst das Mobiltelefon die geografische Position, identifiziert die jeweilige Firma und schaut im Internet nach, welche Stellen dort frei sind. Das ist keine Zukunftsmusik: Seit Kurzem bietet die Stellenbörse Jobstairs eine kostenlose Software für das iPhone an, die automatisch offene Positionen in der Umgebung des Nutzers anzeigt. Über 50 Firmen speisen ihre Jobs hier ein, darunter SAP, RWE, Microsoft und der Autozulieferer Brose.

Diese Praxis hat Zukunft. Experten erwarten nämlich, dass Unternehmen das mobile Internet bald selbstverständlich zur Personalbeschaffung nutzen werden. „Das Interesse an Mobile Recruiting ist groß“, sagt Wolfgang Jäger, Professor an der Hochschule RheinMain, Wiesbaden. Er hat unlängst eine Umfrage zum so genannten M-Recruiting durchgeführt. Demnach erwarten 89 % aller Unternehmen, dass die Bewerberansprache über mobile Endgeräte an Bedeutung gewinnt.

Dass immer mehr Firmen ins „Hosentaschen-Internet“ streben, hat einen simplen Grund: Die Personaler wissen, dass in wenigen Jahren Talente demografiebedingt wieder knapp werden. Nur Firmen, die bis dahin einen engen Kontakt zu den Kandidaten aufgebaut haben, kommen dann noch zum Zug.

„Wir müssen die Leute da abholen, wo sie unterwegs sind“, erklärt Andrea Schönwetter, Leiterin Personalmarketing bei der Deutschen Telekom. Der Bonner Konzern hat unlängst eine eigene Minisoftware für iPhones vorgestellt, die Interessenten ständig über neue Vakanzen auf dem Laufenden halten. Andere Firmen arbeiten fieberhaft daran, ihre Karriere-Webseiten so umzugestalten, dass sie auch auf den kleinen Displays mobiler Endgeräte gut lesbar sind – für den Angestellten, der auf dem Weg zum Job in der Straßenbahn seinen nächsten Arbeitgeber sucht.

Der Medienkonzern Bertelsmann etwa leitet mobile Besucher bereits automatisch auf so eine abgespeckte Homepage um (www.create- yourowncareer.de). Softwarefirmen, die passende Programme für die Umformatierung der Seiten liefern, melden reges Interesse.

Natürlich steckt M-Recruiting noch in den Kinderschuhen. Derzeit werden überwiegend Absolventenstellen auf diesem Weg vermarktet alte Hasen lassen sich nach wie vor lieber per Print bezirzen. „Eine Person aus der ersten Führungsebene mag ein mobiles Endgerät besitzen – und möchte trotzdem lieber über andere Kanäle angesprochen werden“, betont Charles Donkor, Principal beim Beratungsunternehmen Hewitt in Zürich. Das wissen die Firmen – und handeln danach: Bei einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom gaben 85 % aller Firmen an, weiterhin Stellenanzeigen in Zeitungen und Fachmagazinen zu veröffentlichen.

Doch diese Hürden werden in Zukunft fallen: Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet, dass es 2013 weltweit mehr internetfähige Handys als stationäre Netz-PCs geben wird. Gleichzeitig streift das Mobiltelefon sein Image als billige SMS-Maschine für Teenies ab. In zehn Jahren stellen die so genannten Digital Natives die Berufserfahrenen. Und für diese Menschen, die keine Welt mehr ohne Internet kennengelernt haben, ist das Handy ein völlig selbstverständliches Arbeitsmittel, eine Art Universalfernbedienung für das Leben. Einige Experten gehen deshalb sogar noch weiter – und erwarten, dass der gesamte Rekrutierungsprozess drahtlos ablaufen wird. „Wir werden auch die eigentliche Bewerbung über mobile Geräte anbieten“, kündigt Gero Hesse, Personaler bei Bertelsmann an.

In einer Nische funktioniert das Prinzip „Bei Anruf Job“ übrigens schon – bei den Aushilfen. Hier haben sich Plattformen wie Aushilfe-Direkt.de etabliert, auf denen Arbeitgeber kurzfristig freie Jobs eintragen können. Der Dienst sendet daraufhin an alle registrierten Aushilfen in der Region eine SMS mit Einsatzort, Stundenlohn und Handynummer des Auftraggebers. Wer Interesse hat, ruft einfach zurück.

Viele Umzugsunternehmen und Restaurants nutzen den kostenlosen Service schon selbstverständlich – nicht zuletzt, weil mithilfe des Handydienstes die Suche nach Aushilfen nur noch halb so lange dauert wie früher, als das berühmte „Wir suchen¿“-Schild ins Fenster gehängt werden musste.

CONSTANTIN GILLIES

Von Constantin Gillies
Von Constantin Gillies

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