Karriere 07.10.2005, 18:40 Uhr

Wenn der Umzug zur Normalität wird

VDI nachrichten, Berlin, 7. 10. 05 – Eigentlich ist es sein Traumberuf. Mobilität und Reisen schrecken ihn nicht. Ralf Kube genießt die Arbeit abseits des Büroalltags, das tägliche Improvisieren und Gestalten. Noch schöner wäre es mit familienfreundlichen Homeoffice-Tagen.

Mitten im Urlaub war es wieder da, dieses nur allzu vertraute, dunkle Gefühl in der Magengegend. Er hatte es ignoriert, in der Hoffnung, es handele sich nur um eine kleine Verstimmung. Nein, diesmal würde es nicht so schlimm werden. Ich bin doch nicht der einzige, der viel herumreisen muss. Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Was sollen arbeitslose Kollegen denn sagen?
Doch pünktlich zum Urlaubsende war es wie immer: Während die Familie die Koffer auspackte, packte er gleich wieder ein. So, jetzt lässt du deine Familie wieder im Stich, wetterte seine innere Stimme, während er in die Augen seiner Frau sah. Die beiden Söhne, elf und neun Jahre alt, schliefen schon. Ab morgen würden sie wieder eine Woche lang auf ihren Vater verzichten müssen. Zusehen beim Judotraining, Hausaufgabenbetreuung, das gemeinsame Abendbrot, all das würde er wieder verpassen. Wie so oft während der letzten drei Jahre.
Ralf Kube (Name geändert) ist 41. Sein Lebenslauf ist ein Beweis dafür, dass er sich nie hat unterkriegen lassen. Als Steiger hatte er schon früh gelernt, sich vor harter Arbeit nicht zu drücken. Doch was tun gegen die Angst, dass das nicht reicht, selbst ein paar Jahre später als promovierter Bergbau-Ingenieur? Seine Branche hatte sich endgültig vom Kohle-Abbau auf den Abbau von Jobs spezialisiert. Er reagierte schnell. Wurde Spezialist für SAP-basiertes Controlling und hoffte, dabei zu helfen, mit seinen Programmen den letzten noch arbeitenden Zechen im Ruhrgebiet Kostenbewusstsein einzuimpfen und so für Heilung zu sorgen.
Ein aussichtsloser Kampf. Ralf Kube wollte nicht mit ansehen, wie er ihn jeden Tag Stück für Stück verlieren würde. Die Globalisierung hatte auch seinen Lebenslauf erreicht. Vor sechs Jahren flatterte ihm das Angebot einer seit kurzem börsennotierten Beratungsfirma auf den Tisch, für sie westwärts zu ziehen, ins kalifornische Silicon Valley. Für den Karrieresprung überredete er seine Familie, ihm dorthin zu folgen, wo es niemals regnet. Der Strand war gerade mal eine halbe Autostunde entfernt, die deutsche Schule nicht einmal fünf Minuten zu Fuß. Es schien das Paradies. Doch es war Knochenarbeit, noch härter als unter Tage. Statt Hitze und Staub im Stollen setzten ihm hier enormer interner Leistungsdruck und wirtschaftlicher Abschwung arg zu. War es das wert?
Also zurück nach Deutschland, endlich wieder eine Heimat finden, wenn auch diesmal 150 km entfernt von der ehemaligen Heimatstadt. Ein kleiner Ort im Rheinland, eigenes Haus, nette Nachbarn, man kennt und hilft sich. Und die Männer verlassen Montags die Neubau-Siedlung, um meist erst am Wochenende wiederzukommen. Nur die, die ohne Job sind, bleiben.
Kurioserweise lag Ralf Kubes nächster Arbeitsplatz wieder im Ruhrgebiet. Eineinhalb Stunden vom neuen Zuhause, wenn alles gut ging. Wenn es spät wurde, blieb er im nahen Elternhaus, wo er sich ein Mini-Apartment unter dem Dach eingerichtet hatte. Statt Familienleben ging er an solchen Abenden mit seinem Laptop meist noch ins benachbarte Restaurant und bereitete den nächsten Tag vor.
Bis ihn eine Tochtergesellschaft anwarb, für sie nach Hannover zu gehen. Plötzlich waren es fast 400 km bis nach Hause. Die Firma bot ihm eine möblierte Wohnung quasi auf dem Hinterhof des Firmengebäudes an, die er sich nun in der Woche mit einem Kollegen teilt. Doch sie sehen sich selten, immer ist einer von beiden auf Dienstreise. Ralf Kube reist oft in die Slowakei, manchmal nach Ungarn. Der Abstand zur Familie wächst mit jeder Dienstreise.
Ein Zug, der kaum aufzuhalten scheint. Neulich bekam er wieder ein Angebot. Eine Stelle in Ratingen, beinahe um die Ecke. Doch hinter der scheinbaren Rückkehr zum alltäglichen Familienleben verbarg sich eine Reisetätigkeit, die mit „Central Europe, Arabia and China“ zusammengefasst wurde. Ralf Kube sagte ab, daran änderte auch die angebotene üppige Gehaltsaufstockung nichts.
Fühlt er sich als Globalisierungs-Opfer? Hätte er nicht gute Gründe, die von ihm verlangte Mobilität als Super-Gau zu sehen? Für die erzwungene Distanz zur Familie mag das stimmen, räumt er ein. Aber das Arbeiten in der Welt dort draußen hat ihn über die Jahre verändert. Er kämpft nicht mehr damit, im Gegenteil, er möchte es nicht mehr missen. Keine Bürokratieenge, kein Wasserkopf, der Entscheidungen verhindert, kein Büroalltag, der ihn lähmt.
Er kann gestalten, kreativ sein, er kann improvisieren. Er liebt diese Herausforderungen, denn er sammelt Erfolgserlebnisse, anstatt sich über lange Entscheidungswege und zu viele Hierarchieebenen zu ärgern. Hier ist er sich einig mit vielen seiner reisenden Kollegen, die er häufig auf den Flughäfen in München und Wien wiedertrifft. Kaum einer von ihnen will zurück in die Enge der Zentrale, der immer gleiche Job Montags bis Freitags.
Was er sich wünscht? Mehr Nähe zur Familie. Und zu Chefs, die auf Probleme ihrer reisenden Mitarbeiter reagieren, z. B. mit familienfreundlichen Homeoffice-Tagen. Denn die Arbeit macht ihm doch Spaß, sagt Ralf Kube. Und mit einer Familie, die ihn wieder häufiger sieht statt ihn immer nur über Handy erreicht, noch viel mehr. ANDREAS LEIMBACH

Von Andreas Leimbach
Von Andreas Leimbach

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